Die Sache mit dem Rassismus

Veröffentlicht: 26/09/2012 in Uncategorized

Juli 2012: Vor einiger Zeit machte Sarah Kuttner (Moderatorin, Redakteurin) mit einigen rassistischen Äußerungen von sich reden, in dem sie erklärte, dass sie Angst vor einer schwarzen Puppe hatte, das N-Wort benutzte und (so einige Berichte) den Mann,  der sich dadurch angegriffen gefühlt hatte aus der Lesung warf. Eine Anzeige und mehrere Berichte dazu folgten. Etwas später bin ich dann auf den Blog „Afrika Wissen Schaft“ aufmerksam geworden, der einen interessanten Artikel zu dem enthält, was nach dem ganzen passierte. „Wenn weiße, weißen erklären, dass sie nicht rassistisch sind. Eure Absolution, mein Rant.“ so der Titel und allein dabei musste ich schon die String runzeln. Dennoch versuchte ich völlig unvoreingenommen mir eine Meinung über den Inhalt des Artikels zu bilden. Die Kernaussage: Nur ein Betroffener kann beurteilen was rassistisch ist“ halte ich für völlig richtig und ich verstehe auch, dass die Bloggerin  die Reaktion der Medien und der Kuttner Fans sauer aufstießen, doch etwas störte mich.  Ich hinterließ folgenden Kommentar (in der Hoffnung auf Aufklärung & einem Austausch):

 silbereule sagt: Dein Kommentar muss noch moderiert werden.

30. Mai 2012 um 14:01

Im Grunde ein guter Artikel, der sehr schön eine Problematik aufgreift, die viel zu häufig vorkommt. Die Kernaussage: Nur der Betroffene kann beurteilen was rassistisch ist und was nicht ist komplett richtig. Mir gefällt hierbei aber nicht die Typisierung der Weißen. Wenn man sehr kritisch liest, dann könnte man darauf kommen, dass nur Weiße rassistisch sind, was wiederum rassistisch wäre. Ich betone das “könnte man darauf kommen”, denn dies war sicherlich nicht deine Absicht doch Rassismus ist kein Problem der Weißen. Rassismus kann in jedem stecken, fernab der Hautfarbe, Religion, Abstammung. Auch ich, als weiße, in Ostdeutschland geborene Frau musste mir sehr häufig Dinge anhören, die nicht nur rassistisch waren, sondern nicht mal wahr. Entweder als Ossi (O-Ton: Geh zurück in deine Müllhalde) oder auch als Deutsche, denn in vielen Augen bin ich von vornerein ein Nazi und Rassist, weil ich nun mal aus Deutschland komme und auch Verwandte hatte, die Nazis waren. Das brauche ich nicht zu verleugnen, denn für die Verwandtschaft kann keiner was und ich habe diese Verwandtschaft nicht einmal kennen gelernt oder erlebt.
Wie gesagt: An sich alles richtig was du schreibst und an Hand deiner Beispiele und der Geschichte lässt sich nicht verleugnen, dass besonders Weiße noch sehr viel zu lernen haben was Rassismus an geht. Ich hoffe man versteht mich nicht falsch. Ansonsten: nachfragen 😉

Der mir erhoffte Austausch fand nie statt, mein Kommentar wurde nicht freigeschaltet. Ich habe ihn mir nochmal durchgelesen, ob sich jmd beleidigt fühlen könnte, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass dies nicht der Fall ist. (sollte das jemand anders sehen, so kann er mir das gerne mitteilen). Ich frage mich daher, ob eine andere Meinung und kritische Gedanken von der Bloggerin einfach generell abgelehnt werden oder ob es sich um eine stille Zustimmung meiner Vermutung handelt, dass ihrer Ansicht nach Rassismus nur ein Problem der Weißen ist. Natürlich hat jeder das Recht Kommentare zu seinem Blog abzulehnen, und auch ich würde das machen, aber lediglich, wenn rassistische Äußerungen oder Beleidigungen enthalten sind. Keines davon kann ich in meinem Kommentar entdecken.

Bei dem Blogeintrag  musste ich unweigerlich daran denken, dass ich als Deutsche mir bloß nicht erlauben darf kritisch zu sein, wenn es um andere geht, mir aber andererseits alles kommentarlos vorwerfen lassen muss. Das „nicht-freischalten“ meines Kommentares bestätigt mir dies leider wieder.

Update (26.09.2012): Der Entwurf zu diesem Eintrag schwebt nun schon recht lange in meinem virtuellen Kopf und ich war mir nie sicher was ich damit machen soll. Heute habe ich ihn mir mal wieder zur Brust genommen, mir nochmal alles durchgelesen und mir auch nochmal den Blog angeschaut von dem der Artikel stammt. Und ja, was soll ich sagen. Meine Vermutung wurde nur bestärkt. Natürlich weiß ich nicht wirklich etwas über die Bloggerin. Wie denn auch? Ich weiß, dass sie einen Master hat, den genauen Studiengang kann ich nicht nennen, ich tippe aber mal auf einen Studiengang, der sich mit Afrika beschäftigt. Da ich das nicht tue maße ich es mir auch nicht an mir darüber ein Urteil zu bilden. Vorüber ich mir aber ein Urteil bilden konnte ist ihre Sichtweise und durch ihren doch recht reißerischen Schreibstil, der mir normalerweise gut gefallen würde, wird dieser doch sehr klar. Sie stempelt weißfarbige Menschen von vornerein als unwissend im Bezug auf Diskriminierung und als Rassisten ab. Und, als Fazit: Dadurch fühle ich mich persönlich angegriffen und erlaube mir ihr Rassismus zu unterstellen.

Update 2 (27.09.2012): Ich hatte diesen Blogeintrag bisher unter Verschluss gehalten und mit einem Passwort versehen. Aus dem einfachen Grund, dass ich mir nicht sicher war, ob ich ihn wirklich veröffentlichen möchte, ihn aber dennoch mal jmd zeigen wollte. Auf keinen Fall möchte ich die Bloggerin an den Pranger stellen, gegen sie bashen oder sonstiges. Sie hat ihre Meinung, die ich respektiere, aber eben nicht unbedingt teile. Muss ich also dazu noch was sagen? Ja, muss ich. Denn genau wie sie das Recht auf ihre Meinung hat und sagen darf, wenn sie etwas stört, genauso darf ich das auch. Daher der heutige, endgültige Entschluss den Artikel zu veröffentlichen.

Kommentare
  1. Patrick Bade sagt:

    > Auf keinen Fall möchte ich die Bloggerin an den Pranger stellen, gegen sie bashen oder sonstiges. Sie hat ihre Meinung, die ich respektiere, aber eben nicht unbedingt teile.

    Das brauchst du nicht explizit erwähnen, denn ein Blog ist dafür gedacht, seine Meinung zu äußern. Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, also auch auf Kritik, sofern es keine falschen Tatsachenbehauptungen sind. Eine Rechtfertigung deinerseits ist hier unnötig; und selbst wenn du mit der Meinung eines anderen Bloggers ganz oder teilweise im Widerspruch stehst, kannst du das offen kundtun. Genau das regt ja eben zur Diskussion an, also keine Scheu 😉

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