Archiv für die Kategorie ‘Ein paar Gedanken zu …’

Wer mich kennt oder vlt schon einen der anderen Beiträge von mir gelesen hat, der/die weiß, dass ich mich sehr mit den Themen Feminisums, Sexismus usw. beschäftige. Es ist ein andauernder Lernprozess und auch wenn ich schon viel gelesen habe, so sind auch für mich immer noch Dinge dabei, die ich erst lernen und verarbeiten muss. Das wird auch noch lange Zeit so sein (also wahrscheinlich, hoffentlich für immer).

Eine Sache, die ich gelernt habe, ist, dass solche Sprüche wie „Ich bin nicht wie andere Frauen / Mädchen“ nicht so cool sind wie sie mal in meinem Kopf klangen. Und ich habe lernen müssen, dass auch ich in manchen Punkten ziemlich sexistisch und misogyn war und einige Verhaltensweisen leider immer noch an den Tag lege. Ich reflektiere das gerade sehr stark und arbeite daran, aber es ist schwierig jahrzehntelanges Verhalten (das als ganz normal angesehen wurde) innerhalb kurzer Zeit abzulegen.

In meiner Überschrift habe ich drei Begriffe aufgegriffen und ich würde wetten, dass die meisten Flinta* (Frauen, Lesben, Intersexuelle Menschen, Nicht-binäre Personen, Transgender, Agender – weitere Informationen hier) schon einmal ein Verhalten an den Tag gelegt haben, die auf diese drei Begriffe beziehen (die sich sehr ähnlich sind). Gehen wir diese der Reihe nach durch.

Pick me Girl

„Pick me“ ist einigen bestimmt schon auf den gängigen Social Media Kanälen aufgefallen. Einem Pick me Girl wird nachgesagt, dass sie (fast) alles tut um die Aufmerksamkeit von den männlichen Freunden zu erhalten. Dabei wird eine Persönlichkeit geschaffen, die ja bloß die Anerkennung „der Jungs“ bekommen soll. Das zeichnet sich dann so aus, dass sich bewusst gegen „weibliche“ Hobbys entschieden wird, andere Mädchen werden schlecht gemacht und man selbst würde so nie sein. Dieses Verhalten kann man viel bei Jüngeren beobachten. Also zu einer Zeit, in der vieles über die Annerkennung anderer passiert. Es ist ganz normal, dass Menschen in jungen Jahren eher schauen, dass sie von Leuten gemocht werden, zu denen sie aufschauen. Warum ist das Pick me Girl aber nun problematisch? Das verhalten entsteht, weil vieles was als „mädchenhaft“ eingestuft wird als negativ dargestellt wird, dazu konkurieren Flinta* häufig mehr miteinander als (Cis) Männer das tun. In der Freundesgruppe will man das einzige Mädchen sein, weil die Jungs sind cool, die Mädchen nicht. Bin ich die einzige, dann bin ich cool.

Das Pick me Girl ist aber an sich eine Ursache und eine Entwicklung aus dem Cool Girl und dem „Ich bin nicht wie andere“.

Es gibt übrigens auch „Pick me Boys“, diese versuchen Anerkennung bei den Mädels zu erhaltenhauptsächlich durch Mitleid („Ich bin doch so nett, aber niemand mag mich“). Das nur am Rande.

Pick me Girls haben Misogynie verinnerlicht und gerade durch sehr starkes herabwürdigen anderen Mädchen treiben sie es meist immer weiter. Sie sind aber auch sehr verzweifelt auf der Suche nach Annerkennung, so stark, dass man es ihnen ansieht. Es deutet auf ein sehr geringes Selbstwertgefühl hin.

Leider wird der Begriff, der nun mal sehr negativ ist, immer häufiger verwendet, ohne es direkt zu prüfen. So werden Männer, die sich für femistische Themen einsätzen häufig als „Pick me“ bezeichnet. Und ein Mädchen, dass ein „Jungs“ Hobby hat als Pick me zu bezeichnen ist ebenfalls misogyn.

Das „Cool Girl“

Das Cool Girl ist immer entspannt, wird nie wütend, ist einfach cool. Im weiteren Sinne ist ein Cool Girl mehr an „Jungs“ Sachen interessiert, aber eben weil sie einfach cool ist. Dieses Cool Girl wird uns häufig in Film und Fernsehen gezeigt. Sie kann essen was sie will, sie behauptet sich immer gegen alle, setzt sich durch, aber ohne wütend zu werden. Sie ist auch immer verständnisvoll. Gerade die Darstellung in den Medien ist hierbei problematisch. Häufig sind es die weiblichen Hauptcharaktere die sich so verhalten. Sie zeigen damit, dass das Bild ist, dem wir alle entsprechen sollen. Das Cool Girl ist halt anders, lockerer, cooler und damit besser (weil Hauptfigur und alle mögen sie). Es wird als erstrebenswert dargestellt, mehr die Sachen zu mögen die Jungs mögen und auch halt immer ruhig zu sein. Das ist natürlich eine Traumvorstellung. Eine Frau, die alles mag, was der Mann mag und dabei schön still ist, selbst dann wenn der Mann etwas tut, was nicht ok ist.

Gerade bei Film / Fernsehen wird es nochmal verdeutlich, da es meist ein Gegenstück zu dem Cool Girl gibt. Die verständnislose, eifersüchtige, verrückte, ja beinahe hysterische Ex-Freundin. Und die mag natürlich alles, was Mädchen halt so mögen.

Durch solch eine Darstellung ist es kein Wunder, dass Pick me Girls entstehen.

„Ich bin nicht wie andere Mädchen“

Ohne Scheiß, ich kenne keine Flinta*, die nicht einmal in ihrem Leben eine solche Phase hatte (manche immernoch haben). Ich weiß, dass ich es von mir selbst gesagt habe. Ich fand schminken oberflächlich, ich war in einer StudiVZ/MeinVz Gruppe (na, wer erinnert sich noch?) die hieß: „Bei mir ist nichts pink, da glitzert auch nichts. “ Und wisst ihr was? Heute liebe ich Glitzer und zu meinem 30. hatte ich ein ziemlich pinkes Kleid an. Ok, Pink ist dennoch nicht meine Lieblingsfarbe geworden, aber ich lehne sie nicht mehr komplett ab.

