Archiv für die Kategorie ‘persönliche Erlebnisse’

2020 – was für ein Jahr. Ich glaube alle sind sich einig, dass es für die Gesellschaft und für die Welt und Menschheit an sich ein ziemlich mieses Jahr war. Eine Katastrophe jagdte die nächste und dazu (!) kam noch Corona. Und mit Corona ein weiterer Rechtsruck und eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Insgesamt also ein Bullshit Jahr.

Aber, betrachte ich das Jahr rein persönlich war es nicht so schlecht. Im kleinen Ansatz habe ich es schon in den Social Media Kanälen erklärt, aber ich mache es nochmal ausführlicher und erkläre, warum 2020 für mich nicht so mies war.

  • Ganz als erstes: Ich bin gesund, mir geht es gut (jetzt mal von den kleinen Depri Schüben abgesehen).
  • Ich habe ein Dach über dem Kopf und immer genug Essen im Schrank. Auch den Lieferservice kann ich mir leisten
  • Mein Job war von Anfang an sicher (etwas Kurzarbeit, aber nicht schlimm), ich musste mich nicht einmal darum sorgen, ob ich noch arbeiten kann oder nicht. Alleine damit geht es mir besser als vielen anderen.
  • Im Gegenteil, im Februar fange ich einen neuen Job an. Ich habe gemerkt.
  • In meinem privaten Umfeld ist niemand erkrankt, weder an Corona, noch an anderen Dingen.
  • Ich habe niemanden verloren und auch das ist Glück.
  • Ich im Jahr 2020 neue Freundschaften geschlossen, Bekannte die ich schon länger kenne wurden zu Freunden und alle diese Menschen sind mir unheimlich wichtig geworden und das in kurzer Zeit.
  • Generell habe ich ganz wundervolle Menschen um mich herum. Seien es die Mädels aus meiner Poletastix Familie, meine Kollegen (die auch irgendwie Freunde sind) oder eben besagte Freunde. (btw – ich hab euch alle lieb, es darf sich angesprochen fühlen wer mag).
  • Ich habe aber auch gelernt, dass es nicht schlimmes ist, sondern sogar völlig in Ordnung einige Menschen einfach loszulassen. War eine harte Lektion, aber rückblickend betrachtet besser so und ich habe meinen Frieden damit geschlossen (ich hege übrigens keinen Groll gegen diese Personen)
  • Ich habe viel neues gelernt und viel über mich selbst.
  • z. B. habe ich mich weiter mit dem Thema Feminismus beschäftigt, bin da jetzt aktiver (wer mir auf Instagram folgt weiß das aber schon).
  • Dabei auch einiges über Gender Identitäten und über sexuelle Orientierungen. Hier lerne ich immer noch, also wenn ich mal was blödes sagen, sagt mir gerne Bescheid.
  • Auch über Rassismus habe ich noch einiges gelernt, besonders über Alltagsrassismus und auch den Rassismus in unserer Sprache. Da ich Sprachentwicklung spannend und wichtig finde werde ich mich mit dem Thema wohl noch mehr beschäftigen. Auch hier, wenn ihr was interessantes habt, immer her damit.

Persönliche Highlights

  • Im September bin ich Tante geworden und meine Nichte ist das süßeste Baby der Welt. Ich bin eigentlich nicht so der Familienmensch, dennoch war ich super gerne in Berlin und nehme gerne die Aufgaben der coolen Tante war.
  • Der Kurzurlaub in Den Haag mit der wohl besten Gruppe überhaupt
  • Mein alleiniger Urlaub in Brügge. Alleine verreisen stand eh auf meiner To-do Liste und Brügge ist eine der schönsten Städte überhaupt.
  • Der Abstecher nach Leipzig. Hat sich definitiv gelohnt.

Alles in allem war es ein gutes Jahr und auch wenn mir natürlich die Konzerte, Partys und andere Sachen fehlen, so wäre das Jammern auf höchsten Niveau. Und ja, ich mache mir über die Entwicklungen in der Gesellschaft sorgen, aber dann wieder zeigen mir einige Menschen, dass doch noch nicht alles total scheiße ist. Auf diese Hoffnungsschimmer baue ich.

Heute ist wieder einer dieser Abende, an denen ich merke wie kaputt ich bin. Ich habe es hier auf diesem Blog bisher nie erwähnt, aber wer mich kennt, weiß, dass psychisch, sagen wir mal, nicht ganz ausgeglichen bin. Um nicht zu sagen, ich habe Depressionen. Zwar leichte Depressionen und nein ich bin nicht in Behandlung, aber sie sind da. Immer mal wieder, mal lauter, mal leiser. Manchmal so leise, dass nicht mal ich sie wahrnehme. Manchmal merke ich erst an einem bestimmten Punkt, dass sie eigentlich schon wieder länger bei mir hausieren, wie ein ungebetener Gast, der leise und lieb ist, dass man ihn nicht mehr als störend empfindet, bis er dann irgendwann doch im Weg steht. Und heute war einer dieser Abende, an denen ich diesen Gast zu deutlich bemerkt habe und mich die Erkenntnis, dass diese blöden Depressionen schon wieder länger auf meinen Schultern sitzen mich eiskalt traf.

Der gesamte November war für mich, wie für viele andere auch, mehr als herausfordernd. Im Frühjahr empfand ich den Lockdown noch gar nicht so schlimm, aber der jetztige Lockdown „light“ schafft mich wirklich. Fast alle meine Tage bestanden aus Arbeit und Serien schauen, ich war selber von mir gelangweilt. Da dachte ich noch, gut, dir fehlt Motivation. Also machte ich Pläne wie ich meine Tage sinnvoller gestalten kann, groß auf Instagram und Facebook angekündigt wollte ich jeden Tag eine Kleinigkeit machen. Sowas wie etwas neues kochen, wieder Sport, wieder Keyboard spielen usw. Aber natürlich blieb es nur bei den Plänen. Ich habe ein, zwei Sachen gemacht, aber schnell wieder aufgehört. Fand ich da noch OK, ich wollte mich ja auch nicht stressen. Ich schon es auf die Faulheit und sagte mir, dafür hast du ja andere Sachen gemacht.

Solange ich zufrieden damit bin wäre das nicht schlimm. Letztlich wollte ich was für mich selbst machen.

