An diesem Beitrag arbeite ich nun schon ziemlich lange, genauer gesagt seit dem 08. März, also dem Internationalen Frauentag. Ja, der Plan war passend zu diesem Tag etwas dazu zu veröffentlichen. Hat wunderbar geklappt, ne? Aber warum habe ich das nicht und warum will ich überhaupt noch was zu dem Thema schreiben, obwohl es schon so viele Artikel und Beiträge dazu gibt? Mir ist es halt einfach wichtig, zu wichtig, als dass ich es in meinem Kopf lassen und nur bei einzelnen Gesprächen Stücke davon preis zugeben. Was nicht heißt, dass ich keine Diskussionen mehr darüber führen möchte. Bitte, gerne, immer, egal ob nüchtern oder nach ein paar Bierchen, Weinchen oder Ginchen.

Der Text ist auch sehr lang geworden, daher habe ich ihn geteilt und verlinke die einzelnen Abschnitte. (ungefähre Lesezeit 20 Minuten insgesamt). Und ich habe tatsächlich noch lange nicht alles aufgeschrieben was mir so durch den Kopf geht und es wird wohl immer was dazu kommen, denn auch ich lerne noch dazu. Ich habe auch bei der Recherche hierfür einiges gelernt und das möchte ich auch an euch weiter geben, daher ist das hier eine wilde Mischung aus ein paar Anektdoten, einigen Fakten und meiner puren Meinung. Und vlt regt einiges ja auch zum nachdenken an.

Eines Vorweg – ich schreibe oft über „die Männer“ und „die Frauen“. Natürlich will ich keine Verallgemeinerung, es geschah im Sinne der Einfachheit. Ich kenne viele großartige Männer und ich weiß, dass nicht alle Männer so sind. Wer sich hier dennoch angegriffen fühlt sollte einmal nachdenken warum.

Die einzelnen Themen:

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Ich könnte so viele Dinge heute Abend machen. Eine weitere Serie gucken, mein Buch weiter lesen („The Five: Das Leben der Frauen, die von Jack the Ripper ermordet wurden“ von Hallie Rubenhold), Yoga wollte ich auch wieder anfangen, ich könnte auch lernen. Aber nein, ich reg mich lieber auf. Über Alice Schwarzer. Immer wieder, immer mehr. Und normalerweise versuche ich jede*n zu verstehen, aber es gibt Menschen, da geht das nicht und Alice Schwarzer ist da ganz vorne mit dabei.

Ich, die sich selbst als Feministin bezeichnet, verabscheue und lehne Schwarzer gerade zu hab. Ja, sie hat vor einigen Jahrzehnten mal viel für die Frauenrechtsbewegung getan, aber sie hat sich so weit vom Feminismus distanziert wie es kaum noch geht. Da sie sich aber nur darüber profilieren kann sieht sie das nicht. Und ihr wird immer wieder eine Bühne gegeben, sie wird nach wie vor als Deutschlands Nr. 1 Feministin gesehen, was der Bewegng am Ende auch eher schadet (meiner Meinung). Hier also einmal mein Rant über Alice Schwarzer.

Russland / Ukraine Krieg

Ganz aktuell ist Schwarzer wieder in den Medien wegen einem „offenen Brief“an Olaf Scholz, mit einer arnung vor dem 3. Weltkrieg, wobei sie da die Schuld bei denen sucht, die nicht nachgeben wollen. Man solle nicht weiter provozieren, keine Waffen liefern etc.
Nun ja…. Das ist halt sehr naiv gesagt und das von einer Frau, die sich häufig so auf tut, als wenn sie zu der interlektuellen Elite gehören würde. Ich meine, ich bin auch für Frieden, Krieg ist scheiße. Und ja, ich bin der Meinung, dass uns eine feministische Außenpolitik gut tun würde. Das heißt aber gerade nicht, dass wir jemanden wie Putin weiterhin alles glauben sollten,d as heißt nicht, dass wir das „Problem auf beiden Seiten sehen“ müssen.
Was Schwarzer mit ihrem Brief tut ist eine Täter-Opfer-Umkehr.
Stellt euch vor wir würden hier nicht von Ländern, sondern von einzelenen Menschen reden. Stellen wir uns mal vor, Russland = Mann, Ukraine = Frau. Russland (Mann) schlägt Ukraine (Frau), weil die sich mit den Nachbarn unterhalten hat. Nach Alice Schwarzer muss Ukraine einfach nur machen was Russland will und schon wird sie auch nicht mehr geschlagen.
Täter-Opfer-Umkehr und Victim Blaming vom feinsten.

Und selbst wem nach wie vor nicht auffällt, dass Putins Beweggründe völlig irrelavant sind, dann sollte man doch zumindest so interelligent sein und erkennen, dass diese dazu auch noch völlig an den Haaren herbeigezogen sind. Putin will keinen Frieden. Wieso glauben manche eigentlich, dass er aufhört, wenn die Ukraine aufgibt? Er lässt Sivilist*innen töten, weil es ihm egal ist. Nach außen hin stellt er es als Befreiung dar, war es aber nie. Wie naiv ist Schwarzer also eigentlich, dass sie denkt, es wäre so einfach?
Oder denkt sie das gar nicht, ist aber allgemein auf Russlands Seite? Immerhin konnte sie Putin schon 2014 verstehen, als er die Krim eingenommen hat. – So WTF???