Das Ding ist, wie schon geschrieben, vieles was als „typisch weiblich“ gesehen wird, wird negativ dargestellt. Und weil die wenigsten von uns sich mit dieser negativen Darstellung identifizieren können und wollen entsteht der Eindruck, dass man ja anders ist. Aber das ist halt ein Trugschluß. Denn keine Person ist gleich die andere. Wir sind alle irgendwie individuell. Sicher hat man mit einigen mehr gemeinsam als mit anderen, aber wir sind ja nicht durch Schablonen geformt worden. Es gibt Flinta* die mögen Sport, es gibt auch Cis hetero Männer die keinen mögen. Nicht jedes Mädchen spielt gerne mit Puppen und nicht jeder Junge gerne mit Autos. Nicht jede Frau ist still und nicht jeder Mann ist laut.

Übrigens, auch dieses Bild wird von den Medien stark geprägt. Wie oft kommt es vor, dass der Held der Geschichte zu seinem Love Interest sagt „Du bist nicht wie die Anderen.“ und sie nimmt es als Kompliment war. Es ist kein fucking Kompliment, es ist beleidigent gegenüber allen anderen. Hört auf meine Queens zu beleidigen. Wenn jemanden nur Komplimente einfallen, durch die andere schlecht gemacht werden möchte ich sie ehrlich gesagt nicht hören.

Internalisierte Misogynie

Internalisierte Misogynie bedeutet verinnerlichter Frauenhass. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, aber den tragen wir alle mit uns rum. Und ehe ihr jetzt jemand sagt „nein, gar nicht“ – ja, ähm, doch. Das gefährliche an dem verinnerlichtem Hass ist der, dass man diesen gar nicht als solchen wahrnimmt. All die Witze und Klischees, die wir machen und weiter geben, sind verinnerlichter Hass. Dieser kann misogyn sein oder rassistisch oder homofeindlich oder oder oder. Und er beinflusst unsere Gedanken, unseren ersten Eindrücke und unser handeln.

Ich z.B. bin mit vielen Blondinen Witzen aufgewachsen, gepaart mit einer großen Unsicherheit im Hinblick auf mein Aussehen. Ich habe mich gerade in meiner Teenagerzeit stark darüber identifiziert nicht allzu dumm zu sein, darüber viel zu lesen usw. Dazu muss ich erwähnen, dass ich dennoch nur die Realschule abgeschlosen hatte, aber ich wusste eher aus Faulheit, als daraus, dass ich dumm wäre. Ich bin auch damit aufgewachsen, dass man entweder schön oder klug ist, aber nicht beides und das prägt mich bis heute. Wenn ich ein stark geschminktes Mädchen sah bin ich davon ausgegangen, dass sie nichts anderes kann, wenn jemand sehr hübsch war, dann konnte diese Person (ja, meist Mädchen) einfach nicht genauso intelligent sein wie ich. Wenn ich mal ganz ehrlich bin, schleicht sich dieser Gedanke ab und an auch heute noch bei mir ein. Der Unterschied ist, dass ich es heute weiß und daher es verarbeite bzw den Gedanken beiseite schiebe und die Person erstmal kennenlerne. So geht es mir mit vielen Menschen, die äußerlich einem Klischee entsprechen, aber wenn man sich davon los löst lernt man viele wundervolle oder zumindest interessante Menschen kennen (ok, nicht immer).

Und ja, jede*r von uns hat solche Sprüche gesagt wie „Du läufts wie ein Mädchen“ Ich hab dann einfach gesagt „Ja, ich bin auch eins“ und damit den Frauenhass, der mit sowas mitschwinkt für mich verinnerlicht und auf mich proiziert.

Mit diesen Gedanken beurteilen wir vieles, verurteilen Menschen sehr schnell. Natürlich kann auch vieles aus Erfahrung entstehen, aber man muss halt dennoch aufpassen, dass es nicht zu Verallgemeinerungen führt. z.B. war ich heute mit einer Freundin auf einem Mittelaltermarkt und natürlich gab es einige Met-Stände. Der Verkäufer von einem dieser Stände sprach von einem „bösen“ Met. Als ich fragte, was das ist hat er zu seiner Erklärung (Kirschmet mit Whisky) noch hinzugefügt, dass diesen die meisten Frauen (er sagte Frauen, daher benutze ich hier nicht Flinta*) den nicht mögen und fragte ob ich nicht lieber den Eisbonbon nehmen will. Ich denke wirklich nicht, dass er es böse gemeint hat, sondern aus Erfahrung sprach. Dennoch ist es eine etwas unnötige Verallgemeinerung. Er hätte erklären können wie er schmeckt und mich einfach fragen können, was ich gerne mag. Aber, solche eine Änderung des Verhaltens benötigt sehr viel Reflektion und Zeit.
Der Spruch hat mich übrigens so genervt, dass ich aus Trotz den bösen Met probieren wollte, obwohl ich gar keinen Whisky mag. Und ja, was soll ich sagen, war nicht meins. Aber tatsächlich nicht, weil er mir nicht süß genug war, eher im Gegenteil (er schmeckte stark nach Kirsch mit einem rauchigem Aroma, aber nicht wirklich „böse“).

Das eigene Verhalten, aber besonders die eigenen Gedanken, die ja niemand außer einem selbst mitbekommt, zu hinterfragen ist harte Arbeit. Es ist mühsam und jede*r wird dabei merken, dass man schnell in „alte“ Muster zurück fällt. Das gehört zum Prozess dazu und jeder kleine Schritt ist wichtig und muss gegangen werden, auch Schritte zurück. Man darf nicht zu hart mit sich selbst sein, aber man muss daraus lernen. Und damit zum Abschluß zwei Bitten:
Wenn ihr bei mir ein Verhalten mitbekommt, dass auf internalisierte Misogynie (oder auch Rassismus oder anderen Dingen) hindeutet, dann sprecht mich darauf an und wenn euch jemand auf sowas anspricht, dann nehmt euch die Zeit und denkt darüber nach, ob daran was dran ist. Besonders dann, wenn die Person der jeweiligen Gruppe angehört um die es geht (auch dann, wenn ihr selbst dieser Gruppe angehört).