Und dann kam heute Abend. Meine wundervolle Trainerin gibt für ihre Schülerinnen Zoom Kurse, immer was anderes und heute wollte ich endlich dabei sein. Trainiert hatte ich seit einem Monat nicht mehr, aber egal, dachte ich, Hauptsache was machen.

Aber schon beim aufwärmen (was ich alleine machen musste) merkte ich, dass mir vieles schwerer viel und schob es auf die lange Pause, zum Training kam ich zu spät.

Jasmine hatte eine tolle Pole Flow Choreo zu „My Immortal“ von Evanescence für uns vorbereitet. Und, obwohl es genau „meins“ ist fiel mir alles schwer. Die Ausrichtung, den Rhythmus zu finden, die Körperspannung, mitzukommen, einfach alles. Auch die Dinge, die mir immer leicht gefallen sind. Ich bekam einen Kloß in meinem Hals, der immer noch da ist. Ich lächelte und wäre innerlich fast zusammen gebrochen. Nicht (nur) weil ich es nicht hinbekommen hab, sondern weil mir eben danach bewusst wurde, dass ich keinerlei Freude empfand und das bei dem was ich am meisten Liebe. Und mir würde klar, da waren sie wieder. Diese kleinen, fiesen Dämonen, die auf meiner Schulter sitzen und versuchen mich runter zu drücken. Depressionen heißt eben nicht „etwas traurig“ zu sein. Es heißt keine Freude zu empfinden, wenn man etwas macht, was einem Spaß macht, es heißt nur in der Lage zu sein das Nötigste zu machen. Ich funktioniere, gerade so, agiere auf dem Minimum. Ich hasse diese Erkenntnisse, denn nun mache ich mir Gedanken darüber. Und ich bin es leid. Mein Akku ist einfach leer und durch die Corona Pandemie ist es für mich nicht so leicht den Akku wieder aufzuladen. Denn dazu bräuchte ich einen ausgelassenen Abend mit Freunden, weg gehen, tanzen, einfach einen Ausgleich zum Alltag, den es nicht gibt.

Ich möchte kein Mitleid, meine Depressionen sind leicht, mir geht es verhältnismäßig gut, ich habe aber das Gefühl, dass es mir hilft es aufzuschreiben und ich bin auch der Meinung darüber reden sollte normal sein.

…. ein Erfahrungsbericht über das „Alleine-Reisen“ und ein bisschen was zu einer der schönsten Städte Europas schreiben.

(wem der ausführliche Bericht zu lang ist, der kann ganz unten zum Fazit scrollen, wo ich auch ein paar Brügge Empfehlungen aufgelistet habe)

Schon seit einige Zeit, bzw immer mal wieder, kam der Gedanke bei mir auf, einfach mal alleine zu verreisen. Ein bisschen „Me-Time“, etwas aus der Komfort-Zone raus. Das, plus dass ich nicht immer jmd finde, der / die mit möchte oder kann haben mich dazu bewegt es endlich mal anzugehen. Denn, als ich mir überlegte was ich in den zwei Wochen Urlaub, die anstanden, machen wollte stand für mich eines fest: „Bloß nicht wieder zu Hause rumgammeln“.

Ein paar Tage vor Brügge hatte ich übrigens das genaue Gegenteil, ein paar tolle Tage in den Haag mit eine Haufen sympatischer Chaoten und da war ich quasi nie alleine. Einen Reisebereicht darüber spar ich mir, aber wen es interessiert kann es bei Foxxy nachlesen. Aber dafür kann ich ziemlich gut Vergleiche ziehen.

Als ich den Entschluß gefasst hatte das jetzt doch endlich mal durch zu ziehen stellte sich die eine große Frage – Wohin? Ok, auf Grund von Corona war die Auswahl eh etwas eingeschränkt, meine erste Wahl Dublin fiel alleine deswegen schon raus, weil man sich in Irland zwei Wochen nach der Einreise in Quarantäne begeben muss (zumindest als ich buchen wollte) und das macht bei 4 Tage Aufenthalt irgendwie keinen Sinn. Aber wo, in Europa, wollte ich noch schon immer hin und hatte es noch nicht geschafft? Mir fiel Brügge ein, weil eine Freundin dort erst war und natürlich wegen dem Film „Brügge sehen und sterben“ (absolute Empfehlung).

Und dann ging es los mt der Plaung. Lieber Hotel, Pension, Hostel oder AirBnB? Ich entschied mich für ein AirBnB, was sich als echter Glücksgriff erwies. Wer in Brügge eine Unterkunft sucht sollte sich bei Hans und Reinhard melden. Hans hat mich gleich vorab mit vielen Informationen versorgt und auch zwischendrin nachgefragt, ob alles in Ordnung war. Beide haben meine einzige Kritik sehr gut aufgenommen (ich wurde in der Nacht von Mücken zerstochen, ich habe also ein Fliegen-Netz empfohlen). Und ie hinkommen? Die Bahn ist momentan unfassbar teuer (teurer als sonst und ja, das geht), ein Auto habe ich nicht. Also mit dem grünen Bus. Das war sowohl vom Zeitaufwand, als auch vom Preis her völlig in Ordnung.

In Brügge angekommen habe ich mich ersteinmal orintiert und meine Unterkunft gesucht und mich dabei einfach schon in die Stadt schock-verliebt. Ich stand dann da, mit meinem Trolly auf einer Brücke und habe erst einmal einen Schmetterling beobachtet.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, den unfassbar tollen Ausblick genoßen habe bin ich auch schon los. Auf gehts los, dachte ich mir. Und landete in leeren Gassen. Wie seltsam ruhig es war. Es war wirklich fast niemand auf den Straßen, es fuhren kaum Autos. Ohne einen Plan bin ich also erst einmal los, habe aber später doch Google-Maps zur Hilfe genommen um mich zu orientieren. Ehrlich gesagt hatte ich ganz schön Hunger. Ich hätte mir da eigentlich früher was raussuchen sollen, aber ich dachte mir „bei über 500 Restaurants wirst du schon was finden“. Ja….falsch gedacht. Ich hatte eine viel zu teure Pizza, die nicht wirklich gut war. Aber die Kellnerin war sehr bemüht, das muss ich sagen. Start fing also so semi an, aber ich war immer noch verzaubert von der Stadt. Die Suche nach was Essbaren hatte auch den netten Nebeneffekt, dass ich mich direkt in der Innenstadt umgesehen hatte.

