„Me too“ Bewegung – längst überfälliges Phänomen

2017, eine Bewegung geht durch die Welt. Angestoßen von Alyssa Milano durch den Skandal um Harvey Weinstein, als Ziel zu zeigen, wie viele Menschen, aber hauptsächlich Frauen, von sexuellen Belästigungen, Übergriffen und sexueller Gewalt betroffen sind. Der Begriff wurde allerdings schon früher verwendet (2006 von Tarana Burk auf Myspace – Leute Myspace, so lange ist das schon her). Aber erst 2017 wurde dadurch etwas ausgelöst, was sich kaum einer vorstellen konnte. Unzählige Debatten entstanden, plötzlich wurde den Frauen bewusst, sie waren nicht alleine und Männer bekamen es in einer geballten Ladung einmal mit. Es gab kein Entrinnen mehr, keine Ausreden und alle, wirklich alle wurden gezwungen darüber nachzudenken. Manche taten das mehr, manche weniger. Manche erlangten Einsichten, manch andere zwar auch, aber etwas fragwürdige („scary time for boys“ sag ich nur).
Ein Freund sagte mir einmal, das ihm das früher gar nicht so bewusst war, wie oft das Frauen passiert, mein Exfreund fragte mich, als ich ihm mal wieder ein neues Erlebniss schilderte, bei dem ein Mann mich nicht in Ruhe lassen wollte, ob nur mir das passiert oder allen Frauen. Ja, allen Frauen. Jede Frau hat min. eine solche Story parat, in der sie sich unwohl gefühlt hat, bedrängt, belästigt oder verfolgt.
Es war wichtig, dass die Me Too Bewegung passierte und es war so überfällig.
Und natürlich kamen gleich wieder die Nörgler. Sätze wie „Männer können auch Opfer werden“ – das stimmt, das wurde nie abgestritten und es wurde niemals gesagt, dass sich Me Too nur an Frauen richtet. Männer sind aber weniger betroffen, obwohl es hier eine sehr hohe Dunkelziffer gibt, da Männer es meistens nicht zugeben würden, alleine weil es dann heißen könnte „sei doch froh“.
Am schlimmsten empfand ich den Kommentar einer Frau dazu, die meinte Frauen würden jetzt bei jeder Kleinigkeit „me too“ schreien und sei es nur, wenn sie ein Mann im Bus anrempelt und ihr sei sowas ja noch nie passiert. Mir kamen dazu mehrere Gedanken 1. Soll ich diese Frau beglückwünschen, weil sie sowas nie erleben musste oder bemitleiden, weil sie so weltfremd ist? 2. wie wenig hält sie eigentlich von (anderen) Frauen, dass sie denkt wir wären wirklich nicht in der Lage ein Versehen von einem Grapschen zu unterscheiden?? WIR KENNEN DEN UNTERSCHIED!!! Meine Fresse!
Frauen, die selber sagen, Me Too wäre nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit und wir würden alle übertreiben, haben es noch viel weniger verstanden als Männer, die ähnliches behaupten.

(sexuelle) Belästigung

Ab wann ist es Belästigung? Diese eine Frage klingt so simpel, aber wenn man einmal genauer drüber nachdenkt ist sie es nicht. Denn was belästigent ist, entscheidet die betroffene Person. Das heißt, dass ein und dasselbe Verhalten bei verschiedenen Menschen unterschiedlich aufgefasst werden kann. Für die einen ist es neckisches Flirten für die anderen eben nicht. Hier müssen wir alle deutlich auf Anzeichen achten, Körpersprache interpretieren und auch verstehen „Nein bedeutet Nein“. Leider ist das jahrzehntelange Credo „Wenn eine Frau Nein sagt, meint sie eigentlich Ja“ noch immer tief in unserer Gesellschaft verwurzelt und es wird auch noch Generationen dauern, bis das aus den Köpfen raus ist, aus einigen wird es leider nie ganz verschwinden. Ich verstehe, dass das nicht immer einfach ist, aber es gibt zum einen Dinge, bei denen jeder mittlerweile wissen sollte, dass sie nicht in Ordnung sind und auch genug offensichtliche Anzeichen. z.b. wenn ihr eine Frau antanzt und sie geht weg oder wird von ihren Freunden*innen weggezogen, dann hat sie einfach kein Interesse. Geht dann nicht hinterher!

Ich habe lange überlegt ob und welche persönlichen Erfahrungen ich hier dazu schreibe. Ich habe mich, etwas feige, für die harmlosen und vor allem für die entschieden, die mir hauptsächlich mit Fremden oder Personen, die ich zumindest nicht gut kenne / kannte passiert sind. Es handelt sich hierbei auch nur um Situationen, die ich als belästigent empfand, wobei einiges definitiv schon als Übergriff gewertet werden kann.