Islamfeindlichkeit & Rassismus

Das sollte jede*m mittlerwiele bekannt sein. Schwarzer ist gegen den Islam, sie verteidigt ihre Meinung immer wieder, dass die Religion die Frauen unterdrücken würde, gerade das Kopftuch. Aber seien wir mal ehrlich, keine der großen Weltreligionen behandelt Frauen anständig.
Ich stehe der Vollverschleierung auch kritisch gegenüber, weil ich mich da schon frage, wie weit das eigener Wille ist. Aber ich bin ehrlich, ich habe mich noch nie mit einer Muslima unterhalten, die sich voll verschleiert. Die Muslima, die ich kennen lernen durfte in meinem Leben habe das Kopftuch einfach getragen und waren dennoch eigenständige, starke Persönlichkeiten. Nicht einmal habe ich eine kennengelernt, bei der ich das Gefül hatte sie würde super stark unterm Pantoffeln des Islams stehen. Mag sein, dass es wie bei alen Religionen anders aussieht, je konservativer es wird. Aber wie geschrieben, das ist halt bei allen so.
Für Schwarzer steht aber außer Frage, dass der Islam das Sinnbild des Patriachts ist und der Teufel überhaupt. Sie spricht jeder Muslima ab, ein Kopftuch wirklich aus freien Stücken zu tragen. Ihre Islamfeindlichkeit geht soweit, dass sie mit Pegida angebandelt hat und sie hat insgesamt 3 Bücher dazu geschrieben. Ganz schön viel „Dagegen“ sein, wenn es beim Feminismus doch eigentlich um Gleichberechtigung und freie Entscheidung gehen sollte.

Viele kleine Lügen

Ok, nicht viele kleine, aber schon ein paar und darunter auch eine ganz schön Große. Wer sich ein bisschen mit Schwarzer auseinander setzt hat definitiv ihren Steuerhinterziehungsfall mitbekommen. Ich sehe Steuerhinterzeihung nicht als Kleinigkeit an, denn im Grunde werden alle anderen Steuerzahler*innen beklaut. Das gerade eine Schwarzer, die das Gesicht einer Bewegung für Gemeinschaft war, eine große Gemeinschaft hintergeht und zwar aus völlig egoistischen Gründen ist schon harter Toback.
Versteht mich nicht falsch, auch Feminist*innen dürfen Fehler machen, auch sie dürfen gute und schlechte Eigenschaften habe. Nur gerade hierbei finde ich das nicht etwas, was ich einfach so durch gehen kann. Wie gesagt ist es keine Kleinigkeit (again – meine Meinung).
Dann wäre da noch diese Stern-Titelschlagzeilen-Geschichte. 1971 brachte der Stern einen Artikel über insgesamt 374 Frauen, die abgetrieben haben sollen heraus, also gegen ein Gesetz verstoßen haben (sollen). Mit der Aktion wollte Schwarzer (und andere Feministinnen) gegen den Paragrafen 218 des Strafgesetzbuchs ankämpfen. Gute Aktion, gilt heute noch als Meilenstein der deutschen Frauenrechtsbewegung.
Nur, dass Schwarzer und einige andere der Frauen nie eine Abtreibung hatten. Das ist halt krass. Hätte Schwarzer die Aktion nicht durchführen können, ohne zu lügen? War es zu aufwendig tatsächlich genug Frauen dazu zu bekommen öffentlich zu der Abtreibung zu stehen? Oder wollte Schwarzer einfach sich selbst nur wieder in den Mittelpunkt rücken? Hauptsache Schweinwerfer alle auf sie.

Die Doppelmoral

Schwarzer hat eine fast schon irrwitzige Doppelmoral.
Fangen wir mit dem Thema an, was vlt noch einige nachvollziehen können, aber dennoch Doppelmoral ist.
Schwarzer hat sich, auch hier wieder zurecht, gegen die Beschneidung bei jungen Mädchen ausgesprochen. Die Beschneidung gehört tatsächlich abgeschafft, ohne wenn und aber.
Gleichzeitig sieht sie es bei Jungen aber als völlig in Ordnung an, denn sie sind noch klein, der Eingriff ist nicht so schlimm. Dennoch ist es ein Eingriff, der medizinisch nicht notwendig ist und ohne die Zustimmung des Jungen geschieht. Das Thema ist kontrovers, das verstehe ich und gerade deshalb finde ich es macht es sich Schwarzer zu einfach wenn sie sagt es ist bei Jungen schon ok.

Was ich interessanter finde ist ihr Ansatz im Bereich der Sexarbeit und BDSM. Prositution sieht sie als eine Art Sklaverei an. Den Vergleich finde ich schon ziemlich heftig. Ich habe mich ja selbst vor nicht allzulanger Zeit genau mit dem Thema Sexarbeit beschäftigt. Ich weiß also wie zweischneidig die Sache ist. Aber auch hier spricht Schwarzer Frauen (in dem Fall Prostituierten) wieder generell ab eine eigene Entscheidung treffen zu können.
BDSM verurteilt sie ebenfalls, als Unterdrückung der Frau. Das es gerade in dem Bereich viel mehr Absprachen und Consent gibt, als bei anderen Sexualpraktiken verkennt Schwarzer völlig. Dafür findet sie aber 50 Shades of Grey gut, die Frau „unterwirft“ sich ja letztendlich doch nicht. Das Buch romantisiert ja nur toxische Beziehungen, aber was solls.

