Mit ‘Serienkritik’ getaggte Beiträge

Achtung! Spoiler-Warnung sowohl für die Serie, als auch für die Bücher!

Ja, natürlich habe ich die erste Staffel direkt m Wochenende durchgeschaut und ja, ich schaue sie mir auch ein zweites Mal an. Und ja, ich will eine zweite Staffel (unbedingt), alleine um endlich, endlich Nikolai zu sehen.

Aber auch ja, dazu, dass ich ziemlich enttäuscht war, Ja, dass ich mir mehr erhofft hatte (die Serie stand auf meiner Watchlist ehe ein Startdatum bekannt wurde), ja, dass vieles, wirklich vieles hätte besser sein können.

Es ist durch und durch eine Hass-Liebe, die mich hier ergreift.

In der ersten Folge war ich noch total gehyped, und meine einzigen Beschwerden waren bezüglich der Optik und über das Aussehen einiger Charaktere. Da dachte ich nocht, naja, wenn das das einzige bleibt ist es meckernauf hohem Niveau. Blieb es leider nicht und je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr regt mich sehr viel an der Umsetzung auf

Alinas Aussehen

Ich rede hier nicht über das Casting an sich oder die Schauspielerin. Die Besetzung für Alina ist großartig gewählt. Was mich stört, ist dass sie von Anfang an unfassbar gut aussieht. Sie sieht zu gesund aus. Sowohl in Shadow and Bones, als auch in The 6 of Crows wird es mehrfach erwähnt, dass Grisha krank werden / wirken, wenn sie ihre Kräfte nicht nutzen.
Alina unterdrückt ihre Fähigkeiten ihr ganzes Leben lang, sie wird am Anfang beschrieben, als dürr, blass, immer kränklich und schwächlich aussehend. Das ändert sich erst, als sie ihre Kräfte nutzt. In der Serie wird das nur einmal kurz angedeutet, als Mal bemerkt, dass sie einen größeren Appetit hat als vorher. Der komplette Glow Up Effekt fehlt und damit auch ein wichtiges Merkmal der Grisha selbst. Nämlich, dass es nicht einfach nur eine Gabe, ein Talent ist, sondern natürlich und wichtig für Grisha.

Mals Aussehen

Mal wird als jemand beschrieben, den eigentlich alle attraktiv finden, hinter dem jedes Mädchen her ist, der charmant ist und dem sogar die wunderschöne, starke Zoya ein wenig verfällt (die für „nIcht-Grisha eigentlich nicht viel übrig hat). Das kommt finde ich nicht so gut rüber, und ehrlich gesagt (rein objektiv) finde ich den Darsteller so gar nicht attraktiv. Für mich die schwächste Besetzung.

Der Fokus auf Mal

(mit) das größte Problem habe ich wie stark sich die Story auf Mal fokussiert. In den Büchern erleben wir alles aus Alinas Sicht. Und es ist klar, dass das man für die Serie mehr als einer Figur folgen muss (wobei, muss man wirklich?). Es frustriert mich dennoch, dass Mal gefühlt mehr Screentime hat als Aline, die der Main-Charakter ist. Dafür wurde an der Zeit im kleinen Palast gespart, wie langwierig und anstrengend ihr Training ist wird fast komplett außen vorgelassen. Auch das wird nur angedeutet, bzw ein, zwei Mal gezeigt. Es fehlt, dass Alina langsam Freunde gewinnt, es fehlt diese Freude, als sie es endlich schafft ihre Kräfte alleine hervor zu rufen. Es fehlt so viel von ihr. Auch hätte man anderen Charakteren, wie z.B. Genya und Zoya, viel mehr Tiefe geben können. Die Freundschaft von Alina und Genya ist auch viel zu oberflächlich. Das hätten wir aber gebraucht, um ihren Verrat besser mitfühlen zu können. So aber war es halt, naja, ok, sie hat sie verraten, aber so wirklich befreundet waren sie nicht.
Es macht mich einfach ziemlich wütend, dass die Zeit des weiblichen Main-Charakter (!!) gekürzt wurde um mehr von den Männern zeigen zu können. Das ist halt leide so typisch. Warum überrascht es mich eigentlich noch? *verdammtes Patriachat grml grml*

Die Six of Crows Stroyline(s)