Da der Bergfried für den Tag schon ausgebucht war, bin ich in das Gebäude (quasi) nebenan, ins Historikum. Dies ist eine mediale Führung durch das Brügge zur Zeiten des Künstler von Jan an Eyck. Es wird eine Liebesgeschichte im Jahr 1435 erzählt und man erhält einen schönen Einblick in das Leben von damals.  Danach habe ich mir ein Bier im Duvelorium Grand Beer Café gegönnt, mit Blick auf den Markt. Anschließend bin ich weiter durch die Gassen gezogen. Ich hatte mir vorab einen Reiseführer, in der zwei Touren durch Brügge beschrieben werden, zugelegt und folgte der ersten Tour mal mehr mal weniger. Ziemlich spontan machte ich eine Bootstour, da mir diese von vielen Seiten empfohlen wurden und ich mag Wasser einfach. Aber ich kann es nicht empfehlen, gerade in der Corona Zeit nicht. Die Boote werden nämlich trotzdem voll gepackt, man solle doch bitte aufrücken. Da Brügge sonst sehr vorbildlich mit der Situation umgeht (in der Innenstadt muss auch draussen immer eine Maske getragen werden) hatte mich das schon verwundert.
Danach bin ich weiter der Tour gefolgt (so etwas), habe mich aber immer wieder durch Kleinigkeiten ablenken lassen. Meinen ersten Abend habe ich gemütlich mit Bier und Chips, einem Buch und einer Serie beendet.

Der zweite Tag war tatsächlich direkt besser (und das obwohl der erste nicht wirklich schlecht war). Ich hatte mir ein Lokal mit eine guten Frühstücksangebot rausgesucht (davon gibt es in Brügge eine Menge) und OmG, war das gut. Mein Bedürfniss nach Food-Porn-Bildern konnte ich hier definitv befriedigen. (Bilder folgen unten). Da Brügge voll vo Kirchen, Wasser, Gassn ist bestand mein zweiter Tag genau daraus. Mittags bin ich dann zum Bergfried. Ich wollte auf den berühmten Turm. Ja, ok, ich ha Höhenangst, aber nur wenn es wackelt oder es offen ist. Das ist ein geschlossener Turm, das wird schon. … Wurde es nicht. In meinem eifer hatte ich völli übersehen, dass ich sowas noch nie alleine gemacht habe und hab auf der Hälfte erst einmal eine schöne Panik-Attacke bekommen. Weil… keine Ahnung… es windig war. Da stand / saß ich nun, um mich herum das Gemäuer, traute mich nicht weiter hoch, hörte den Wind pfeifen, versuchte einen Heulkramkpf zu unterdrücken (auf keinen Fall sollten die anderen Touris mich heulen sehen, weil ich bin doch eine starke, unabhängige Frau). Aber runter wollte ich auch nicht (Stark & Unabhängig!!!). Aber nachdem die Panik nur bei dem Gedanken weiter hoch zu müssen immer wieder kam bzw ich eine neue Panik vor der Panik entwickelte bin ich tief geknickt wieder runter und gönnte mir erstmal ein Stück Kuchen (The Gulliver Tree, super lecker und gemütlich).
Und so schaute ich mir weiter die ungefährlichen Gassen und Kirchen und Grachten an, genoß den Tag, spazierte an Mühlen vorbei. Abends ass ich in einem sehr coolen Lokal, Backstein-Wände, etwas Rock-Musik, Kerzenschein und unfassbar leckeres Essen (Lokkedize). Vlt weil ich alleine war, aber ich genoß alles. Und der Kellner war super nett, sprach mit mir soweit es ging deutsch und alles in allem war es ein schöner Abend.
Was man einmal gemacht haben muss ist Brügge bei Nacht sehen. Die eh schon wundervolle Stadt bekommt dann noch einmal einen ganz neuen Charme.

Ok, dritter Tag. Mit beiden Touren aus dem Buch war ich fast durch. Was also tun? Zum Glück ist Brügge voll mit Museen. Nach einem tollen Frühstück im „Books and Brunch“ (es ist genau das wonach es sich anhört und toll) bin ich in die Chocko-Story, also dem Schokoladen-Museum von Brügge. Ja, ich weiß – Köln hat auch eines und d wll ich auch mal wieder rein, aber Belgien ist eben bekannter für Schokolade als Deutschland (leugnen bringt hier nix) und danach in die Beer-Experience, also dem Biermuseum mit anschließendem Bier-Tasting. Beides super interessant und ehrlich mal – Schokolade & Bier – was will man denn noch mehr?
Da ich tatsächlich auch ein paar Souvenirs (also Schokolade) kaufen wollte bin ich auf Empfehlung meines Gastgebers noch zu Choclate Line gegangen. Meine Güte, das war ein Fehler. Der Laden ist viel zu cool und man gibt da so schnell Geld aus. Habe ich zu viel gekauft? Ja, vlt. Bereue ich es nicht noch mehr gekauft zu haben? Ja, auf jeden Fall. Ich muss da nochmal hin. Denn „Choclate is Rock’n’Roll“

Meinen letzten halben Tag habe ich dann genutzt und bin noch in die Salvador Dali Ausstellung gegangen, die ich aber nur empfehlen kann, wenn man großer Fan des Künstlers ist und Originale sehen oder sogar erwerben will. Wer etwas über ihn erfahren will muss sich durch einen Schnell-Hefter wühlen, wobei die Anordnung der Bilder & Skulpturen nicht mit der Reihenfolge in der Mappe übereinstimmen. So hatte ich da leider wenig Spaß dran. Nach einem weiteren Spaziergang durch die Stadt einer belgischen Waffel habe ich mich dann auch schon auf den Heimweg gemacht. Es waren schöne Tage, definitiv.

Fazit Brügge + Tipps

Brügge ist schön, eine, wenn nicht die, schönste Stadt Europas. Brügge hat im Grunde Glück im Unglück gehabt, denn sie hat nicht von der Industrialisierung profitiert und wurde in den Kriegen größtenteils verschont. Das sieht man an jeder Ecke. Und trotz der, für die kleine Stadt, vielen Menschen ist Brügge sehr sauber. an den Grachten und in den Parks stehen überall grüne Stühle, die zum Verweilen einladen. Mit einem Bierchen am Wasser sitzen ist hier definitiv kein Problem. Und ja, die Stühle werden nicht demoliert oder ins Wasser geschmissen.