In den letzen Tagen wurde schon viel über die Pinky Gloves geschrieben, gesagt, in lustigen Videos und Memes wurde die Meinung vieler dazu im Internet verbreitet. Als ich das mitbekommen hab, musste ich schon etwas schmnzeln. Ich hatte die Werbung dazu schon im Dezember 2020 gesehen und mich bei Instagram aufgeregt (könnt ihr gerne überprüfen, Insta: eule_meint). Damals hat es nur niemanden interessiert, weil es einfach niemanden aufgefallen ist. Mit gerade mal 70 Followern ist das auch kein Wunder. 😅
Der jetzige „Shitstorm“ kam auf, weil die beiden Gründer sich einer breiten Öffentlichkeit präsentierten. Das haben sie sehr bewusst gemacht und bis zur Ausstrahlung auch Erfolg gehabt, denn sie haben einen Deal bekommen, keinen schlechten, während schon andere Produkte (auch aus der gleichen Nische) leer ausgingen. Sie konnten sich also zumindest sicher sein, dass sie gesehen werden und dass sie das Label „Bekannt aus der Höhle der Löwen“ erhalten werden. Womit sie nicht gerechnet haben war halt der Widerspruch und die Kritik.

Die Kritikpunkte sind dabei folgende:

  • Perioden- Shaming
    Durch die Aussagen, dass man die Handschuhe auch im privaten Haushalt nutzen kann, sodass niemand Blut im Mülleimer sehen muss, wird die Periode als etwas ekliges dargestellt, dass man vor Menschen die nicht menstruieren verheimlichen muss. Dazu wird durch die Aussagen „hygienisch entsorgen“ ebenfalls sugeriert, dass die Menstruation etwas unhygienisches ist.
  • Sinnhaftigkeit des Handschuhes
    Menstruierende haben schon längst Lösungen gefunden. Es wurde versucht ein Problem, dass die beiden Entwickler hatten als ein Problem von Menstruierenden dargestellt.
  • Es werden nur Frauen angesprochen.
    Der Fakt, dass nicht jede Frau menstruiert und nicht jede Person die menstruiert eine Frau ist wird außer Acht gelassen.
  • Preis
    Ein Handshuh kostet umgerechnet 25 Cent, ein O.B. Tampon (also schon die teure Marke) kostet 12 Cent. Damit ist der Handschuh um das eigentliche Produkt zu entsorgen mehr als doppelt so teuer als der Tampon selbst.
  • Der Handschuh ist nicht ökologisch
    Der Handschuh selber ist ökologisch abbaubar, sobald ein Tampon drin ist er es aber nicht mehr. Es wird dadurch mehr Müll als notwendig verursacht. Vorallem weil die Gloves einzeln verpackt sind.
  • Name und Darstellung
    Natürlich müssen die Handschuhe pink sein. Das gerade in den letzten Jahren die Gendernormen versucht wurden aufzubrechen wird genauso ignoriert wie der Fakt, dass ein pinker Handschuh einfach nicht mehr diskret ist. (Womit es an einem der angeblichen Vorteile völlig vorbei geht).

Ich stimme allen Kritikpunkten voll zu. Gerade das Marketing und die Beweggründe der beiden Entwickler der Pinky Gloves sind mehr als fragwürdig. Neben dem ganzen habe ich einen Kritikpunkt aber nie gehört, gelesen oder gesehen, obwohl man ihn schon herausahnen kann.

Die Beiden haben einfach ihren verdammten Job nicht gemacht. Wenn man als Unternehmer ein Produkt entwickelt dann zählt dazu, dass man Marktforschung und Marktbeobachtung betreibt. Das sollte man besonders dann machen, wenn man nicht zur Zielgruppe gehört und auch vorher keinerlei Erfahrung mit Produktentwicklung für diesen Markt hatte.

Natürlich war ich bei der Entwicklung nicht dabei, aber hätten sie sich mit Periodenprodukten wirklich ausgiebig beschäftigt und hätten sie unabhängige Zielgruppenbefragungen (also außerhalb ihres sozielan Umfeldes) gemacht, dann hätten sie viele der Fehler vermeiden können. Vielleicht hätten sie dann das Produkt gar nicht erst auf den Markt gebracht.

Denn, hätten sie sich mit dem Markt beschäftigt, dann hätten sie eigentlich auf die Marke „Pink Tampon“ stoßen müssen. Pink Tampon ist ebenfalls von zwei Männern entwickelt worden und auch sie hatten vor einiger Zeit mit deutlicher Kritik zu tun und zwar mit ungefähr den gleichen Kritikpunkten wie jetzt die Pinky Gloves. Perioden-Shaming, Stereotypisierung (weil pink) und nur die Ansprache von Frauen, statt von Menstruierenden. Soweit ich das verfolgt habe, haben sie zumindest ein paar Punkte verbessert (den Zusatz Pink bekommen sie halt nicht mehr weg, was ich verstehen kann, wenn man schon eine Marke angemeldet hat).

Hätten sie eine Zielgruppenbefragung durchgeführt, hätten sie gemerkt, dass die meisten Menstruierenden das Produkt nicht wirklich brauchen und es auch kein Problem löst, sondern im Gegenteil die Lösung wieder alleine in die Hände von Menstruierenden legt (oder die Hand umschließt, you know…). Die beiden Männer gaben zwar an, dass sie Frauen befragt haben, aber eben nur in ihrem Umfeld.

Warum das an der Stelle nicht ausreicht? Auch das sieht man an der Geschichte, wie es überhaupt zu dieser Idee kam. Und an der Stelle muss ich einmal eine Lanze für sie brechen und habe sogar Verständniss, warum sie wirklich dachten es wäre eine gute Idee. Die beiden wurden damit erst konfrontiert, als sie schon über zwanzig waren. Sie haben Mütter, hatten vermutlich schon vorher Freundinnen gehabt, aber erst nach dem Einzug in eine WG in der Menstruierende wohnen, wurden sie mit Periodenartikeln in Mülleimern konfrontiert. Und das ist genau das worüber wir die ganze Zeit sprechen. Die Periode wurde so tabutisiert und schon jungen Mädchen wird beigebracht, dass man es bloß verstecken soll, dass zwei erwachsene Männer nicht wussten, dass das völlig normal ist. Es gibt nicht umsonst den Witz, dass Menstruierende die besten Drogendealer wären, weil wir es einfach so gewohnt sind Tampons heimlich auszutauschen. Die beiden Männer sind in einem Umfeld aufgewachsen, in denen auch ihnen das so vermittelt wird. Und es scheint auch so, dass sich auch ihr jetziges Umfeld nicht groß geändert hat, da also immer noch die uns allen eingetricherte Scham vorhanden ist.