Das ist sie. Die wahre Hass-Liebe!! Ich liebe, liebe die Crows generell, ich liebe es, dass sie dabei sind. Ich habe besonders Jasper so gefeiert (besonders seine Stable-Boy Action), die Besetzung der 5 ist „on Point“ (über Nina kann man diskutieren, aber die Schauspielerin hat Ninas Charme super rüber gebracht). Aber die ganze Story der Crows macht vieles kaputt. Es passt nicht zur Timeline. Six of Crows spielt Jahre später nach Shadow and Bone. Nina ist eine Schülerin von Zoya und Genya, in der Serie ist sie aber schon fertig ausgebildet (anscheinend, denn sie ist auf Mission für den Darkling), während Zoya noch im Training steckt. Die Crows sind zu dem Zeitpunkt der bücher alle um die 16/17. Sie älter zu machen ok, aber ihre Story dann auch nich so stark zu verändern und nach vorne zu schieben fühlt sich einfach sehr gezwungen an. Als wenn den Produzenten klar ist, dass die Crows einfach cooler sind (was sie sind, keine Frage). Dennoch zerstören sie damit einiges. z.B. dass sie komplette Underdocks sind. Aber wenn der Darkling deinen Namen kennt, dann bist du alles, aber kein verdammter underdog. Und, es sind nur 5. Was ist mit Wylan passiert? Warum? Besonders seine Beziehung zu Jasper ist so toll in den Büchern.
Ich liebe Ninas und Matthias Vorgeschichte und es wurde gut umgesetzt, die Chemie zwischen den beiden Schauspielern passt auch wunderbar. Es ist aber ziemlich Zusammenhanglos zur eigentlichen Geschichte. Und die (neue) Story der restlichen drei passt halt überhaupt nicht. Warum sind sie plötzlich Teil der Hauptstory von Shadow and Bone? Warum? Hätte man nicht die Vorgeschichten der Figuren (aller Figuren) zeigen können, wie bei Nina & Matthias? Jasper auf der Farm, Kaz mit seinem Bruder, wie Inej in die Menagerie kommt, wie Kaz sie befreit, wie sie sich kennen lernen. Und auch hier fehlt mir wieder die Tiefe. Gerade Kaz ist so viel tiefgründiger.

Generelle Darstellung der Beziehungen

Leigh Bardugo ist eine Meisterin „leise“ Zuneigung zu beschreiben, unterdrückte Gefühle aufzuzeigen, so dass Leser:innen sich denken „Jetzt gesteh es dir doch endlich ein“. Und das kam meines Erachtens zu kurz. (Das Theme fehlende Tiefe hattenn wir jetzt schon ein paar Mal). Bei Kaz und Inej wird es zwar ansatzweise gezeigt, aber ich persönlich finde sie hat eine viel stärkere Coneection mit Jasper (könnte aber einfach an Jasper liegen). Ich bin übrigens davon überzeugt, dass die Schauspieler:innen das alle gut gespielt hätten, es aber eher an der Regie, Schnitt oder generell der Produktion lag.
Und wo bitte wird auch nur angedeutet, dass die Beziehung zwischen Zoya und dem Darkling körperlich war? Ich muss die Bücher nochmal lesen, denn aus meiner Sicht passt es so gar nicht zu Zoya, die so stark und unabhängig sein will. Ja, auch sie wurde von ihm eingenommen, aber in meiner Vorstellung immer nur auf einer Mentoren-Basis. Zoya geht es um Kraft und Stärke, nicht um eine Liebesbeziehung. (auch das wieder so typisch.)

Setting und Zugang für „Non-Reader“

Ja, auch hier wieder – fehlende Tiefe. Es wurde so durchgerauscht. Man erhält kaum einen Eindruck von Ravka und generell der Welt in die Geschichte spielt. Den ersten Eindruck von Ketterdam habe ich noch gefeiert, hätte mir aber gerne mehr gewünscht. Eigentlich wünsche ich mir von allem mehr. Mehr Hinterrund zu den Orten, zu den Personen, zu der Geschichte. Vieles geht dadurch auch komplett unter, wodurch der Zugang für diejenigen, die die Bücher nicht gelesen haben, erschwert wird. z.B. die verschiedenen Grisha-Fähigkeiten, was die verschiedenen Farben der Gewänder zu bedeuten haben usw. Diese Einführung hätte man gut einbinden können, entweder in einem Rückblick im Waisenhaus oder wenn Alina im kleinen Palast ankommt. Die ganze Diskussion welche Farbe Alinas Kefta wurde außen vorgelassen, dabei ist sie ein wichtiger Bestandteil davon zu zeigen wie die beiden Figuren Alina und der Darkling denken und fühlen. Alina möchte dazu gehören, der Darkling möchte sie als seines ansehen. Und natürlich muss man in einer bildlichen Adaption nicht alles erklären, oft reichen die Bilder, aber das reicht eben nichtimmer.

Fazit

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Serie daran scheitert es allen recht zu machen, den Leser:innen und denen die die Bücher nicht kennen. Ich verstehe, dass man viel Fan-Service leisten wollte, durch kleine Hinweise auf spätere Offenbarungen und ich kann auch verstehen, dass man jemanden wie Mal zu seinem Gunsten verändert. Das aber auf Kosten anderer Charaktere (meist auf Alinas Kosten) ist grundweg falsch. Aber wir sollen uns bitte bloß freuen, dass die Serie so hoch produziert wurde.
Wenn ich mir die Reaktionen so ansehe hat das aber tatsächlich funktioniert. Ich bin dennoch enttäuscht und traurig und wütend. So viel verschenktes Potenzial.
Aber nun bin auch wieder voll drin, im Grishavers und habe mir Merch gekauft und warte gespannt auf Staffel 2. Eine wahre Hass-Liebe eben.