Brügge – eine klingende Stadt

Anders kann ich es nicht bezeichnen. In Brügge gibt es viele Kirchen und mit ihnen viele Glocken. Es ist quasi egal wo man ist, irgendwann hört man immer eine und sei es daß Glockenspiel vom Bergfried. Aber es ist nicht störend. Im Gegenteil, es passt sich wunderbar in das ruhige Stadtbild und verleiht es etwas noch friedlicheres. Das Bild einer Musikstadt wurde noch verstärkt, als ich eines Abends auf dem Weg zurück zum Zimmer Musik hörte. Aus Neugier und Konzertentzug bin ich der einfach gefolgt und stand dann vor einem großen Gebäude in dem anscheinend geprobt wurde. Ich stand da einfach vor und hab zugehört. Ein zweites Erlebnis war eine Gruppe von Jugendlichen, die auf dem Marktplatz mit Gitarren stand / saß und bekannte Lieder spielte und sang. Klar, Straßenmusiker gibt es überall, aber waren sie so im Mittelpunkt und es störte keinen. Man kam zusammen (mit Abstand natürlich) und hörte einfach zu.

Es lohnt sich auf jeden Fall die Stadt zu besuchen. Aber Brügge ist auch sehr teuer. Ein Gericht unter 10€ findet man im Grunde nicht, die Museen bewegen sich auch alle um die 10-13 €. Man sollte also Brügge nur mit genug Reisebudget machen, sonst kann man es nicht genießen.

Empfehlungen:

  • Bergfried (zeigt mir, dass ihr mutiger seid als ich)
  • Historikum
  • Beer Experince
  • Chocolate Story
  • Durch die kleinen Gassen wandern
  • An den alten Mühlen vorbei gehen
  • Gemütlich an einer Gracht sitzen, ein Buch lesen und die Zeit genießen
  • Brügge Nachts
  • Ein Stück Kuchen im „The Oliver Tree essen“
  • Dinner im Lokkedize
  • Frühstück im Books and Brunch (und dann natürlich Bücher schmökern)
  • Pralinen von Chocolate Line (Hans hatte mir noch Spegelaere empfohlen, da hab ich es aber nicht hingeschafft)
  • Wer noch etwa Zeit hat – das Meer ist nicht weit (auch das hab ich nicht geschafft)

Nicht empfehlenswert:

  • Die Salvador Dali Ausstellung
  • Die Bootstour
  • Irgendwelche beliebigen Restaurants (hier gibt es einige, die teuer sind, aber wenig Qualität bieten)
  • Genau wie einige der Chocolate Stores.

Fazit – Alleine Reisen

Tatsächlich hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Aber ich habe mir auch vorher Tipps besorgt. Das wichtigste ist vorab einen Plan zu haben, was man machen möchte, mit genug Freiraum diesen zu ändern. Denn der Freiraum ist das, was für mich die Erfahrung am besten gemacht hat. Es war egal, dass ich 10 Minuten einen Schmetterling beobachtet habe oder dass ich statt zurück ins Zimmer in die andere Richtung gelaufen bin, weil von dort Musik kam. Ich konnte mir Museen ansehen, die mich interessiert haben und es konnte mich keiner drängen, mich endlich für ein Restaurant zu entscheiden. Alles lag an mir. So konnte ich mich auch einfach mal ans Wasser setzen und lesen. Auf der anderen Seite muss ich aber sagen, dass es mir schon gefehlt hat mich mit anderen über meine Eindrücke auszutauschen und gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen zu haben. Und ich hatte schon ein Problem damit nur mit Menschen zu reden, wenn ich etwas gekauft oder bestellt habe (vlt hab ich deswegen so viel Geld ausgegeben 🤔). Ich bin einfach gerne mit anderen Menschen zusammen, auch wenn ich dann selbst nicht viel rede. Da ich aber auch zu schüchtern bin um einfach so neue Leute kennenzulernen konnte ich mein Bedürfnis nach Kommunikation nicht wirklich befriedigen. Als mich eine Freundin fragte, ob ich Spaß habe wusste ich ehrlich gesagt nicht was sagen soll. Denn ja, ich hatte eine gute Zeit, aber ich würde es nicht als Spaß bezeichnen.

Würde ich wieder alleine reisen? Ja, aber nur wenn ich irgendwo hin will und sonst keinen finde. Zum Glück sind einige meiner Freunde genauso reiselustig. Eine Alternative wären noch Reisegruppen, z.b. mit Sprachreisen. Auch das ist etwas, was ich evtl noch machen werde. Ist nur momentan einfach alles ein bisschen schwieriger.

Warum eigentlich Silbereule?

Veröffentlicht: 28/07/2020 in persönliche Erlebnisse
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Ja, diese und ähnliche Fragen wurden mir schon öfter gestellt. Warum Silbereule? Wieso dieses Tier? Wieso überhaupt eines und warum Silber und nicht Gold?

Um dies zu beantworten reisen wir einmal zurück in eine Zeit lange vor Facebook und anderen sozialen Netzwerken, sogar vor SchülerVZ, noch etwas vor MySpace. Damals war, zumindest bei uns auf der Schule, eine Chatplattform namens Knuddels das beliebte Medium um in Kontakt zu bleiben (weil real treffen ja uncool war), aber vorallem um neue Menschen zu treffen. Na, wer kennt die Seite noch? Wer nicht kurz eine Erklärung : Knuddels ist eine Chat Seite (sie existiert sogar immer noch), damals mit vielen verschiedenen Räumen zu allen möglichen Themen. Es gab für alles einen Raum, für Serien, Filme, Hobbys aller uvm. (ich hing übrigens damals im Raum „Vampire“ ab und wir hielten uns für unglaublich cool und anders, weil böse *urgh, argh*.

OK, aber was hat denn jetzt eine Seite, die schon häufig in der Kritik stand Pädophile anzulocken und wenig dagegen vorzugehen, damit zu tun? Viele ahnen es schon, da wurde mein Nickname geboren.