Jetzt noch eine Terf

Feminismus setzt sich für Gleichberechtigung ein, sollte das auch für alle machen. Aus meiner Sicht müssen wir dazu ersteinmal die Rechte vonden Gruppen stärken, die am kleinsten sind und nach und nach alle auf ein Level ziehen. Das ist mein Verständnis von Feminismus.
Daher kann ich gelinde gesagt nur Stirnrunzeln über die sogenannten Terfss (Trans Exlusiv Radical Feminisim), der auch J.K. Rowling angehört und eben Aliche Schwarzer. Stell dir vor du bist Teil einer Bewegung gegen Unterdrückung und dein Hauptgegner ist dabei eine Gruppe von Menschen, die nochmehr unterdrückt werden als du selbst. macht nciht viel Sinn, oder? Aber genau das ist bei Terfs so.
Dabei ist es lediglich Transfeindlichkeit. Und das Schwarzer eine ist, das hat sie spätestens in den letzten Monaten bewiesen. Zwar hat Schwarzer und die „Emma“ in den 80er Transfrauen noch Wilkommen geheißen, aber jetzt wo es immer mehr in den Vordergrund rückt sieht Schwarzer eine Gefahr darin. (Wo ist sie bitte falsch abgebogen?) Nicht nur, dass die Emma einen Artikel gegen die Grünen-Politekerin Tessa Ganserer raus brachte, in dem sie misgendert wurde, mit dem Deadname angesprochen wurde, damit nicht genug. Am 30.März – und damit einen Tag vor dem International Transgender Day of Visibility (Zufall?) – veröffentlichte Schwarzer „Transsexualität: Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? – Eine Streitschrift“.
Ich habe das Buch nicht gelesen, aber die Beschreibung, die alleine schon vor transfeindlichen Begriffen und Klischees trotzt, reicht mir da auch schon. Schwarzer versteht halt nicht, dass es bei Transsexualität nicht darum geht irgendwelchen Geschlechterrollen zu entsprechen. Wenn sie sich wirklich damit beschäftigt hätte, dann hätte sie gemerkt, dass gerade Transmenschen sich sehr viel mehr mit dem Unsinn von Geschlechterklischees beschäftigen, als das CIS Menschen machen. Für sie ist die Vorstellung, dass Frau sein eben mehr ist als das was zwischen deinen Beinen ist, einfach nicht begreifbar. Das sie dann ein Buch genau dazu veröffentlicht ist halt ziemlich Banane. (Ich kann langsam nicht mehr, die Frau macht mich fertig 😀 ). Das es veröffentlicht wird, ohne viel Gegenwind ist schon sehr fragwürdig. Bringt Schwarzer mit ihren Kontroversen so viel Geld? (Das Amazon es als LGBT+ Buch einordnet ist dabei nur noch die Kirsche auf dem Hohn-Sahne-Haufen).
Dabei schießt Schwarzer immerhin fast gleichermaßen gegen Transmänner und Transfrauen. Frauen wie Tessa Ganserer erschleichen sich ihren Platz und stellen eine Gefahr für Cisfrauen dar, da sie sich z.B. auch in Safe Spaces wie Toiletten „reinschleichen“. Ich mein, ich weiß ja, dass einige Männer viel tun um Frauen zu belästigen, aber ich denke ihre toxische Männlichkeit ist dann doch zu groß, als dass sie dafür so tun würden als wären sie Trans. Transmänner dagegen wollen ja nur Männer sein, weil sie sich mit den Genderklischees der Frauen nicht identifizieren würden. Hat Alice Scharzer den jungen Generationen mal zugehört, die gerade alle mölichen gendernormen abschaffen wollen? Glaube nicht, dann würde sie merken, was für ein Bullshit das ist.

Schwarzer und die Bild – Hauptsache der Rubel rollt

Schwarzer und die Bild – das ist so eine Verbindung, die dürfte es doch gar nicht geben. Ich glaube hier kommt wieder ihre Doppelmoral zum Anschein. Während sie einerseit immer wieder Frauen dafür verachtend begenet, wenn sie etwas tun was aus Schwarzers Sicht das Patriacht nur stützt, macht sie es mit ihrer immer wieder erneuten Zusammenarbeit mit der Bild ziemlich häufig selbst. Sexarbeit ist zwar Skalverei, und Pornograpie abzulehen, aber wenn die Bild Schwarzers Artikel im gleichen Heft wie die „Wetter-Dame“ abdruckt, ist das wohl in Ordnung. Müsste eine Frau Schwarzer mit ihren Moralvorstellungen nicht genau das ablehnen und dann eben nicht bei der Bild veröffentlichen? Aus Prinzip schon?
Wird wohl vergessen, sobald es genug gibt, die es lesen, es genug Geld gibt und Schwarzer sich profilieren kann, während die Bild mal wieder eine schön reißerische Schlagzeile hat. Doppelmoral und so, ne?

Frauenhass??

Das Alice Schwarzer Männer jetzt nicht so super findet wissen wir glaube ich alle. (Wobei, sobald Geld fließt scheint es ja egal). Aber Frauenhass? Ist das jetzt nicht ein bisschen weit hergeholt?
Ist zwar schwierig, aber eigentlich – Nö.
Wie ich immer wieder betont habe spricht Alice Schwarzer es anderen Frauen ab, eine Entscheidung, die sie nicht gut findet, diese aus freien Stücken zu treffen. Seien es Muslima, Prosituierte, Akt-Models, Transmenschen, Hetrosexuelle (Ja, Schwarzer spricht von einer Zwangsheterosexualität – als ob ich straight wäre, wenn ich eine Wahl hätte – lol). Als ob wir alle so super leicht beeinflussbaren wären und nur sie, als die Eine hat es erkannt und will uns jetzt befreien. Aber halt nur, wenn wir wie sie denken.
Ist es daher von mir wirklich zu weit hergeholt zu sagen sie ist misogyn, wenn sie es einem Großteil von uns nicht zutraut selbst zu denken?

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Schwarzer
https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_haben_abgetrieben!
https://www.emma.de/artikel/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463
https://www.tagesschau.de/inland/offener-brief-schwarzer-101.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Emma_(Zeitsch
rift)

Immer wieder stoße ich bei feminstischen Diskussionen auf das Thema Sexarbeit und die sehr unterschiedlichen Ansichten vieler Feminist*innen und allen die sich irgendwie mit dem Thema beschäftigen. Ich habe versucht mir eine eigene Meinung zu bilden und bin auf viele Für und Wider gestoßen. Es ist nicht alles schwarz, nicht alles weiß und eigentlich passt auch Grauzone nicht richtig. Sexarbeit ist vielfältig, auch wenn die meisten wohl automatisch an Prostitution denken.