Falsche Annahmen, auf Grund der eigenen Sozialisierung können wir alle haben. Es ist jedoch wichtig, dass wir den Leuten, die es betrifft zuhören und von ihnen lernen. Und das hätten sie, hätten sie ihren Job als Unternehmer wahr genommen.

Sie haben sich aber nur oberflächlich mit ihrer Zielgruppe, dem Markt und auch ihrem Produkt beschäftigt. Und ja, sie haben ihr Problem, zu einem Problem von Menstruierenden gemacht. Aber auch das ist so ein Ding. In einer von Männer für Männer gemachten Welt fällt es schwer zu verstehen, dass das eigene Problem nicht das Problem von allen ist, genauso wie es umgekehrt schwer fällt ein Problem zu erkennen, wenn man selber davon nicht betroffen ist.

Der „Shitstorm“ hätte also vermieden werden können. Man hätte gemerkt, dass gerade die Aussagen, dass man es zu Hause oder bei Freunden nutzen kann, nicht gut sind. Wenn man das Produkt unbedingt auf den Markt bringen will, dann hätte man das Marketing auf den einzigen wirklich ansatzweise sinnvollen Nutzen richten können, nämlich dann wenn man z.B. in der Natur campen ist. Dann hätte man den Handschuh vielleicht auch eher grün gemacht oder sowas. Aber auch wenn man in der Natur ist sollte man Dinge dabei haben um seinen Müll zu entfernen und Menstruierende bereiten sich auch auf solche Situationen genügend vor. Außer man wird überrascht. Aber ganz ehrlich, dann habe zumindest ich kleines Schusselchen ein ganz anderes Problem. Des Weiteren gibt es für diese Situationen auch andere Lösungen (z.B. normale Einweghandschuhe).

Mir fällt tatsächlich nur, neben der Natur, eine Situation ein, in der so ein Handschuh irgendwie nützlich sein könnte. Und das ist wenn man obdachlos ist und somit wirklich nicht immer die Möglichkeit hat eine Toilette aufzusuchen. Aber Obdachlose können sich definitiv keine 0,25 € für einen Handschuh, von dem man dann auch noch 2 braucht (also 0,50 € pro Tamponwechsel) leisten. Bei einem Tamponwechsel spätestens alle 6-8 Stunden benötigt man also 3-4 Tampons, also 6-8 Handschuhe. Das macht 1,50 € – 2,00 € min am Tag. Wie soll das bezahlt werden? Periodenarmut ist ein bekanntes Problem, Pinky Gloves machte, soweit ich mich erinnere, auf ihrer Instagram Seite sogar darauf aufmerksam (ist weg oder ich habs nicht mehr gefunden). Und dennoch fand sich keine Anmerkung dazu, dass sie z.B. ihr Produkt an Obdachlosenorgansiationen spenden möchten (wäre aber ne super Marketing-Aktion gewesen).

Hervorgehoben wird momentan auch, dass ja auch auf vielen öffentlichen Toiletten nicht immmer ein Mülleimer zur Verfügung steht. Das ist die traurige Wahrheit. Aber ein Extra-Produkt ist hier einfach der falsche Ansatz. Besonders in einer Zeit, in der darüber diskutiert wird Periodenprdoukte auf öffentlichen Toiletten kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Ein Mülleimer und Papiertüten sollten neben Toilettenpapier, Wasser und Seife zum Minimum gehören, nicht zur Luxus-Ausnahme. Auch hier wird deutlich wie wenig sich mit dem Markt und dem aktuellen Geschehen beschäftigt wurde.

Das sind meine hauptsächlichen Kritikpunkte und Gedanken dazu. Aber was hat das jetzt mit (White) Man Privilige zu tun? Das geht eigentlich aus meiner Einleitung schon hervor. Die beiden Männer hatten ohne große Ahnung vom Markt zu haben und ohne ihren Job als Unternehmer und Entwickler richtig zu machen dennoch Erfolg. Zumindest bis zur Ausstrahlung von ihrem Pitch. Diesen Luxus kann man sich nur erlauben, wenn man aus einem sehr priviligierten Standpunkt aus heraus handelt. Frauen haben es erwiesenermaßen schwerer Investoren zu finden. Das zeigt schon Die Höhle der Löwen, in der Menstruationsunterwäsche keinen Deal bekommen hat (weil die Zielgruppe zu klein wäre), die Handschuhe (gleiche Zielgruppe) haben ein Investment in Höhe von 30.000 € bekommen. Das ist ungefähr so, als wenn man eine 1 in der Schule bekommt, obwohl man die Hausaufgaben nicht gemacht hat, nur weil man der Liebling von allen Lehrer:innen ist. Und sich das dann nicht mal bewusst ist. Sie konnten es sich erlauben schlecht vorbereitet zu sein, weil es bis zu einem gewissen Grad funktioniert hat (und vor einigen Jahren auch besser funktioniert hätte, seien wir einmal ehrlich).

Ich bin gespannt wie es weiter geht. Ich denke aber, dass das Unternehmen sich schwer davon erhohlen wird, dazu war die Reaktion zu heftig. Außerdem können sie die Hauptkritik, dass die Handschuhe nicht gebraucht werden und kein Problem von Menstruierenden löst, nicht korrigieren.

2020 – was für ein Jahr. Ich glaube alle sind sich einig, dass es für die Gesellschaft und für die Welt und Menschheit an sich ein ziemlich mieses Jahr war. Eine Katastrophe jagdte die nächste und dazu (!) kam noch Corona. Und mit Corona ein weiterer Rechtsruck und eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Insgesamt also ein Bullshit Jahr.