  • Ich wurde mehrfach angestarrt, obwohl ich häufig Desinteresse bekundet habe. Ich rede hier nicht von verstohlenen Seitenblicken, ich rede hier von wirklich starren. So krass, dass (männliche) Freunde es bemerkten und das Gefühl bekamen sie müssten sich zwischen uns stellen und mich beschützen.
  • Mir wurde mehrfach ungefragt an den Hintern gefasst und drauf gehauen. Das ist wahrscheinlich jeder Frau irgendwann mal passiert. Mir sowohl von Fremden, als auch von Bekannten. Ich bin selber ein Mensch, der aus Spaß Freunden einen Klaps auf den Po gibt, dazu stehe ich und ich werde es auch weiter machen, aber nur, wenn ich mir sehr sicher bin, dass ich das mit dieser Person machen kann. Wenn wir uns kennen, überlegt bitte dennoch vorher, ob wir wirklich so gut befreundet sind, dass ihr euch diesen Spaß erlauben dürft. Seid ihr euch nicht sicher? Dann lasst es. Kennen wir uns nicht? Dann lasst es erst Recht bleiben.
  • Ich wurde mehrfach angesprochen und man versuchte, mir nahe zukommen, wenn ich in einer Bar / einem Club alleine saß oder stand. Keine Frau, zumindest keine die ich kenne, macht das, weil sie hofft dann angesprochen zu werden. Entweder wir warten oder wir brauchen eine Pause oder wir sind einfach schon sehr betrunken. In keinen dieser Fälle möchten wir einfach angequatscht werden. Besonders beim letzteren – Leute, creepy. Ein Mädel abschleppen wollen, dass zu betrunken ist um noch zu tanzen? Wirklich, keine gute Idee.
  • Mir wurde mehrfach gesagt, mein Tanzstil würde etwas bestimmtes verursachen (O-Ton eines älteren Kollegen „damit machst du mich ganz rattig / rollig“) oder bedeuten („man merkt, dass du was willst“). Leute, ich tanze einfach gerne.

Catcalling – Männer, euer Ernst?

Ja, Catcalling bekommt von mir einen eigenen Absatz, weil wtf. Was denken sich Männer eigentlich dabei? Niemand, wirklich niemand kann mir erzählen „das ist doch nur nett gemeint, das ist flirten“ Nope, ist es nicht. Ich nehme es keinem ab, dass es hier um missverstandene Komplimente geht. Meiner rein persönlichen, etwas unqualifizierten Meinung nach handelt es sich hierbei um versuchte Machtausübung. Ich rede hier von Sprüchen auf offener Straße, nicht vom Versuch beim Tanzen jmd näher zu kommen, von Sprüchen weit unter der Gürtellinie, die jede Frau zu genüge kennt, die ich schon erlebt habe, trotz Jogginghose und weitem Pulli oder auch mit Gesichtsmaske. Der Mann fühlt sich durch das Unwohlsein, dass er auslöst überlegen, erlangt somit eine Macht über die Frau die er anspricht. Wie gesagt, meine Meinung. Anders kann ich mir das nicht erklären. Oder will mir wirklich jmd sagen, dass man mit sowas eine Partnerin bekommen will? Das stell ich mir bei der Frage wie man sich kennen gelernt hat lustig vor. „Joah, da hat er mir gesagt was für schöne Brüste ich hab und das er mich lecken will und ich dachte mir, warum nicht“… Ja, ne, ist klar. Hat da noch jmd eine andere Idee oder Erklärung, was Männer mit Catcalling erreichen wollen?

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Kommentare
  1. […] Silbereule – Miene Gedanken zu: Diesem komischen Feminismus Kram […]

  2. Miri sagt:

    Ich mag Agent Carter. Die Hauptfigur ist eine Frau die sich durchsetzen kann. Die Serie spielt Ende der 40er und natürlich bekommt sie von den Männern immer erzählt, dass sie nichts anderes kann als Kaffee kochen und Ablage machen „weil wir nicht mehr im Krieg sind“. Und sie setzt sich darüber hinweg. Und tatsächlich sind ihre Hauptgegnerinnen, die einzigen, die ihr halbwegs ebenbürdig sind, Frauen. Und ich mag die Lovestory, die sich am Ende entwickelt (auch wenn sie sich vorher immer wieder andeutet). Aber ja, in den meisten Filmen und Serien ist das Frauenbild sehr zweifelhaft bis sexistische Kackscheiße. Es gab mal ein Projekt wo die Sätze/Wörter und Bildzeit von Frauen in Oscarprämierten Filmen gezählt wurde. Das Ergebnis war schockierend.