Es gibt grob gesagt zwei Auffassungen. Die einen sagen selbstgewälte (das ist wichtig!) Sexarbeit ist ein normaler Beruf und kann für einige empowernt sein.
Die anderen sagen es spielt den patriarchischen Strukturen in die Hände und stärkt das Patriarchat. Schließlich kauft in der Regel ein Mann eine Frau, so die Meinung.
Die Diskussion ist nicht nur eine um Sexarbeit, sondern um Sex generell. Wie befreit sind wir? Wie eingeschränkt sind wir? Das ganze Thema ist so komplex, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich dem in einem Blog Beitrag wirklich gerecht werde, aber ich gebe mir Mühe. Das heißt aber auch, dass das hier etwas länger werden könnte.

Was umfasst Sexarbeit

Wie bereits geschrieben, Sexarbeit ist viel mehr als „nur“ Prostitution, sondern wie der Name schon sagt, ist damit jegliche sexuelle Dienstleistung, die gegen Entlohnung erbracht wird, gemeint. Also Pornodarsteller*innen, Stripper*innen, Aktmodels (also wie bei Onlyfans) und viel mehr. Die Hauptdiskussion bezieht sich aber auf Prostitution.

Besonders hervorheben möchte ich hier Sexualbegleiter*innen. Diese bieten genau wie Prostituierte sexuelle Handlungen an, der Fokus liegt aber eher auf Personen, die es schwerer haben Beziehungen einzugehen. Die Dienstleistung richtet sich meist an Menschen mit Behinderung, in Anspruch nehmen kann es aber jede*r. Der Unterschied ist hier, dass beide Parteien offen darüber kommunizieren, was geht und was nicht und niemand die Oberhand hat. Es geht viel mehr um die Nähe, als um einfach Rein/Raus Sex und es gibt (so die Idealvorstellung) kein Machtgefüge.

Kritik an Sexarbeit / Prostitution

Eines der ersten Argumente gegen Prostitution ist, dass es ein sehr patriarchales Konzept ist und gerade hierbei Frauen als Objekte angesehen werden, als kaufbar. Ich persönlich kann dieses Argument kaum unterstützen, verstehe aber wo es her kommt und ganz falsch ist es nicht. Gerade Männer, die Frauen für Sex bezahlen sehen diese Frauen tatsächlich als Objekte an. Liest man z.B. einige Bewertungen in Foren (das es sowas gibt ist schon perfide genug), dann kann einem nur schlecht werden. Da schreibt dann z.B. ein Mann, dass die Frau abwesend, wirkte, als ob sie sich zwingen müsste. Anstatt das aber als Zeichen zu sehen, dass sie wahrscheinlich tatsächlich dazu gezwungen wird bewertet er sie einfach lapidar mit weniger Sternen. „2 von 5 Sternen, weil sie hat es gemacht, war aber nicht begeistert.“ Solche Haltung ist schon ziemlich zynisch und ja, da kann ich verstehen, dass Leute da n sagen, dies ist Patriarchat in Reinform.
Was mir bei diesem Argument fehlt ist allerdings eine erweiterte Sichtweise. z.B sind nicht nur Frauen Prostituierte, nicht nur (Cis) Männer sind Freier. Zum anderen schwingt in diesem Argument direkt noch mit, dass einige radikale Feminist*innen generell der Meinung sind heteronormativer Sex sei generell patriarchalisch und damit von Feminist*innen abzulehnen, einige gingen dabei soweit zu sagen, dass alle Feministinnen lesbisch sein sollten. Für mich geht das zu sehr gegen die sexuelle Selbstbestimmung und klingt zu sehr danach, als wenn man sich die Sexualität aussuchen könnte (glaubt mir, kann man nicht, als ob ich dann hetero wäre), also genau das was auch homofeindliche A*schl*ocher sagen.

Für mich die Hauptargumente gegen Prostitution (und gegen Pornographie) ist die Ausbeutung und Ausnutzung, hauptsächlich von Flinta*. Vielen bleibt oft keine andere Wahl, weil sie kaum andere berufliche Chancen haben. Gerade bei Migrant*innen ist das leider oft der Fall. Dazu gibt es viele Verschleppungen und Zwangsprostitution. Dahinter steckt eine wahre Industrie, die sich darauf spezialisiert hat (hauptsächlich) Frauen aus anderen (ärmeren) Ländern nach Deutschland zu locken, zur Prostitution zu bringen (also zwingen) und an ihnen zu verdienen. Oftmals z.B. wird den Frauen eine liebevolle Beziehung vorgetäuscht, gelockt mit Umschmeichlungen und Geschenken und späteren Gasligting „Wenn du mich liebst, machst du das“ gefügig gemacht. Hilft das nicht kommt noch Gewalt und Erpressung dazu. Als wenn das nicht schon verachtungswürdig genug ist lasse sich diese Menschen immer neue Strategien einfallen und nutzen dabei hauptsächlich die Not aus, in der sich die Opfer befinden. Selbst der Ukraine Krieg wird dafür ausgenutzt. Es wird zu den Grenzen gefahren oder an deutschen Bahnhöfen auf Flüchtende gewartet, ihnen wird Hilfe versprochen, der Pass abgenommen und sie werden zur Prostitution gezwungen. Ja, Menschen sind scheiße.
Die Opfer empfinden es mit Sicherheit nicht als Empowerment und es hat auch nichts mit Emanzipation zu tun. Die Menschen die die Notlage anderer so dermaßen ausnutzen die haben jegliche Menschlichkeit schon lange verloren.
Es gibt auch selten einen Ausweg daraus, denn die Macht ist dabei zu groß. Und unserer Gesetzt schützt diese Opfer nicht, obwohl es sich hierbei um Menschenhandel handelt.