Aber, betrachte ich das Jahr rein persönlich war es nicht so schlecht. Im kleinen Ansatz habe ich es schon in den Social Media Kanälen erklärt, aber ich mache es nochmal ausführlicher und erkläre, warum 2020 für mich nicht so mies war.

  • Ganz als erstes: Ich bin gesund, mir geht es gut (jetzt mal von den kleinen Depri Schüben abgesehen).
  • Ich habe ein Dach über dem Kopf und immer genug Essen im Schrank. Auch den Lieferservice kann ich mir leisten
  • Mein Job war von Anfang an sicher (etwas Kurzarbeit, aber nicht schlimm), ich musste mich nicht einmal darum sorgen, ob ich noch arbeiten kann oder nicht. Alleine damit geht es mir besser als vielen anderen.
  • Im Gegenteil, im Februar fange ich einen neuen Job an. Ich habe gemerkt.
  • In meinem privaten Umfeld ist niemand erkrankt, weder an Corona, noch an anderen Dingen.
  • Ich habe niemanden verloren und auch das ist Glück.
  • Ich im Jahr 2020 neue Freundschaften geschlossen, Bekannte die ich schon länger kenne wurden zu Freunden und alle diese Menschen sind mir unheimlich wichtig geworden und das in kurzer Zeit.
  • Generell habe ich ganz wundervolle Menschen um mich herum. Seien es die Mädels aus meiner Poletastix Familie, meine Kollegen (die auch irgendwie Freunde sind) oder eben besagte Freunde. (btw – ich hab euch alle lieb, es darf sich angesprochen fühlen wer mag).
  • Ich habe aber auch gelernt, dass es nicht schlimmes ist, sondern sogar völlig in Ordnung einige Menschen einfach loszulassen. War eine harte Lektion, aber rückblickend betrachtet besser so und ich habe meinen Frieden damit geschlossen (ich hege übrigens keinen Groll gegen diese Personen)
  • Ich habe viel neues gelernt und viel über mich selbst.
  • z. B. habe ich mich weiter mit dem Thema Feminismus beschäftigt, bin da jetzt aktiver (wer mir auf Instagram folgt weiß das aber schon).
  • Dabei auch einiges über Gender Identitäten und über sexuelle Orientierungen. Hier lerne ich immer noch, also wenn ich mal was blödes sagen, sagt mir gerne Bescheid.
  • Auch über Rassismus habe ich noch einiges gelernt, besonders über Alltagsrassismus und auch den Rassismus in unserer Sprache. Da ich Sprachentwicklung spannend und wichtig finde werde ich mich mit dem Thema wohl noch mehr beschäftigen. Auch hier, wenn ihr was interessantes habt, immer her damit.

Persönliche Highlights

  • Im September bin ich Tante geworden und meine Nichte ist das süßeste Baby der Welt. Ich bin eigentlich nicht so der Familienmensch, dennoch war ich super gerne in Berlin und nehme gerne die Aufgaben der coolen Tante war.
  • Der Kurzurlaub in Den Haag mit der wohl besten Gruppe überhaupt
  • Mein alleiniger Urlaub in Brügge. Alleine verreisen stand eh auf meiner To-do Liste und Brügge ist eine der schönsten Städte überhaupt.
  • Der Abstecher nach Leipzig. Hat sich definitiv gelohnt.

Alles in allem war es ein gutes Jahr und auch wenn mir natürlich die Konzerte, Partys und andere Sachen fehlen, so wäre das Jammern auf höchsten Niveau. Und ja, ich mache mir über die Entwicklungen in der Gesellschaft sorgen, aber dann wieder zeigen mir einige Menschen, dass doch noch nicht alles total scheiße ist. Auf diese Hoffnungsschimmer baue ich.

Und ich glaube ich bin zu alt für diesen Scheiß.

Eine kurze Zusammenfassung meiner Gedanken

Oh, wow, direkter Einstieg mit einem fröhlichen Lied übers Abschlachten von Menschen und nein.

Der Film strotzt nur so vor Klischees. Die „starke“ Frau, der Mann der Dank ihr sich ändert, der Bösewicht, der Handlanger des Bösewichtes

Die Engländer sind ziemliche Idioten. Also wirklich alle

Ja, ok, ich shippe Pocahontas und ihre BFF. Noch wer?

Mit Magie kann man wohl alles lösen und erklären (ja, ja, Disney Film, bla)

Nein, der Hund und der Waschbär sind nicht witzig. Und der arme Kolibri.

Warum will dieser eine Krieger Pocahontas eigentlich heiraten? Sie reden nicht einmal miteinander….

Mag wirklich jmd John Smith??? Er ist das Paradebeispiel für Mansplaining und liefert den Grundstein für jede toxische Beziehung.

Ohne Scheiß – das fand man damals alles in Ordnung???? Jetzt weiß ich warum so viele meiner Generation keine Ahnung von gesunden Beziehungen haben.

Nein, das Ende macht es nicht besser. Der Film war für mich eine komplette Zeitverschwendung. Er ist auf vielen Ebenen höchst problematisch, John Smith ist und bleibt ein Idiot. Bei so vielen Filmen wird gerade über eine Aufarbeitung diskutiert, sollte man bei Pocahontas unbedingt machen. Bin ich froh, dass ich diesen Film nicht als Kind gesehen habe… Pfff

Eine Auseinandersetzung mit den Gegenargumenten zur Frauenquote

Eigentlich wollte ich einen Pro & Con Beitrag zur Frauenquote machen, aber nun ist es doch anders gekommen. Ich bin hier nicht objektiv, daher werde ich mich auf die Top-Gegenargumente, die ich so mitbekommen habe, eingehen und meinen Senf dazu sagen. (Sorry, not sorry).

