Gender Gap

Bei dem s.g. Gender Gap handelt es sich um einen Überbegriff, durch den Unterschiede auf Grund des Geschlechtes gemacht werden und dadurch eine Lücke oder Kluft entsteht. Es gibt dabei z.b. den Gender Pay Gap, bei dem es um die Unterschiede bei den Gehältern geht. Dass dem so ist, sollte mittlerweile jedem klar sein. Es gibt dafür einen extra Tag der darauf aufmerksam machen soll, den Equal Pay Day. Es ist gut, dass es diesen Tag gibt, aber schade, dass wir ihn brauchen. Und viel passiert da leider auch nicht außer ein paar Berichten.
Der Gehaltsunterunterschied zwischen Männern und Frauen liegt aktuell immer noch bei ~ 20%. (Stand 2019)
Klar, kann man argumentieren, das ist nicht überall so und Frauen suchen sich auch öfters Berufe aus, die schlechter bezahlt werden und sie sind ja sowieso selber schuld, weil Frauen auch nicht so gut um ihr Gehalt verhandeln. Wirklich? So wollt ihr 20% Lohnunterschied erklären? Zu dem Punkt „Frauen suchen sich aus“ – Ja, Frauen arbeiten häufger in Berufen, die schlechter bezahlt werden und heute können sich Frauen den Beurf aussuchen, aber früher eben nicht. Und gerade diese Berufe gelten auch heute noch als eher „weiblich“ und werden schlechter bezahlt. Gerade in der jetzigen Zeit wird deutlich wie absurd das eigentlich ist. Frauen sind weniger in Führungspositionen, der Weg dahin wird ihnen aber auch erschwert, in höher gestellten Positionen werden Männer nach wie vor bevorzugt, aus vielen, unterschiedlichen Gründen.
Frauen arbeiten auch häufiger in Teilzeit, weil sie für die Familie eher bereit dazu sind, aber auch weil das gesellschaftlich schon fast verlangt wird und da Frauen in einer Familie meist eh weniger verdienen, als der Mann, spielt hier auch das Geld natürlich eine Rolle.
Es stimmt schon, dass Frauen weniger hart verhandeln. Es ist aber auch so, dass Frauen oft schon bei der Einstellung benachteiligt werden, weil Firmen lieber einen Mann haben möchten, u.a. weil die Frau ja schwanger werden könnte. Frauen wissen das (meist) und sind daher auch zögerlich. Dazu wird einer Frau es auch negativ ausgelegt, wenn sie sich „hart“ zeigt. Dann ist sie aggressiv und nicht einfühlsam genug oder zu emotional usw. Das durch so eine Argumentation ein so großer Gehaltsunterschied gerechtfertig wird zeigt wie sehr unsere Welt männerdominiert ist und in was für einer Ellenbogengesellschaft wir leben. Ehrlich gesagt, möchte ich nicht in so einer Welt leben, es sollte daher eine andere Möglichkeit geben, als Frau einen gerechteren Lohn zu bekommen.