Was für Sexarbeit / Prostitution spricht – Kritik an einem reinen Verbot

In Deutschland ist Prostitution unter Regeln erlaubt, in Schweden ist es dahingehend verboten. Viele Aktivist*innen fordern auf Grund der o.g. Argumente (die noch viel tiefgehender sind, aber wie gesagt Blogbeitrag und so) eine Umstellung auf das nordische / schwedische System. Nach diesem Prinzip ist Sexkauf verboten, im Gegensatz aber z.B. zu der USA, werden hier nicht die Prostituiert*innen zur Strafe gezogen, sondern die Freier und die, die die Prostitution unterstützen und von ihr profitieren. Dies sollte zum einen die eigentlichen Nutznießer (also Freier*innen und Zuhälter*innen) in die Verantwortung nehmen, aber auch die Flinta* schützen. Nachdem ich eine Doku darüber gesehen habe (Link kommt unten bei den Quellen) bezweifle ich aber sehr stark, dass das Ziel wirklich erreicht werden konnte. Prostituierte berichten, dass sie das Geschäft in Privatwohnungen verlegen mussten, sie also meist mit den Freier*innen alleine sind, die Auswahl auf der Straße muss schneller getroffen werden, aus Angst, dass man erwischt wird. Zwar werden die Prostituierten nicht mehr bestraft, aber sie wollen natürlich dennoch ein Geschäft machen. Strafe ist für sie der Wegfall nicht nur eines Kunden, sondern im schlimmsten Fall aller. Mit dem Komplettverbot hatten viele einfach keinen Job mehr. Stell dir vor du dürftest deinen Büroberuf nicht mehr ausüben, weil andere Firmen der gleichen Branche ihre Mitarbeiter*innen ausgebeutet haben (ja, passiert auch im Westen), aber dir ging es bis dahin gut. Blöde Vorstellung oder? Natürlich ist das überspitzt und sehr vereinfacht, denn Sexarbeit ist eben kein Bürojob.
In Schweden sagen einige der Prostituierte, dass es jetzt auch gefährlicher wurde, weil es kaum noch wirkliche Kontrollen gibt. Tatsächlich ist die Polizei für diese Fälle eher unterbesetzt. Und auch in Schweden kommen täglich Menschen aus Osteuropa an, die dann kaum eine andere Wahl haben, aber auch das nicht richtig ausüben können. Andere Jobs gibt es kaum. Helfer*innen, die Ausstiegsmöglichkeiten anbieten wollen, können meist nur ein Flugticket ins Heimatland anbieten.

Dazu kommt dass es auch Prostituierte gibt, die den Job sehr gerne machen und ihn ausleben möchten, ohne Stigmata, ohne Verbot. Im Verhältnis zu denen die auf die ein oder andere Art gezwungen sind (ob nun durch Umstände wie Armut oder durch andere Menschen) ist deren Anteil aber gering. Es gibt sie dennoch. Weil es ihnen Spaß macht, weil sie gerne ihr Geld damit verdienen. Zu sagen, dass das gar nicht sein kann halte ich für ziemlich eingeschränkt und entspricht mehr dem Patriarchat, als die Tätigkeit. Denn hier wird nur wieder der Aberglaube aufgewärmt, dass Flinta* gar nicht gerne Sex haben, die Sexualität von allen, die nicht Männlich sind wird geradezu verleugnet und wieder mal mit Scham belastet. „Du bist kein Mann? Dann findest du Sex ja doof, also kannst du den Job doch gar nicht gut finden.“ Und wie gesagt gibt es ja auch Männer die als Call Boys, Gigolos etc. arbeiten.

Auch die oben bereits erwähnten Sexbegleiter*innen könnten negativ von einem solchen Verbot beeinflusst werden. Zum Beispiel könnten sie auch darunter fallen und somit würden sie ihren Job verlieren. Bei einem kompletten Verbot würde das auch Menschen treffen, die ohne Sexualbegleiter*innen keine andere Möglichkeit haben, den Zugang zur Deckung eines Grundbedürfnisses entziehen. Sollten sie eine Ausnahme erhalten kann ich es mir durchaus vorstellen (reine Spekulation meinerseits), dass sie dann viel mehr Kund*innen bekommen, die den eigentlichen Sinn ignorieren, also die Beidseitigkeit wegfallen lassen wollen.

Die Frage ist – wen müssen wir schützen? Die Mehrheit die unter Zwangsprostitution leidet oder die Minderheit, die den Job gerne machen? Lässt sich ein Mittelweg für alle finden?

Empowerment oder doch eher White Feminisim?

Die großen Verfechter*innen von Sexarbeit in jeglicher Form sieht diese als Empowerment und Emanzipation. Eine Chance Macht über sich, seinen Körper zu haben. Und ich kann mir das gut vorstellen. Sie haben die Kontrolle über ihren Körper und was damit passiert (im Idealfall). Das gefällt zwar einigen nicht und so werden Flinta* die selbstbewusst sich für Sexarbeit entscheiden oftmals beleidigt, während die gleichen Leute es feiern, wenn Nachtbilder unfreiwillig geleaked und veröffentlicht werden. Und da wären wir wieder bei den allgemeinen Machtstrukturen. Es ist für viele halt geiler, wenn sie Macht über eine Person ausüben können, als wenn die andere Person Macht über sich selbst hat.
Mir kam zu dem Thema ein Gedanke auf. Zwar finde ich es wichtig, dass Sexarbeit nach und nach enttabuisiert wird und wer Jobs in der Sexindustrie ausüben möchte soll das bitte auch tun dürfen, aber in all dem wird tatsächlich, und da muss ich den radikalen Feminist*innen Recht geben, außer Acht gelassen, dass die meisten das nicht gerne tun. Die, die gerne es tun und eben als empowernd empfinde, dass sind hauptsächlich weiße CIS, Heterofrauen aus dem Mittelstand, aus dem Westen. Sie wurden nicht aus ärmeren Ländern nach Deutschland gelockt, sind nicht vor Krieg geflohen, sie haben eine Wahl. Eine Wahl, die viele nicht haben. Der White Feminisim unterläuft häufig der Fehler die Probleme von Flinta*, die mehr benachteiligt sind als sie selber, nicht zu sehen, nicht sehen zu wollen, als nicht wichtig anzusehen, ja sogar als störend zu empfinden, denn plötzlich geht es nicht mehr um die eigenen Probleme, sondern um die der anderen. Dabei soll gerade der Feminismus die stärken, die weniger Rechte haben. Sprich alle auf ein gleiches Level heben. Das kann aber nur passieren, wenn wir denen, die weniger haben dabei unterstützen dem zu entfliehen, ihnen die gleichen Rechte und Möglichkeiten einräumen, die wir schon haben. Und das geht halt nicht, wenn wir Sexarbeit ohne weiteres hinterfragen einfach so feiern. Als (intersektionale) Feministin muss ich zu Erst schauen, dass ich die Rechte der anderen stärke, ehe ich auf mein eigenes Empowerment blicken kann. An Strukturen festhalten, die andere benachteiligt, nur weil ich zufällig von ihnen profitiere ist halt nicht feministisch.