Vorab noch ein paar Fakten dazu. Zum einen wo die Frauenquote vorkommt (Politik & Wirtschaft), welche Modelle es in den jeweiligen Bereichen gibt und noch so ein paar historische Fakten. Wen das nicht interessiert kann direkt auf die Zweite Seite springen 😉

Frauenquote – Auszug aus Wikipedia

Frauenquote (und allgemein Geschlechterquote oder Genderquote) bezeichnet eine geschlechterbezogene Quotenregelung bei der Besetzung von Gremien oder Stellen. Der angestrebte Zweck der Frauenquote ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur.
(soweit so klar)

Arten / Modelle der Frauenquote

Es gibt jede Menge Formen / Arten der Quoten. Manche sind sinnvoller als andere.
Es gibt unterschiedliche Vorgaben der rechtlichen Bindung, der Verfahren und der Bezugsgrößen, die alle zu erläutern würde den Rahmen sprengen, entschuldigt bitte.

Ich werde mich daher kurzfassen und auf die absolute und die relative Quotenregelung eingehen.

Absolut
Bis die Quote von der festgelegten % erreicht ist werden Frauen bevorzugt eingestellt. Diese Regelung wird kritisch angesehen, dass sie Männer diskriminiert. Denn dadurch werden männliche Bewerber gar nicht erst zugelassen, egal wie qualifiziert sie sind.

Bei der absoluten Regelung unterscheidet man noch zwischen der harten Quote und der weichen Quote.
Bei der Harten dürfen nur so viele Männer gewählt / besetzt werden, wie Frauen. Gibt es also 10 Stellen dürfen erst dann 5 Plätze an Männer vergeben werden, wenn es auch 5 Frauen gibt. Können z.B nur vier Frauen überzeugen, dann dürfen nur 4 Männer eingestellt (gewählt) werden, die beiden anderen stellen bleiben so lange unbesetzt.
Bei der Weichen dürfen bei z.B. einer 50% Quote auf, die hälfte der Plätze nur Frauen kandidieren. Gibt es also 10 Plätze dürfen sich auf 5 Plätze nur Frauen bewerben, auf die anderen 5 Plätze (auch) Männer. Findet man dann 5 Männer und 4 Frauen bleibt ein Platz unbesetzt, ein 6. Mann wäre nicht zulässig.

Relativ
Ganz simpel- bei gleicher Qualifikation ist die weibliche Kandidatin vorzuziehen, bis der Frauenanteil erreicht ist.
Kritikpunkt an dieser Regelung ist häufig, dass es zu viel Spielraum lässt und so Männer dennoch bevorzugt eingestellt werden.

Frauenquote in der Politik

Bisher konnte ich zwei Arten, wie eine Frauenquote in der Politik umgesetzt wird, ausfindig machen.

Zum einen eine Quote nach dem Reißverschlussprinzip:
Das Prinzip ist recht simpel zu verstehen, zumindest für diejenigen, die öfter einmal in einem Stau standen. Auf einen Mann / eine Frau folgt ein/e Kandidatin des jeweils anderen Geschlechtes.
Klingt an sich logisch. Bei kleineren Parteien, die oft nur ein Mandat vergeben können, führt es aber (logischerweise) nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Denn der 1. Kandidat ist zumeist immer noch ein Mann. Bei ungeraden Plätzen werden so dennoch immer wieder Männer mehr wichtige Sitze einnehmen.

Zum anderen gibt es da noch das Tandem Modell
Nach diesem Modell werden je Partei & Wahlkreis jeweils ein Kandidat und eine Kandidatin zusammen an. Damit es dadurch nicht zu doppelten Mandaten kommt werden dafür die Wahlkreise halbiert. Dies funktioniert in Frankreich bei Regionalkreisen sehr gut.
Ich finde das Modell sehr spannend. Nicht nur, weil die Quote gut erfüllbar wäre, sondern auch weil ich den Gedanken mag, dass hier in Teamarbeit regiert wird. (Ja, ja, ich denke naiv. Lasst mich). Allerdings denke ich auch, dass dieses Modell nur auf regionaler Ebene funktionieren kann. Oder könnt ihr euch zwei Bundeskanzler vorstellen?

Frauenquote – kein neuer Gedanke
Zumindest in Deutschland gab es die erste Frauenquote in einer Partei schon 1932. Die KPD beschloss damals, dass 1/3-1/4 der Bezirksleitung von Frauen („Genossinnen“) übernommen werden sollen. 
Die Grünen haben direkt bei ihrer Gründung 1979 eine Frauenquote festgelegt, nach der min. 50% aller Mandate und Parteiposten durch Frauen besetzt werden müssen. Ganz schön schlau, dass direkt zu machen, so kann am Ende keiner jammern.
Auch die Linke hat eine Frauenquote von 50%.
Die SPD dagegen (die es natürlich auch schon länger als die Grünen gibt) tut sich mit der Frauenquote doch noch schwer. Erst 1988 wurde eine Quote von 33% beschlossen (für Ämter und Mandate), 98 wurde diese auf 40% angehoben.
Die CDU dagegen hat 1996 ein Frauenquorum eingeführt (eine abgeschwächte Form der Quote ), plant aber nun eine Quote, die sich stufenweise erhöhen soll (2021 30%, 2023 40% und 2025 dann voll Parität, also ein gleichmäßiges Verhältnis).
Die FDP und die AfD haben aktuell keine Frauenquote und scheinen dies auch nicht zu planen.

Auswirkung der Frauenquote der Parteien
Die Einführung einer Frauenquote in einzelnen Parteien sorgte auch dafür, dass der Frauenanteil im Bundestag anstieg. Während es jahrzehntelang einen Frauenanteil von 6-max 10% gab, gab es nach ca. 9 Jahren konstanter Steigerung doch schon *hust* einen Anteil von 31% im Jahr 1989. Seitdem ist der Anteil aber nicht wirklich gestiegen, sondern pendelt immer zwischen 31-37%. Also hat sich seit 31 Jahren die Präsenz von Frauen nicht wirklich geändert und das trotz einer weiblichen Bundeskanzlerin. (ich fühle mich so richtig gut repräsentiert… nicht).

Aktueller Anteil im Bundestag (Stand Juli 2019)
Insgesamt hat der Bundestag momentan einen Frauenanteil von 31,2%.
Dieser teilt sich wie folgt auf:

CDU/CSU: 20,73%
SPD: 42,76%
AfD: 10,99 %
FDP: 22,50%
Linke: 53,62%
Grünen: 58,21%
fraktionslos: 25% (zugegeben, bei halt wenigen Mandaten).