Nachdem sich viele meiner Freunde und Klassenkameraden*innen dort angemeldet hatten wollte ich natürlich auch mitmachen. Auf der Suche nach einem Nicknamen schaute ich mich um. Zu dem Zeitpunkt besaß ich eine Hose, mit einer Kette dran (als Accessoire) und – ihr ahnt es schon – da war eine kleine, silberne Eule dran.

Tada, so einfach war das damals. (ich hatte noch weitere Nicknamen auf Knuddels, fragt mich aber nicht warum). Also, hinter dem Namen steht keine tiefere Bedeutung, kein wirklicher Sinn und noch nicht mal eine coole Geschichte. Er blieb aber trotzdem, ich nutze ihn seit dem auf allen Plattformen auf denen man keinen Klarnamen angeben muss und werde es noch weiter tun.

Besonders im alten Forum der coppelianischen Gesellschaft (ich vermisse es immer noch ein wenig) blieb der Name nicht nur virtuell und so werde ich von einigen meiner Freunde aus dem Kreis immer noch Eule genannt. Wobei ich es fast seltsam finde, wenn das Menschen tun, die mit dem Kreis nichts zu tun haben. Ist eben unsere eigene, kleine, verschobene Welt.

Ja, mag ich denn nun Eulen? Ja, natürlich. Aber ich weiß jetzt nicht so viel über die Tiere wie ich vlt sollte. Aber in meinem Kopf sind es starke, stolze Tiere (scheiß auf Löwen… Nein, Spaß, die sind auch toll). Eher unfreiwillig sammel ich Eulen Gegenstände (ich bekomme sie geschenkt…) und ja, ich werde mir irgendwann noch ein Eulen – Tattoo stechen lassen.

So, jetzt wisst ihr also was es mit diesem furchtbar kitschigen Namen auf sich hat. Er wird auch bleiben, dafür habe ich ihn schon zu lange.

An diesem Beitrag arbeite ich nun schon ziemlich lange, genauer gesagt seit dem 08. März, also dem Internationalen Frauentag. Ja, der Plan war passend zu diesem Tag etwas dazu zu veröffentlichen. Hat wunderbar geklappt, ne? Aber warum habe ich das nicht und warum will ich überhaupt noch was zu dem Thema schreiben, obwohl es schon so viele Artikel und Beiträge dazu gibt? Mir ist es halt einfach wichtig, zu wichtig, als dass ich es in meinem Kopf lassen und nur bei einzelnen Gesprächen Stücke davon preis zugeben. Was nicht heißt, dass ich keine Diskussionen mehr darüber führen möchte. Bitte, gerne, immer, egal ob nüchtern oder nach ein paar Bierchen, Weinchen oder Ginchen.

Der Text ist auch sehr lang geworden, daher habe ich ihn geteilt und verlinke die einzelnen Abschnitte. (ungefähre Lesezeit 20 Minuten insgesamt). Und ich habe tatsächlich noch lange nicht alles aufgeschrieben was mir so durch den Kopf geht und es wird wohl immer was dazu kommen, denn auch ich lerne noch dazu. Ich habe auch bei der Recherche hierfür einiges gelernt und das möchte ich auch an euch weiter geben, daher ist das hier eine wilde Mischung aus ein paar Anektdoten, einigen Fakten und meiner puren Meinung. Und vlt regt einiges ja auch zum nachdenken an.

Eines Vorweg – ich schreibe oft über „die Männer“ und „die Frauen“. Natürlich will ich keine Verallgemeinerung, es geschah im Sinne der Einfachheit. Ich kenne viele großartige Männer und ich weiß, dass nicht alle Männer so sind. Wer sich hier dennoch angegriffen fühlt sollte einmal nachdenken warum.

Die einzelnen Themen:

Mary – einfach ein Name, aber für mich so viel mehr. Sie begleitet mich seit meiner Jugend, immer mal wieder, immer mal anders. Doch wer oder was ist Mary?


Noch in der Realschule, ich war das merkwürdige Mädchen, dass immer las, wollte ich ein eigenes Buch schreiben, eine eigene Geschichte erfinden, mit einer starken, weiblichen Figur. In meinem Kopf entstand eine Geschichte, rund um besagte Mary, die in einer Fantasy-Welt in dem Königreich rebellierte. Ich fing an zu schreiben, die ersten Entwürfe entstanden. Der erste Entwurf war, natürlich, nicht besonders gut. Wie meine Schwester damals sagte „Das ist eine Mary-Sue“ Lustigerweise heißt sie auch noch Mary. (wer nicht weiß was May Sue bedeutet, kann es hier nachlesen). Ich verwarf Mary darauf hin, aber nur um immer wieder anzufangen, ihr mehr Persönlichkeitsmerkmale zu geben, die anders als meine waren. Aber nicht nur sie änderte ich ständig ab, sondern noch sehr viel mehr, sei es die eigentliche Story (gegen wen und warum rebellierte Mary), seien es Characktere, die kamen und gingen, sei es das Setting oder auch die Branche (ist es Fantasy, Science-Fikton oder irgendwas dazwischen?). Aber, obwohl ich es nie schaffte die Geschichte zu Ende zu bringen, ständig die gleichen Kapitel neu schrieb und alles über den Haufen schmiss, Mary blieb Bestandteil meines Lebens.


Und genau wie ich, entwickelte sie sich, übernahm Ansichten von mir. Von wegen keine Mary-Sue…
Früher z.B. mochte Mary keine anderen Frauen, traute ihnen nicht und hng halt nur mit Männern rum, heute ist sie eine Verfechterin des Feminismus (auf ihre eigene Art).


Mary existiert noch immer und vor einiger Zeit hatte ich die Geschichte wieder neu aufgegriffen, habe frühere Ideen wieder übernommen, einiges wieder geändert und in meinem Kopf viel weiter gesponnen. Wieder überarbeitete ich alte Kapitel, aber ich hatte mir diesmal zumindest einen groben Plan gemacht, eine Grundstory zurecht gelegt (Danke an Kai Meyer in einer Lesung einmal erklärte wie er an eine neue Geschichte rangeht). Ich habe angefangen die Characktere weiter zu entwickeln, nicht nur Mary, die mit mir wächst, sondern auch die anderen, habe neue dazu gesponnen, einen habe ich in min. 3 aufgeteilt. In der ersten Version gab es nämlich nur einen „Bösewicht“ der irgendwie alles war. Das war zu viel und auch nicht sehr facettenreich.
Auch das Mary-Sue Syndrom kann ich nicht ablegen, mittlerweile spiele ich aber damit. Mary ist jetzt nicht mehr nur noch Mary, sondern Marianne Susan. Aber ich habe ihr Schwächen zugestanden, die ich selber habe und ablegen würde, es aber nicht schaffe.