Jedem sollte sein Job gefallen, aber gerade Sexarbeit sollte nur dann gemacht werden, wenn man es wirklich will und nicht als einziger Ausweg aus Armut oder aus Zwang. Aber ist ein kompletter Verbot wirklich die Lösung? Ich denke eher nein, auch wenn ich den Ansatz des schwedischen Modells Freier*innen und Zuhälter*innen in die Verantwortung zu ziehen, statt der Prostituierten, als den besten Ansatz sehe. Zwangsprostitution und Verschleppung hat das m.A. nach aber nur bedingt was entgegen gebracht.
In Deutschland hat man es auf andere Weise versucht und einen Papier- und Verwaltungsakt draus gemacht, kontrolliert wird aber auch hier nicht wirklich. Es gibt schon Verbände für Sexarbeit, die müssen da m.M. mehr mit einbezogen werden.
Ein Mittel um zumindest die aus Armut resultierende Sexarbeit einzudämmen sind da die Öffnung des Arbeitsmarktes für Einwander*innen und Flüchtlinge, denn wer offiziell nicht arbeiten darf ist gezwungen anders Geld zu verdienen und die Anhebung des Mindestlohnsatz und leichterer Zugang zu staatlichen Zuschüssen.
Ich habe einmal sehr naiv darüber nachgedacht, ob es nicht eine Art „Gütesiegel“ für Prostituierte geben könnte. So eine Art TÜV. Und nur wer das (egal ob Freiberuflich oder der Puff) darf dem nach gehen. Und wenn Freier*innen das nicht prüfen und eben zu Prostituierten ohne Siegel gehen werden sie bestraft (nicht die Prostituierten). Ich hab ja gesagt, super naiv und kann bestimmt auch ausgenutzt werden, aber ich fände es dennoch gut, wenn es einmal im Leben so einfach wäre (Ist es aber nicht).
Auch müssen mehr Ausstiegsprogramme angeboten werden und dabei darf es nicht die einzige Lösung sein, dass man sie abschiebt und in das Land, aus dem sie geflohen sind (oder verschleppt wurden) zurück schickt, wenn sie das nicht wollen. Das Problem hierbei ist nämlich, dass die Gefahr durchaus besteht, dass sie den gleichen Täter*innen in die Hände fallen wie zuvor auch und dann wieder feststecken. Es ist ein Teufelskreis.

Ich merke selber, dass ich mich zumindest in der Diskussion, selbst im Kreis drehe. Sexarbeit wenn wirklich 100% freiwillig, ja, bitte, macht. Zwanghaft, besonders in Verbindung mit Menschenhandel, ist aber auf keinen Fall zu erdulden. Und wie soll sichergestellt werden, dass die eine an der Ecke da jetzt wirklich steht, weil sie will und nicht weil ein breitschultriger Glatzkopf an der nächsten Ecke sie beobachtet und bedroht? Wer kontrolliert, ob es aus Geldnot getan wird oder weil man eben damit am liebsten Geld verdienen will? Wäre dann ein Mindestsatz für Prostitution eine Idee? Alles was unter 100€ die Stunde ist ist strafbar? Zumindest wäre es ein Indiz für Freier*innen, die so gerne die Augen verschließen („wirkte lustlos“), aber das würde am Ende nur wieder den Luden zu Gute kommen.

Es ist ein wirklich schwieriges Thema und eben nicht einfach schwarz/weiß mit einfachen Lösungen.

Quellen:
https://www.sexualbegleitung.com/
https://www.gender-nrw.de/sexarbeit/

Doku – ZDFzoom – Deutschland und der gekaufte Sex:

Disclaimer: An den Stellen, an denen ich Frauen / Männer benutze habe ich das bewusst so gemacht, weil es in häufiger diese Gruppen betrifft. Solltet ihr finden, dass es an dieser oder jenen Stelle falsch war, dann lasst uns gerne darüber reden. Austausch ist immer gut. 😊 Und nein, ich weiß nicht ob und wie man Prostituierte gendert und bei Freier*innen bin ich mir auch nicht sicher ob das so stimmt. Auch ich lerne immer wieder.

Es tut mir im Herzen, in der Seele weh, aber ich muss es sagen. Die neue Hulu Serie Pam & Tommy (in Deutschland auf Disney+ zu sehen) ist eine Katastrophe. Und dabei hatte ich mich sehr darauf gefreut. Sebastian Stan als Tommy Lee? Hallo, yes, please! Die Promobilder sahen auch alle vielversprechend aus, Sebastian sah gut aus, Lily James als Pamela Anderson auch. Als dann der Trailer kam dachte ich, naiverweiser, dass sie wirklich Pamela Anderson eine Art Gerechtigkeit geben, eine Abrechnung damit wie damals Mitte der 90er sehr viele, eigentlich alle, Menschen mit ihr umgegangen sind.