Interessant finde ich hier zwei Dinge. Zum einen ist der Frauenanteil bei linken Parteien doch um einiges größer. Zum anderen übererfüllen die Parteien, die eine Quote haben diese sogar, besonders die Grünen, die ihre Quote halt schon von Anfang an haben. Das es bei den Parteien ohne Quote so aussieht kann viele Gründe haben. Werden Frauen hier daran gehindert oder haben Frauen kein Interesse an solchen Parteien?

Frauenquote in der Wirtschaft

Im März 2015 wurde vom Bundestag das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im Öffentlichen Dienst“ beschlossen, nachdem eine Frauenquote von 30% in Aufsichtsräten eingehalten werden muss, die ab 2016 neu besetzt wurden. Dies gilt für mitbestimmungspflichtiger und börsennotierter Unternehmen.
Alle anderen Unternehmen sind dazu verpflichtet sich ein eigenes Ziel zu setzen, ohne Mindestvorgabe.
Das Gesetzt sieht hier aber nur Aufsichtsräte vor, nicht Vorstände. Und das merkt man leider auch. Mit Stand 2019 waren die Frauenanteile in Aufsichtsräte gestiegen, auf 32% (Vor dem Gesetz lag der Anteil bei 21,9%), bei Vorständen liegt der Frauenanteil bei 8,7 %.
Eine geplante Quote von 50% für Vorstände bleibt bisher unerfüllt und steht immer wieder zur Diskussion.

Wer mich kennt, weiß ich bin großer Harry Potter Fan. Ich besitze alle Bücher, alle Filme, schaue diese immer wieder, habe in meiner Wohnung einiges an Harry Potter Merchandise, eine Deathly Hallow Kette und vieles mehr.

Noch heute steht die Harry Potter Reihe für Freundschaft und Gleichberechtigung, für viele hat Rowling eine magische Welt geschaffen, deren Teil man gerne wäre, eine Welt die wir in die reale soweit möglich übertragen haben. Harry Potter, man kann es nicht anders sagen, hat eine ganze Generation geprägt und die Fans sind durch die Bank weg divers.

Leider hat J.K. Rowling durch ihre letzten Aussagen hinsichtlich Transsexuellen, deutlich gemacht, dass sie selbst nicht so tolerant gegenüber anderen ist wie sie sich gerne darstellt. Für mich besonders schlimm dabei, dass sie das alles unter dem Deckmantel des Feminismus getan hat, dabei aber übersehen hat, was Feminsmus eigentlich bedeutet und was das Ziel ist.*

Auf Grund dessen kam es bei mir und meinen Freunden einige Male nun zu Diskussionen und dabei kam auch auf, dass nicht nur Rowlings jüngsten Aussagen kritisch sind, sondern auch einige Aspekte in den Büchern.

Dinge, die mir als weißer Frau gar nicht so aufgefallen sind (leider), bei denen ich mich aber heute an den Kopf fasse und mir denke, wieso dem nicht so war. Denn so divers die Harry Potter Fans sind, die Charaktere sind es leider nicht. In den Büchern gibt es keine Homosexuellen (ja, ja, Dumbledore, aber das kam erst im Nachgang) oder andere Sexualitäten und gerade die Zeit der Pupertät würde da so viel zu erzählen bieten und es gibt auch fast nur weiße. Hermine wurde erst im Theaterstück schwarz, in den Büchern wurde ihre Hautfarbe dagegen nicht beschrieven, nur ihre Haare, die auf alles hindeuten können. Rowling hat auch hier wieder im Nachhinein etwas angepasst, bzw ist auf einen Zug aufgesprungen, mit dem sie ihre Vielseitigkeit zeigen wollte, die sie aber gar nicht besitzt. Denn ich glaube ihr es einfach nicht, dass sie sich das alles vorher schon überlegt hatte.

Die wenigen Figuren, die nicht weiß sind erfüllen sowohl in den Büchern, als auch den Filmen einige Klischees. Bestes Beispiel, dass viele von euch bestimmt schon mitbekommen haben, ist Cho Chang, Harry Potters erste Freundin. Natürlich ist sie als Asiatin in Ravenclaw, in den Filmen steht sie natürlich auch unter dem Druck ihrer Mutter und wegen ihrer Noten. Aber dazu kommt noch ihr Name – Klischeehafter (und rassistischer) geht es kaum. Cho Chang sind im koreanischen beides Nachnamen. Im Chinesischen gibt es diese Namen auch, ergeben zusammen aber keinen Sinn (zumindest nach meinen Recherchen, bitte verbessert mich, wenn ich falsch liege). Rowling selbst gab zu, dass sie sich über den Namen keine Gedanken gemacht hat, sondern einfach irgendwas asiatisch-klimgendes genommen hat. Sie war einfach zu faul und zu sehr in ihrer „weißen“ Blase um die Problematik dahinter zu erkennen.

Auch schwierig, sogar noch schwieriger, empfinde ich die Beschreibung der Kobolde in der Harry Potter Welt. Diese, sowohl die körperliche, als auch charakterliche, ist sehr ähnlich der antisemitischen Beschreibung der Juden von Nazis.

Und während ich mich weiter mit dem Thema beschäftige kommen immer neue Dinge dazu. Übergewicht? Nur was für die Bösen.

Dagegen muss man halten, dass die Botschaft der Bücher zu Akzeptanz und Respekt immernoch vorhanden sind und es auch einige gute Beispiele und Mataphern gibt. So steht der Werwolf Fluch für HIV Infizierte. Für den Fluch (aka Krankheit) kann niemand was, aber leider werden betroffene Menschen nach wie vor ausgegrenzt. Oder die Dementoren, die ein Sinnbild für Depression darstellen. Oder auch, dass eine Freundschaft zwischen Junge und Mädchen einfach ganz normal funktionieren kann (Harry und Hermine), man auch Menschen, die irgendwie anders sind lieb gewinnen kann (Luna), dass man reifen, sich entwickeln kann. Alles tolle Botschaften und wie gesagt – die Fans sind großartig.