Ein weiterer Gender Gap ist der „Gender Data Gap“ und der wird leider viel zu selten angesprochen. Dabei beeinflusst dieser unser komplettes Leben und auch wie die Gesellschaft Dinge wahrnimmt. Mir selber war dieser Gap bis vor kurzem gar nicht so bewusst, dabei ist es ziemlich erschreckend. Er bezeichnet die Datenlücke, die entsteht, weil Frauen oftmals nicht berücksichtigt werden. Durch den Gender Data Gap wird deutlich, dass seit Jahrhunderten und länger unsere Welt fast nur für Männer gebaut wird. Das geschieht meist ganz unbewusst und ist noch nicht mal absichtlich, sondern kommt, weil früher der Mann als „normal“ angesehen wurde und die Frau als die „Abweichung“. Dieser Gedanke hat dazu gefürt, dass auch heute noch der Mann als „universell“ betrachtet wird. Durch diesen Gedanken werden Frauen in fast allen Lebensbereichen benachteiligt.
Das geschieht bei so „banalen“ Dingen wie Toiletten in öffentlichen Gebäuden. Die Fläche ist hier für beide Geschlechter gleich, aber man kann auf der gleichen Fläche neben Kabinen noch ein paar Pissoirs einbauen, was bei Frauen auf Grund der Anatomie nun Mal nicht geht. Das führt dazu, dass es für Frauen weniger Toiletten gibt als für Männer, obwohl sie häufiger müssen und auch etwas länger brauchen (mit Hinsetzen und Kleider zurecht fummeln und so). Ist den Planern von solchen Gebäuden nur einfach egal, die Bedürfnisse von Frauen werden einfach nicht wahrgenommen, denn für Männer gibt es keine Probleme. Dieses Manko hat aber zu einer Ansicht geführt, dass Frauen einfach gerne an Toiletten anstehen und ewig brauchen und dort quatschen und so. Die (fehlerhafte) Planung wird also gar nicht als die Ursache angesehen, dass Frauentoiletten einfach immer überfüllt sind, sondern das Verhalten der Frauen. OK, jetzt kommt der Punkt, Toiletten, ist ja jetzt nicht so schlimm. Stellt euch mal nicht so an. Ehrlich Mal…
Aber diesen Gender Data Gap gibt es noch in vielen anderen Bereichen, bei denen es dann sogar Lebensgefährlich wird. Zum Beispiel werden die meisten Crash Tests nur mit dem männlichen Dummie gemacht, also dem männlichen Durchschnitt. Der weibliche wird meist nur auf dem Beifahrersitz genutzt. Das führt dazu, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Autos meist nur für Männer wirklich sicher sind, für Frauen nicht. Die Gefahr bei einem Autounfall zu sterben ist für Frauen um 17% höher. Warum wird nicht geändert? Schutzkleidung ist für Frauen oftmals zu groß. Herzinfakte werden bei Frauen meist nicht als solcher erkannt, da die Symptome „untypisch“ sind. Ja, nicht einfach anders, sondern untypisch und Medikamente werden oft nur an Männern getestet, weil die hormonellen Schwankungen einer Frau es zu kompliziert machen. Die meisten Medikamente sind daher für Frauen zu hochdosiert. Diese Erkenntnis hatte ich selbst erst vor ein paar Tagen. Ich hatte da nie drüber nachgedacht, es nicht gewusst. Nun heißt es für mich, immer beim Arzt nachfragen.
Dies zu ändern wird leider noch ewig dauern. Zum einen, weil viele Entscheidungen nach wie vor hauptsächlich von Männern getroffen werden, Frauen also nicht repräsentiert werden, zum anderen weil ich auch schon von Frauen mitbekommen habe, dass das ja jetzt alles nicht so wichtig ist und jeden kann man ja nicht berücksichtigen. Ist es nicht perfide, dass Frauen sich selbst als so unwichtig ansehen?
Ich kann übrigens jeden das Buch „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez empfehlen. Ich lese es aktuell und bin echt schockiert wie tief da Ganze geht. Und es zeigt auch, dass es nicht nur für Frauen, sondern für uns alle gut wäre Frauen mehr zu berücksichtigen.

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Kommentare
  1. […] Silbereule – Miene Gedanken zu: Diesem komischen Feminismus Kram […]

  2. Miri sagt:

    Ich mag Agent Carter. Die Hauptfigur ist eine Frau die sich durchsetzen kann. Die Serie spielt Ende der 40er und natürlich bekommt sie von den Männern immer erzählt, dass sie nichts anderes kann als Kaffee kochen und Ablage machen „weil wir nicht mehr im Krieg sind“. Und sie setzt sich darüber hinweg. Und tatsächlich sind ihre Hauptgegnerinnen, die einzigen, die ihr halbwegs ebenbürdig sind, Frauen. Und ich mag die Lovestory, die sich am Ende entwickelt (auch wenn sie sich vorher immer wieder andeutet). Aber ja, in den meisten Filmen und Serien ist das Frauenbild sehr zweifelhaft bis sexistische Kackscheiße. Es gab mal ein Projekt wo die Sätze/Wörter und Bildzeit von Frauen in Oscarprämierten Filmen gezählt wurde. Das Ergebnis war schockierend.