Andere Ideen habe ich wieder überworfenn und andere muss ich noch ausarbeiten. Mir selber sind meine Figuren noch zu klischeehaft.
Ich habe mir vieles von richtigen Autoren angeschaut, ihren Stil, was mir gefällt versucht einzuarbeiten. Das hilft, um eine Struktur und mehr als nur eine grobe Idee zu haben.
Aber unstätig bin ich aber nach wie vor. Erst gestern kam mir der Gedanke, dass ich die Sexualität eines Charackters komplett ändern könnte. Es würde die Figur interessant machen, nicht so stereotypisch, aber es würde eine komplette Stoyline zerschlagen und im extremen Fall würde eine Figur, die genauso lange existiert wie Mary, wegfallen. Will ich das?
Aber ich habe zumindest einen Anfang, den ich nicht wieder über Bord werfe, ich bin mir über viele Handlungsstränge sehr sicher, dass sie so bleiben (ja, weil ich sie selber einfach zu gut finde).


Zwei Dinge sind aber definitiv sicher – ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Vielleicht schreibe ich noch im Altenheim daran weiter. Und Mary wird mich auch den Rest meines Lebens, egal ob ich es schaffe ihre Geschichte zu erzählen oder nicht, immer begleiten und sich mit mir entwickeln.

Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay

Hallo Unbekannter,

Veröffentlicht: 05/03/2020 in persönliche Erlebnisse

vor ein paar Tagen sah ich dich in der Starßenbahn, du hast mir gegenüber gesessen, genau wie ich Kopfhörer auf, ein Buch in der Hand, du die Biografie von Muhammad Ali, ich die ersten Kurzgeschichten vom Hexer. Zwei Gemeinsamkeiten (Musik und Lesen) und doch große Unterschiede. Denn es war offensichtlich, dass wir nicht die gleiche Musik hörten.

Ich sah dich kurz an, kurz bevor ich ausgestiegen bin, ein Moment, nur ein paar Sekunden, aber genau in dem Moment hast du es geschafft mir ein kleines Lächeln zu entlocken, ohne das du es bewusst gemacht hast oder es überhaupt gemerkt hast, denn du warst weiter vertieft in dein Buch.

Wie du das geschafft hast? Ganz simpel, du warst so versunken in deiner Welt, dass du ganz unbewusst, einen kleinen Mment vergessen hattest wo du warst und bei einer Stelle des Liedes einfach mitgemacht hast, stumm das Wort mitgesprochen, eine Geste mit der Hand (diese Gangster-Rap Gesten, von denen ich keine Ahnung hab). Es war so widersprüchlich zu der Musik die ich gerade hörte (leider weiß ich nicht mehr was es war, aber wahrscheinlich etwas rockiges, lautes) und obwohl ich mit Hip Hop nicht wirklich etwas anfangen kann war das etwas, was mich einfach freute.

Das du so darin aufgehen kannst und so in deiner Welt, ist etwas, was mir selbst immer wieder passiert. Das dir das auch so geht zeigte mir, dass obwohl man nicht viel Gemeinsam hat es doch Dinge gibt, in denen man gleich bescheuert ist. Und es erinnerte mich daran, dass man sich auch in einer vollen Straßenbahn einfach mal treiben lassen kann und sich an dem erfreuen kann was man gerade macht. Das zeigt eben, dass es nicht nur Berieselung gegen die Langeweile ist.

Manchmal sind es diese kleinen Begegnungen und Beobachtungen, die einen mehr beeinflussen, als jahrelange Bekanntschaften. Ich freue mich immer, wenn ich jemanden sehe, der so reagiert, z.b. im Auto hinter mir einfach mitsingt. Einfach das Leben so genießt wie es gerade kommt. Es sind Momentaufnahmen, von Dingen die sonst kaum einer sieht und ich fühle mich dadurch, dass ich sie mitbekomme, als etwas besonderes und verbunden mit eben jenen, mir völlig fremden Menschen. Es sind diese Momente, warum ich trotz aller negativen Seiten gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre. Denn man erhält so einen kurzen Einblick in ein anderes Leben, sieht neue Seiten und Ähnlichkeiten, bei Menschen, mit denen man glaubte keine zu haben. Noch etwas mehr, wenn der Gegenüber einen auch ansieht und ebenfalls darüber lächeln kann.

Freitag, 6.9.2013
Es ist heiß, ungewöhnlich heiß für einen Septembertag, als ich mich mit meinem treuen Gefährt auf den Weg nach Wuppertal machte um meine Co-Pilotin einzusammeln. Unser Navigator war anfangs leicht verwirrt, und dennoch schafften wir es ohne Schäden nach Bremen.