Dann stieß ich auf einen Buzzfeed Artikel, in dem es nicht nur hieß, dass weder Anderson, noch Lee der Produktion zugestimmt haben, sondern auch, dass es Andersons damaliges Trauma erneuerte. Ich war ein bisschen erschüttert und wurde sehr rasch aus meiner Traumblase geholt, dass sich vlt doch endlich was in der Medienlandschaft ändert. Aber ich hatte auch Zweifel. Denn wer kommt denn 2021/2022 noch auf die Idee eine Serie, in der es um Verletzung der Privatsphäre geht darauf genau bei diesem Thema die Leute nicht nach dem Einverständnis zu fragen, die es damals so stark betroffen hat. Da kann doch niemand so blind gewesen sein und ernsthaft gedacht haben, dass das so in Ordnung ist. Ja, nicht nur in Ordnung, sondern, dass man den damals Beschädigten damit tatsächlich eine Art Gefallen tun würde. Ohne Scheiß, denn so stellen Hulu und Lily James es da.

ch hab dann erst mal versucht heraus zu finden, was nun stimmt und was nicht. Da die Aussage, dass Andersons Angst vor einer erneuerter Traumatisierung hat, von einer nicht benannten „Quelle“ aus Andersons Umfeld stammt kann man hier nicht sicher sagen was stimmt. Aber was sicher ist, ist, dass sie weder auf Hulus, noch auf Lily James Anfragen reagiert hat. Es gibt jetzt tatsächlich einige, die würden sagen „Naja, nix sagen ist halt kein nein“. Wenn ihr so denkt – sagt euch der Begriff „Nur ein Ja ist ein Ja“ etwas? Solltet ihr euch jemals mit dem Thema Consent beschäftigt haben, dann solltet ihr das kennen. Und wenn ihr da anderer Meinung seid, dann kann ich euch auch nicht mehr helfen. Denn Consent und Zustimmung sollte man meiner Meinung nach nicht nur bei sexuellen Handlungen einholen. Gerade bei diesem Thema wäre eine eindeutige Zustimmung angebracht gewesen, um es wirklich respektvoll behandeln zu können.
Aber ok, sie hat halt nicht nein gesagt. Was sie aber gesagt hat ist, dass sie nichts mit dem Projekt zu tun haben will, sie will mit niemanden darüber reden, sie will es nicht sehen und sie will auch nicht, dass ihre Kinder es sehen. Immer noch kein nein? Ich finde es sehr deutlich.

Klar, auch hier hat sie nicht nein gesagt, aber warum sollte sie? Und selbst wenn, hätte es was gebracht? Gerade durch den damaligen Sex-Tape-Skandal, um den es in der Serie nun mal geht, aber auch durch viele andere Erfahrungen, hat man Pamela Anderson immer wieder gezeigt, dass ihr Nein nicht gilt, dass niemand sich darum schert was sie will und auch niemand darauf Rücksicht nimmt, ob ihr das gerade schaden könnte. Wieder einmal, genau wie in den 90ern, machten Menschen mit ihrem Trauma und ihrem Privatleben Geld. Sogar ein Gericht hatte damals entschieden, dass die Veröffentlichung (und der Verkauf) des Videos völlig legitim wäre, da sie und Tommy Lee eben Personen der Öffentlichkeit sind. Und nach so einer Erfahrung soll sie immer noch denken, dass die Leute auf sie hören und Rücksicht nehmen? Ich hätte an ihrer Stelle auch einfach keine Lust und Kraft mehr und würde mich auch so weit wie möglich davon entfernen wollen.

Ich befürchte halt auch, dass Hulu die Serie trotzdem gedreht hätte. Es lässt sich schließlich sehr viel Geld damit machen. Dazu hat man zwei Schauspieler*innen, die aktuell „der heiße Scheiß sind“, da ist es doch egal, wenn es einige Gegenstimmen gibt, Sebastian Stan mit längeren Haaren und Nippelpiercings wird es schon richten.

Hat ja auch, zumindest bei mir, gut funktioniert. Die Kritik an der Serie ist dann doch schon älter als ich wusste, aber in der „Sebastian Stan Fan Bubble“, in der ich mich halt so als Fangirl bewege, kam die wirklich nicht auf. Jetzt erst bekomme ich Kritik dazu in den Social Media Kanälen angezeigt. Meine Feminismus Bubble, die mich sonst sehr zuverlässig auf Dinge hinweist, hat hier extrem versagt.

Nach längerem Überlegen habe ich mir die ersten drei Folgen der Serie dann doch angeschaut, wobei ich nach 1,5 Folgen eigentlich schon wieder ausmachen wollte.

Ist die Serie gut? Ja, irgendwie. Auch irgendwie unterhaltsam. Sie ist gut produziert, die Schauspieler sind durchweg gut. Es wirkt alles unfassbar übertrieben, wie eine Comic-Karikatur. Könnte ich lustig finden, wenn halt die Kritik nicht wäre. Und das es überspitzt ist und durch z.B. Szenen in denen Tommy Lee Selbstgespräche mit seinem Penis führt (also mit einer Penis Prothese, die sich auch bewegt…ich weiß nicht warum) kann ich darüber nicht hinweg sehen. Gerade die zweite Folge ist so unfassbar cringe, dass es weh tut. Tatsächlich nicht mal wegen diesem sehr absurden Penis Gespräches, sondern auch oder vor allem wegen der Darstellung von Pamela Anderson und der Beziehung von den Beiden. Das wird also unter respektvoll verstanden? Ein Opfer, nicht nur von Beraubung der Privatsphäre, sondern auch von Missbrauch, (sexueller) Gewalt und Vergewaltigung (denn das alles ist Pamela Anderson) so übertrieben, ja fast schon komisch darzustellen ist halt einfach falsch. Zum Glück wird Tommy Lee nicht wirklich als sympathisch porträtiert, aber ihre Beziehung dennoch romantisiert. So ein bisschen wie in einigen Büchern mit dem Trope, er (der Böse) ist zu allen mies, außer zu ihr (die etwas hilflose Prinzessin). Die Problematik der ständigen Grenzüberschreitung, des Love Bombing und einige andere Red Flags werden meiner Meinung nach nur schwer deutlich. Wohl nur für die Leute, die wissen wie die Beziehung damals aus ging. Ich hätte mir an der Stelle mehr Ernsthaftigkeit nicht nur gewünscht, ich hätte sie erwartet. Besonders halt, wenn man sagt man will Pamela Anderson Respekt zollen, sondern auch ihr eine Wiedergutmachung geben. Das haben die Macher ziemlich verfehlt. Und gerade weil sie das vorher so angekündigt haben finde ich muss es auch sehr scharf kritisiert werden. Wer sich an feministischen Themen bereichern will muss eben sicher sein, dass es wirklich feministisch ist.