Aber kann ich, als jmd der sich gerade selbst aus der eigenen Blase versucht zu befreien, weiterhin Harry Potter Fan sein? Kann ich mein Hogwarts Kleid noch tragen?

Ich überlege schon länger mir ein Harry Potter Tattoo stechen zu lassen, zum einen weil.ich wie gesagt die Welt an sich toll finde und es mich geprägt hat, zum anderen auch als Zeichen für mich was ich bei mir schon erreicht habe. Geplant ist (war) ein Dementor, der von einem Patronus Zauber besiegt wird.

Aber kann ich das noch, wo mich nun so einiges stört und mir immer mehr auffällt ohne weiteres tun?

Natürlich kann man Rowling von ihrem Werk abtrennen. Einige Fans haben das auch schon getan. In einem Video auf TikTok wurde sehr direkt gesagt, dass Rowling kein Teil ihrer geschaffenen Welt mehr ist. Und ja, fast alle Fans, viele Darsteller der Filme haben sich von Rowlings Aussagen distanziert. Aber die Bücher sind nun mal so wie sind.

Ich bin ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich mag die Bücher und Filme immer noch, wenn ich sie jetzt auch kritischer sehe, ich liebe die Welt die wir Fans uns hier aufgebaut haben. Aber ich kann es dennoch nicht einfach ignorieren, dass es nunmal einige Punkte gibt die nicht, aber so.gar nicht, in Ordnung sind.

Was meint ihr? Können wir noch mit Stolz Fans sein? Seht ihr die Dinge, die ich als kritisch empfinde auch so oder als gar nicht so schlimm?

* Auf den Punkt was das ganze mit Feminsmus zu tun hat bin ich, um den Rahmen nicht zu sprengen, nicht weiter eingegangen. Wen es interessiert darf mich aber gerne anschreiben.

„Just“ a friend

Veröffentlicht: 07/07/2020 in Ein paar Gedanken zu ...

Im Zuge meines Beitrages über Feminismus und so Krams habe ich mich, besonders im Hinblick auf den Gender Data Gap immer mehr und mehr auch mit unserer Sprache beschäftigt.

Und gerade beim Thema „Friendzone“ ist mir (mal wieder) aufgefallen, dass wir manchmal zu Formulierungen neigen, die so eigentlich nicht ganz passend sind. Z.b. entschuldige ich mich ab und an, obwohl es mir gar nicht Leid tut, bzw nicht leid tun sollte. Wenn ich in meinem Job beispielsweise einer/einem Kunden sagen muss, dass es etwas nicht geht, schleicht sich das Wort „leider“ ziemlich schnell in meine Formulierung und das obwohl ich genau weiß wieso, weshalb, warum und es oftmals auch besser ist, dass Kunden nicht alles bekommen, was sie wollen. Es tut mir dann eigentlich nicht leid, aber ich schreibe es trotzdem. Dabei klingt meine Aussage nicht weniger höflich, wenn ich es einfach weglasse. Es schwächt nur meine Überzeugung, dass es richtig so ist. (Meine Meinung).

Oder halt, beim Thema Freunde (des anderen Geschlechtes). Mir ist aufgefallen, dass wir sehr schnell sagen „Er ist nur ein Freund“ und je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto falscher finde ich das. Bei Freunden des gleichen Geschlechtes machen wir das auch nicht und das obwohl es ja durchaus möglich ist, dass es sich bei den beiden um ein Paar handelt. (ich merke gerade, Gendern ist in Deutsch echt schwer, aber seis drum). Warum sollte ich also bei einem Freund hinzufügen, dass er nur ein Freund ist?

Dieses kleine Wort setzt, aus meiner Sicht die Freundschaft herab. Meine Freunde, egal welchen Geschlecht sie haben, welche sexuelle Orientierung, sind so viel mehr als „nur“. Bei einigen, wenigen würde ich auch sagen, dass ich sie liebe, halt nur anders.

Natürlich hat man zu einigen Freunden ein anderes Verhältnis, als zu anderen und ja, mir ist auch bewusst, dass man das sagt, um eine Unterscheidung zu haben, aber benötigen wir das wirklich. Es reicht doch aus, wenn man sagt „Er ist ein Freund“ / „Sie ist eine Freundin“. Wenn da dennoch jmd etwas anderes versteht (verstehen will), das ist es am Ende nicht mein Problem. Ich zumindest arbeite gerade sehr daran den Satz, sollte er denn nötig sein, ohne „nur“ zu nutzen.

An diesem Beitrag arbeite ich nun schon ziemlich lange, genauer gesagt seit dem 08. März, also dem Internationalen Frauentag. Ja, der Plan war passend zu diesem Tag etwas dazu zu veröffentlichen. Hat wunderbar geklappt, ne? Aber warum habe ich das nicht und warum will ich überhaupt noch was zu dem Thema schreiben, obwohl es schon so viele Artikel und Beiträge dazu gibt? Mir ist es halt einfach wichtig, zu wichtig, als dass ich es in meinem Kopf lassen und nur bei einzelnen Gesprächen Stücke davon preis zugeben. Was nicht heißt, dass ich keine Diskussionen mehr darüber führen möchte. Bitte, gerne, immer, egal ob nüchtern oder nach ein paar Bierchen, Weinchen oder Ginchen.

Der Text ist auch sehr lang geworden, daher habe ich ihn geteilt und verlinke die einzelnen Abschnitte. (ungefähre Lesezeit 20 Minuten insgesamt). Und ich habe tatsächlich noch lange nicht alles aufgeschrieben was mir so durch den Kopf geht und es wird wohl immer was dazu kommen, denn auch ich lerne noch dazu. Ich habe auch bei der Recherche hierfür einiges gelernt und das möchte ich auch an euch weiter geben, daher ist das hier eine wilde Mischung aus ein paar Anektdoten, einigen Fakten und meiner puren Meinung. Und vlt regt einiges ja auch zum nachdenken an.

Eines Vorweg – ich schreibe oft über „die Männer“ und „die Frauen“. Natürlich will ich keine Verallgemeinerung, es geschah im Sinne der Einfachheit. Ich kenne viele großartige Männer und ich weiß, dass nicht alle Männer so sind. Wer sich hier dennoch angegriffen fühlt sollte einmal nachdenken warum.

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