Wenn nichts mehr Freude macht

Veröffentlicht: 10/12/2020 in persönliche Erlebnisse

Heute ist wieder einer dieser Abende, an denen ich merke wie kaputt ich bin. Ich habe es hier auf diesem Blog bisher nie erwähnt, aber wer mich kennt, weiß, dass psychisch, sagen wir mal, nicht ganz ausgeglichen bin. Um nicht zu sagen, ich habe Depressionen. Zwar leichte Depressionen und nein ich bin nicht in Behandlung, aber sie sind da. Immer mal wieder, mal lauter, mal leiser. Manchmal so leise, dass nicht mal ich sie wahrnehme. Manchmal merke ich erst an einem bestimmten Punkt, dass sie eigentlich schon wieder länger bei mir hausieren, wie ein ungebetener Gast, der leise und lieb ist, dass man ihn nicht mehr als störend empfindet, bis er dann irgendwann doch im Weg steht. Und heute war einer dieser Abende, an denen ich diesen Gast zu deutlich bemerkt habe und mich die Erkenntnis, dass diese blöden Depressionen schon wieder länger auf meinen Schultern sitzen mich eiskalt traf.

Der gesamte November war für mich, wie für viele andere auch, mehr als herausfordernd. Im Frühjahr empfand ich den Lockdown noch gar nicht so schlimm, aber der jetztige Lockdown „light“ schafft mich wirklich. Fast alle meine Tage bestanden aus Arbeit und Serien schauen, ich war selber von mir gelangweilt. Da dachte ich noch, gut, dir fehlt Motivation. Also machte ich Pläne wie ich meine Tage sinnvoller gestalten kann, groß auf Instagram und Facebook angekündigt wollte ich jeden Tag eine Kleinigkeit machen. Sowas wie etwas neues kochen, wieder Sport, wieder Keyboard spielen usw. Aber natürlich blieb es nur bei den Plänen. Ich habe ein, zwei Sachen gemacht, aber schnell wieder aufgehört. Fand ich da noch OK, ich wollte mich ja auch nicht stressen. Ich schon es auf die Faulheit und sagte mir, dafür hast du ja andere Sachen gemacht.

Solange ich zufrieden damit bin wäre das nicht schlimm. Letztlich wollte ich was für mich selbst machen.

Und dann kam heute Abend. Meine wundervolle Trainerin gibt für ihre Schülerinnen Zoom Kurse, immer was anderes und heute wollte ich endlich dabei sein. Trainiert hatte ich seit einem Monat nicht mehr, aber egal, dachte ich, Hauptsache was machen.

Aber schon beim aufwärmen (was ich alleine machen musste) merkte ich, dass mir vieles schwerer viel und schob es auf die lange Pause, zum Training kam ich zu spät.

Jasmine hatte eine tolle Pole Flow Choreo zu „My Immortal“ von Evanescence für uns vorbereitet. Und, obwohl es genau „meins“ ist fiel mir alles schwer. Die Ausrichtung, den Rhythmus zu finden, die Körperspannung, mitzukommen, einfach alles. Auch die Dinge, die mir immer leicht gefallen sind. Ich bekam einen Kloß in meinem Hals, der immer noch da ist. Ich lächelte und wäre innerlich fast zusammen gebrochen. Nicht (nur) weil ich es nicht hinbekommen hab, sondern weil mir eben danach bewusst wurde, dass ich keinerlei Freude empfand und das bei dem was ich am meisten Liebe. Und mir würde klar, da waren sie wieder. Diese kleinen, fiesen Dämonen, die auf meiner Schulter sitzen und versuchen mich runter zu drücken. Depressionen heißt eben nicht „etwas traurig“ zu sein. Es heißt keine Freude zu empfinden, wenn man etwas macht, was einem Spaß macht, es heißt nur in der Lage zu sein das Nötigste zu machen. Ich funktioniere, gerade so, agiere auf dem Minimum. Ich hasse diese Erkenntnisse, denn nun mache ich mir Gedanken darüber. Und ich bin es leid. Mein Akku ist einfach leer und durch die Corona Pandemie ist es für mich nicht so leicht den Akku wieder aufzuladen. Denn dazu bräuchte ich einen ausgelassenen Abend mit Freunden, weg gehen, tanzen, einfach einen Ausgleich zum Alltag, den es nicht gibt.

Ich möchte kein Mitleid, meine Depressionen sind leicht, mir geht es verhältnismäßig gut, ich habe aber das Gefühl, dass es mir hilft es aufzuschreiben und ich bin auch der Meinung darüber reden sollte normal sein.

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