In unserer Unterkunft warteten schon fast alle anderen Crewmitglieder auf uns und wir konnten ohne weitere Umstände unsere Kajüte beziehen. Leicht wackelig lief und schlief es sich dort drin, aber das Bett und die extra Couch taten gute Dienste.
Schon vorab wurde angekündigt, dass wir unsere Nahrung am Abend in exotischen Gefilden zu uns nehmen würden und so kam es auch: für ein paar Stunden verschlug es uns nach Indien. Sehr lecker und wirklich exotisch. Ich staunte nicht schlecht, als sich der vermeintliche Broccoli als mein Fleisch herausstellte. Lecker war es. Gerne hätte ich die anderen Gerichte auch probiert, die da so dampfend heiß vor meiner Nase standen, aber die Portionen waren für einen Seeman angemessen, für eine Piratenbraut dann doch wohl leicht zu groß. Generell war die Mannschaftsversogung an diesem Wochenende sehr gut, sodass die Crew aus dem Essen fast nicht mehr raus kam. Zum Dessert tauschten wir zu guter Letzt Empfehlungen mit der Bedienung aus – im Tausch gegen einen himmlisch-süßen Traum gab es einen Flyer und eine Unterrichtung in coppelianischen Gepflogenheiten.
Nach dem Essen machten wir uns wieder zurück in unsere Unterkunft. Unsere Kajüte diente dann als Kommandozentrale und wir besprachen den Plan für die Belagerung von Bremen am nächsten Tag – Unterbrochen von solchen Albernheiten, dass man meinen könnte wir hätten den Rum nicht vergessen, sondern getrunken.
Samstag, 07.09.2013
Zwei der Crewmitgleider machten sich, als alle anderen noch schliefen oder sich um die wenig vorhanden Duschen prügelten, auf um den nächsten Krämerladen zu plündern und uns ein ausreichendes Frühstück zu servieren. Selbst ist die Gesellschaft.
Dann hieß es: Stadt stürmen. Um aber erstmal einen Überblick zu bekommen machten wir eine Schiffsfahrt den Hafen hinauf. So konnten wir unser neues Gebiet gut abstecken und Schwächen leichter erkennen. Danach war uns klar: Wir brauchen auch ein Schiff! Auserwählt wurde das Pannekoekschip Admiral Nelson.  Vorab testeten wir die schon vorhandene Crew, besonders den Smudje, auf deren Fähigkeiten. Alle bestanden unseren Test mit Bravur und nachdem wir das Schiff gekapert hatten und uns wieder gesättigt in die Stadt begaben um unseren Beutezug weiter durchzuführen, erteilten wir ihnen die ehrenvolle Aufgabe das Schiff zu bewachen und durch weiteren Pfannkuchenverkauf die Gesellschaftskasse weiter zu füllen. Natürlich kamen wir hier unserer Pflicht nach und so wird Coppelius ab sofort auch zwischen Wanten und Brassen und einer ganze Menge Pfannkuchen zu noch mehr Weltenruhm verholfen. Einen entsprechenden Hinweis dazu findet man im Logbuch:
Die darauffolgende Stadtführung diente dann auch lediglich dazu um weitere Schwächen der Bremer Stadtverteidigung zu finden. Schon vorab wurde die Stadtführerin angewiesen uns mal alles zu zeigen, natürlich ohne genau zu wissen warum. Ich vergaß den Namen der freundlichen Dame leider wieder (Verzeihung) aber in meinen Gedanken hieß sie eh schon Minnie Maus oder Glücksbärchen.
Um die Stadt zu erobern müssten wir also den Roland am Marktplatz und auch den Ersatz – Roland, von dessen Aufenthaltsort nur der aktuelle Bürgermeister weiß, zerstören. Dann würde Bremen fallen.

Der Roland von Bremen

Das Schnoorviertel stellte sich als gute Versteckmöglichkeit heraus, würde aber bei einer schnellen Flucht durch die engen Gassen eher hinderlich sein. Wir sicherten uns die Zuneigung der dortigen Geschäftsleute in dem wir hier mal ausnahmsweise nicht plünderten, sondern lediglich nette Besuche abstatteten und das auch in getrennten Gruppen. So wirkt man weniger bedrohlich. Beim Umtrunk am eindeutig zweideutigen Brunnen im dortigen Irish Pub bemerkte ich und einige der anderen Damen einen dritten Roland, der sich durch sein fleißiges Streichen der Wand in einer Dachgeschoßwohnung mit nacktem Oberkörper selbst empfahl. Für uns stand fest: Der muss mit aufs Pfannkuchenschiff. Zum Streichen, natürlich.

Ebenfalls auf den Platz entdeckten wir eine Öffentlichen Fernsprech-Zelle. Wir wollten mal ausprobieren, ob sie das gleiche kann wie die Litfaßsäule der Herren. Tendenzen zur innerlichen Raumausbreitung schienen definitiv vorhanden, doch leider entpuppte sich das Gerät als Fleischfresser. Nur knapp entkamen wir dem Monster. Als Transportmittel für die CG also doch eher ungeeignet.
Als es in den Straßen dunkler und wir vom Auskundschaften müde wurden suchten wir uns unsere letzte Station, die alles Entscheidende zum Erfolg unseres Raubzuges. Auserwählt wurde ein italienisches Restaurant. Erst wollte man uns gar nicht erst hineinlassen, doch wer kann schon “Nein” zu einer knurrenden Meute sagen? Obwohl von überall die “Ich bin noch satt” Rufe herhallten war unsere Speisetafel wieder gut gefüllt. Nur ich lernte wieder: Man findet keine Freunde mit Salat. Die Kellnerin und der Barmann erwiesen sich ebenfalls würdig auf dem neuen Schiff der coppelianischen Gesellschaft zu dienen. So leckere Cocktails hatte ich schon lange nicht mehr. Ein Highlight: 2 Gesellen der Wandergesellschaft betraten ebenfalls das Restaurant und erfreuten uns mit der Erklärung ihrer Zunft. Natürlich erhielten sie die Geldgaben nur mit einem Flyer und dem Versprechen sich Coppelius anzuhören und bei einem der nächsten Konzerte dabei zu sein. Um deutlich zu machen, dass das Restaurant jetzt ebenfalls der CG einverleibt wurde, nahmen wir später die dortige Lounge noch in Beschlag. Und spätestens hier  wurde uns allen im Verlauf des Abends eindeutig klar, was wir vorher schon alle ahnten: Dies war definitv das beste Fantreffen überhaupt. So schön, dass schon Pläne für die nächsten Treffen geschmiedet werden. Die unterliegen aber dann doch noch der Geheimhaltung.
Auch diesen Abend wurde in unserer 4er Kajüte ausgeklungen, doch ich schlief schon schnell auf meinem neuen Coppelius-Kissen ein, sodass ich die große Party, die angeblich noch statt fand, trotz lautstarker Lachanfälle um mich herum glatt verpennt habe.
Sonntag, 08.09.2013
Abreisetag. Müde, glücklich und gleichzeitig traurig wachte ich auf. Glücklich über die schöne Zeit, traurig darüber, dass es wieder viel zu kurz war.
Das Frühstück war wieder voller interessanter Gespräche und so zog sich die Verabschiedung dann doch länger hin als ursprünglich geplant. Wie jedes Jahr. Als letzte offizielle Tätigkeit wurde der Zeitraum fürs nächste Treffen festgelegt. Es scheint sich endgültig auf Anfang September einzupendeln. Wer also auch einmal bei einem unserer Stadteroberungen teilnehmen möchte sollte sich diesen Zeitraum festhalten. Seid Gewiss: Es wird ein Erlebnis, dass man nicht mehr missen will.
Die Admiral Nelson – das neue Schiff der coppelianischen Gesellschaft
P.s.: Wir sind Otter – wir halten einander fest 🙂
Bilder netterweise von Corvus zur Verfügung gestellt

Am letzten Samstag (15. Oktober) begab ich mich mit zwei Kumpels nach Duisburg zu einem Konzert, bei dem als Headliner Kissin‘ Dynamite auftraten.