    • silbereule sagt:

      Stimme, Agent Carter (die Serie) war toll, sie ist ein super Vorbild. Danke für das positive Beispiel.

      • Dana sagt:

        Joss Whedon halt. Der hatte ja immer schon starke Frauen in seinen Serien. 🙂

      • silbereule sagt:

        Ja, aber ich bei ihm auch vorsichtig, nachdem rauskam, dass er bei Buffy mit mehreren Schauspielerin etwas hatte und seine Frau betrogen hat. Sie hat damals seinen Brief veröffentlicht und es klang alles nach „ich bin ja auch nur ein Man“

  3. Überlegende/r sagt:

    Ich habe immer noch nicht verstanden warum das jz auch für Männer wichtig ist und der Text ist ein bisschen einseitig (weil es halt deine Meinung ist) z.b habe ich so das gefühl, dass man jetzt jedem Mann vorwirft pervers/ausnutzend usw zu sein nur auf grund dessen das man halt Männlich ist.
    Noch ein Problem ist das es diese ultra fem’s gibt und man als fem automatisch in diese Schublade gestekt wird.

    • silbereule sagt:

      Lies dir bitte meine Einleitung nochmal durch, denn ich schreibe da ganz genau, dass ich oftmals nur Männer schreibe, aber nicht alle Männer meine. Aber eigentlich gibst du dir doch schon selbst die Antwort. Je mehr es in die Öffentlichkeit kommt, desto öfter wird das eigene Verhalten, das der Freunde überdacht und ein Umfeld geschaffen, in dem sich alle wohl fühlen und man (oder Frau) sich nicht mehr fragen muss, ist dieser Fremde jetzt gefährlich oder nicht. Das mag für dich schwer nachvollziehbar sein (und das ist auch nicht schlimm), aber das ist für viele ein normaler Gedanke.

    • silbereule sagt:

      Oh, und oftmals werden Feminist:innen als Ultra bezeichnet, sobald es unangenehm wird, weil man sich insgeheim ertappt fühlt. Geht mir in anderen Punkten genauso, an denen ich arbeiten muss. Wichtig ist das zu erkennen und mit Kritik (auch an sich) umzugehen

      • Überlegende/r sagt:

        Ich meine so radikale die z.b. hetzte betreiben
        und ich könnte mir gut vorstellen das wenn man sich so als fem outet man wegen solchen Personen in eine Schublade gesteckt z.b. „Die ist Fem? die ist bestimmt auch so eine Hetzerin“
        Und das, ist glaube ich einer der Gründe warum Feminismus so gehated wird weil es Leute gibt die halt das ins negative ziehen.
        Und PS Ich möchte mich nicht als ein Gem gegner positioneiren habe das aber nicht darein geschrieben weil ich dan auch in so eine Schublade kommen würde(in die „Ich bin ja kein Nazi aber….“ Schublade)

      • silbereule sagt:

        Also ehrlich gesagt gib es davon sehr, sehr wenige. Es kommt aber oft als erstes Argument. Das wäre ungefähr so, als ob man nicht mehr sagen möchte, dass man Fußball Fan ist, weil es Hooligans gibt.
        Ich glaube auch nicht, dass du das irgendwie böse oder gegnerisch meinst, sondern es wirklich verstehen willst. Deswegen trete ich gerne mit dir in einen Austausch. Auch ich habe in den letzten Jahren / Monaten noch einiges dazu gelernt.
        Der Feminismus setzt sich für Gleichberechtigung aller ein. Das bedeutet auch dafür, dass z. B. Männer bei einem Sorgerechtsstreit nicht mehr benachteiligt werden oder das es auch für Männer in Ordnung ist emotional zu reagieren und weinen zu dürfen. Usw und sofort.

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