    • silbereule sagt:

      Stimme, Agent Carter (die Serie) war toll, sie ist ein super Vorbild. Danke für das positive Beispiel.

      • Dana sagt:

        Joss Whedon halt. Der hatte ja immer schon starke Frauen in seinen Serien. 🙂

      • silbereule sagt:

        Ja, aber ich bei ihm auch vorsichtig, nachdem rauskam, dass er bei Buffy mit mehreren Schauspielerin etwas hatte und seine Frau betrogen hat. Sie hat damals seinen Brief veröffentlicht und es klang alles nach „ich bin ja auch nur ein Man“

  3. Überlegende/r sagt:

    Ich habe immer noch nicht verstanden warum das jz auch für Männer wichtig ist und der Text ist ein bisschen einseitig (weil es halt deine Meinung ist) z.b habe ich so das gefühl, dass man jetzt jedem Mann vorwirft pervers/ausnutzend usw zu sein nur auf grund dessen das man halt Männlich ist.
    Noch ein Problem ist das es diese ultra fem’s gibt und man als fem automatisch in diese Schublade gestekt wird.

    • silbereule sagt:

      Lies dir bitte meine Einleitung nochmal durch, denn ich schreibe da ganz genau, dass ich oftmals nur Männer schreibe, aber nicht alle Männer meine. Aber eigentlich gibst du dir doch schon selbst die Antwort. Je mehr es in die Öffentlichkeit kommt, desto öfter wird das eigene Verhalten, das der Freunde überdacht und ein Umfeld geschaffen, in dem sich alle wohl fühlen und man (oder Frau) sich nicht mehr fragen muss, ist dieser Fremde jetzt gefährlich oder nicht. Das mag für dich schwer nachvollziehbar sein (und das ist auch nicht schlimm), aber das ist für viele ein normaler Gedanke.

    • silbereule sagt:

      Oh, und oftmals werden Feminist:innen als Ultra bezeichnet, sobald es unangenehm wird, weil man sich insgeheim ertappt fühlt. Geht mir in anderen Punkten genauso, an denen ich arbeiten muss. Wichtig ist das zu erkennen und mit Kritik (auch an sich) umzugehen

      • Überlegende/r sagt:

        Ich meine so radikale die z.b. hetzte betreiben
        und ich könnte mir gut vorstellen das wenn man sich so als fem outet man wegen solchen Personen in eine Schublade gesteckt z.b. „Die ist Fem? die ist bestimmt auch so eine Hetzerin“
        Und das, ist glaube ich einer der Gründe warum Feminismus so gehated wird weil es Leute gibt die halt das ins negative ziehen.
        Und PS Ich möchte mich nicht als ein Gem gegner positioneiren habe das aber nicht darein geschrieben weil ich dan auch in so eine Schublade kommen würde(in die „Ich bin ja kein Nazi aber….“ Schublade)

      • silbereule sagt:

        Also ehrlich gesagt gib es davon sehr, sehr wenige. Es kommt aber oft als erstes Argument. Das wäre ungefähr so, als ob man nicht mehr sagen möchte, dass man Fußball Fan ist, weil es Hooligans gibt.
        Ich glaube auch nicht, dass du das irgendwie böse oder gegnerisch meinst, sondern es wirklich verstehen willst. Deswegen trete ich gerne mit dir in einen Austausch. Auch ich habe in den letzten Jahren / Monaten noch einiges dazu gelernt.
        Der Feminismus setzt sich für Gleichberechtigung aller ein. Das bedeutet auch dafür, dass z. B. Männer bei einem Sorgerechtsstreit nicht mehr benachteiligt werden oder das es auch für Männer in Ordnung ist emotional zu reagieren und weinen zu dürfen. Usw und sofort.

  4. Überlegende/r sagt:

    Ja der Fußball vergleich ist etwas mehr hergeholt aber ich weißt was du meinst.
    Und ja es ist richtig ich probiere Feminismus zu verstehen weil ich mir selbst immer sehr unschuldig vorkomme mir aber dan darauf denke ob ich nicht doch ein Frauenfeindlicher bin🤔
    deswegen probiere ich die „Anschuldigungen “ zu verstehen (man lernt nie aus).
    Ich finde man sollte es durchsetzen das so Vorurteile verpönt werden.
    Ich hoffe darauf das sich in einigen Jahren was ändern wird (weil die generation langsam erlischt die das hatten (natürlich gibt es immer noch Frauenfeindliche aber irgendwann wird das aussterben))Eine Weibliche Regierung hat z.b. den vorteil, dass es weniger krieg gebe (Siehe Merkel)Und ausserdem finde ich einen 50:50 Vorstand mehr als Passabel.
    (Deswegen auch der nickname)

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