Der Weg zum Konzert war schon lustig und voller Stress. Erst hatte ich nur 1 1/2 Stunden Zeit mich fertig zu machen (mit Duschen und allem drum und dran ein Wunder), dann musste ich auf Grund von einem Unfall mit dem Bus zum Hbf fahren und kam dadurch zu spät. Bahn nach Duisburg verpasst. Mist. Egal. Wir stiegen in die nächste Bahn.  In Duisburg angekommen machten wir uns auf die Suche nach einer Bank  und nach was Essbaren. Fazit dieser Suche:

  1. Duisburg ist trotz einer aufgemotzten Innenstadt häßlich
  2. Die Banken liegen weit vom Bahnhof entfernt, aber alle nebeneinander
  3. Die Stadt ist voller Fast Food

Auf Grund von großer, unnötiger Drängeleien, musste ich mein Sub dann in einer vollen U-Bahn essen. Lässt sich nicht empfehlen. Fußmarsch dann machten wir uns mit Bier schön lustig. Doch als wir am besagten Veranstaltungsort ankamen hörten wir … eine Akustikgitarre. Häh? Was? Wir dachten es wird ein Rockkonzert. Egal, erstmal rein da. Uns wurde dann auch schnell klar, warum wir das hörten. Drinnen war nichts und draußen saß Wolverine mit einer Gitarre und sang Klassiker. Nur in der Umbaupause. Den Bandwettberb, der vorab statt fand haben wir einfach mal total verpasst. Wir bekamen nur noch die Bekanntgabe des Gewinners mit. Danach spielte The Core, die Band von Martin Kesici. Dieser dürfte einigen als Gewinner von Star Search bekannt sein. Viel gebracht hat ihm das nicht, aber das weiß er auch. Die Jungs verbrachten die Zeit draussen und ich hörte der Band zu. Nette Musik, vielen Hard Rockern und Metallern wird es aber zu soft sein. Martin Kesici machte ein paar Witze über seinen Werdegang, was ich toll fand. Wer über sich selbst lachen kann hat den besten Humor. dennoch sah er nach dem Konzert wenig zufrieden aus. Und ich musste feststellen: Meine Fresse, ist der Mann klein. Aber dafür hat er kräftige Oberarme. Wieder ein Beweis dafür, dass kleine Männer viele Muskeln aufbauen wollen. Frei nach dem Motto: wenn es nicht in die Höhe geht, dann in die Breite? Keine Ahnung. Ist jedenfalls ein Phänomen, dass mir immer mal wieder unter die Augen kommt.

Nach The Core hörten wie wieder Wolverine zu und besprachen wer wie wessen Wingman ist und schauten uns nach netten Menschen um. Ein paar Mädels kannten die Jungs schon. Die wurden gleich mal mit eingeweiht, woraufhin ich ein lesbisches Angebot bekam. sehr nett, aber leider bin ich nun mal ziemlich hetero. Gut sah sie auf jeden Fall aus 😉 ! Wir lernten dann noch ein Mädel kennen, dass offenbar alleine auf dem Konzert war.

Und dann legten die Jungs von Kissin‘ Dynamite auch schon los. Sie rocken einfach. Ich bedauere ja immer wieder, dass ich so spät geboren wurde und dadurch die Glamrockzeit nicht wirklich mitbekommen konnte, aber diese Band lässt die alten Zeiten wieder aufleben. Wer also darauf steht, dem kann ich diese Band wirklich empfehlen. Gute Stimmung beim gesamten Publikum und ich konnte meine Haare wieder fliegen lassen. Wie ich das liebe. Nur deswegen schneide ich sie mir nicht ab. In meiner nähe befand sich dann auch endlich mal ein Kerl, der mir zumindest optisch zusagte. Ich versuchte meinen Begleitern das nun irgendwie verständlich zu machen. Immerhin hatten wir die Abmachung: Zeig mir wen du willst und ich mach den klar. Letztendlich half mir unsere neue Bekanntschaft dann mehr, indem sie mich einfach neben ihn stellte. Somit ist sie die klare Gewinnerin des Wingman Contest! Herzlichen Glückwunsch! 🙂 Unser Trio hat da dann doch etwas versagt.

Ich versuchte mich dann mit diesem Mann zu unterhalten…klappt nicht in der dritten Reihe, dass kann ich euch sagen. Also gingen wir nach draussen und er gab mir ein Bier aus. (Gut, war Pils, aber ich mein … yeah, Bier!). wir quatschten etwas über Musik und dies und jenes und so weiter.  Irgendwann drückte ich ihm einfach mal nen Kuss auf die Lippen, von Quatschen hatte ich genug. Später bereute ich das dann schon leicht, denn seine Küsse waren kein Dynamit (haha, got it?) und leider merkte ich dann auch bald, dass er sich wohl mehr erhoffte. Zu mindest emotional. Ohje… Aber ich war an dem Abend ein wenig zu betrunken um da noch einzulenken. Doch irgendwann musste er auch weg und ich blieb mit meinen beiden Jungs noch etwas da und wir unterhielten uns mit allen anderen noch ein wenig. Ich erstand, trotz abgebautem Merch noch eine Kissin Dynamite CD und ließ mich weiter aufziehen. Zitat des Tages: „Du hattest heute mehr Sex als wir“ – Irgendwie traurig.

Das Konzert und generell das Wochenende war einfach der Hammer. Sowas brauchte ich mal wieder. Mit allem drum und dran. Gitarren – Wolverine, viel Alkohol (inkl. Kater am nächsten Morgen), schlechte Küsse, Albernheiten mit guten Freunden   ( die alles nur nett meinten), viel Geld ausgeben, Fettnäpfchen bei Gesprächen mit Bandmitgliedern (ich weiß gar nicht mehr was ich gesagt hab, aber irgendwas blödes) und vor allem guter, lauter Musik. So muss das sein.