Ich frage mich halt, ob irgendjemand in dem Projekt mal darüber nachgedacht hat, dass das so nicht richtig sein kann. Hat Sebastian Stan sich wirklich damit beschäftigt? Hat Robert Siegel überlegt, ob es so klug ist eine Serie auf einen einzigen Zeitungsartikel aufzubauen? Hat Lily James jemals darüber nachgedacht, dass sie ohne Pamela Andersons zu tun ihren eigentlichen Charakter nicht wirklich gut darstellen kann? Denn das ist halt nicht passiert. Die dritte Folge macht zwar einiges besser, als die zweite, in dem Moment als die Figur Pamela erklärt, dass Jane Fonda ihr Vorbild ist – und ja, Jane Fonda war damals schon ziemlich toll und ist es bis heute, aber das war auch der einzige Lichtblick.

Momentan werden viele Filme und Serien herausgebracht, die diverser sind als früher, es werden vermehrt kritische Themen angefasst und man hatte zwischendurch das Gefühl es gehe in die richtige Richtung. „Pam & Tommy“ geht in dieser Entwicklung leider mehrere Schritte zurück. Und das schlimme ist, dass es vermarktet wurde, als würden sie nach vorne gehen. Und genau das ist für mich das wirklich Armutszeugnis.

Ja, lasst uns da mal drüber reden. Sprache ist das Kommunikationsmittel Nummer 1, egal ob geschrieben oder gesprochen. Man kann zwar auch ohne Sprache kommunizieren (schon Watzlawick sagte „Man kann nicht nicht kommunizieren“), aber die Sprache macht es doch einfacher und sie ist wichtig. Nicht nur, damit wir uns besser verständigen können, sondern sie prägt unser Denken und Handeln enorm.

Weil sie so wichtig ist, bin ich auch sehr ein Freund davon Sprache bis zu einem gewissen Grad zu zelebrieren. Ich liebe Sprachgeschichte, also wo welches Wort herkommt, ursprüngliche Bedeutungen und wieso wir die Worte so verwenden. Und ich finde es wichtig sich diese Ursprünge anzuschauen, um ein besseres Verständnis zu haben. Beschäftigt man sich mit der Sprache, dann merkt man auch was für einen Einfluss die Gesellschaft auf die Sprache und die Sprache auf die Gesellschaft hat und hatte.

Sprache zelebrieren heißt übrigens nicht, dass an ihr zwanghaft festgehalten werden muss, ein Wort muss nicht für immer in deinem Wortschatz bleiben. Sprache ändert sich, wandelt sich, nur eine tote Sprache tut das nicht.

Wenn man sich also mit der deutschen Sprache wirklich beschäftigt, dann merkt man eines – Sie ist in vielen Teilen nach wie vor rassistisch und antisemitisch. Es wird gerade aufgebrochen, es finden Diskussion darüber statt. Ich finde es gut und wichtig. Die bekanntesten Beispiele sind dafür wohl das N- & das Z-Wort.

Ehrlich gesagt wusste ich lange nicht, dass das Z-Wort nicht die tatsächliche Bezeichnung für Sinti & Roma ist. Ich habe immer an Esmeralda aus „Der Glöckner von Notre Dame“ gedacht und ja, ich habe mich zu einem Karneval auch so verkleidet, als Kind. Niemand hat da etwas gesagt, es als problematisch angesehen, im Gegenteil meine Familie hat alle Klischees ausgepackt die ihnen so einfielen und ich hab mich gefreut, weil ich bunt geschminkt war und geklingelt hab, sobald ich mich bewegt habe. Und dennoch, obwohl ich nichts wusste, also wirklich nichts, außer was mir Disney beigebracht hatte, war es mir gegenüber einem Klassenkameraden unangenehm, der von den Sinti & Roma abstammte. Er hat auch nichts gesagt, dennoch war es mir irgendwie peinlich. Mein kleines ich hat das damals also irgendwie schon gespürt, dass das doch nicht so cool war. Heute weiß ich auch warum und soweit ich mich erinnere habe ich danach nie wieder ein Kostüm einer anderen Kultur angezogen. Und weil ich damals wohl schon so ein Gespür dafür hatte, war ich auch sehr in Ordnung damit, dass ein Hersteller (wohl gemerkt Einer!) seine Sauce umbenannt hat. Tatsächlich habe ich dadurch erst wirklich gelernt, was es mit dem Z-Wort auf sich hatte. Aber viele andere haben sich sehr darüber aufgeregt und ich fragte mich ernsthaft warum.

Bei dem N-Wort und der früheren Bezeichnung für den Schokokuss genauso. Da irritiert mich die Aufregung nur noch mehr. Denn die Umbenennung zu Schokokuss war ungefähr zu der gleichen Zeit als Raider in Twix umbenannt wurde. Klar gab es da sicher auch Probleme bei der Umstellung, aber da wurde sich trotzdem niemand so sehr aufregen wie über den Schokokuss und vorallem heute nicht mehr. Aber warum ist das so? Ich habe da so eine Vermutung, da gehe ich später nochmal darauf ein.

Ich hatte ja gemeint, dass die deutsche Sprache antisemitisch sei. Wie komme ich darauf? Vor einiger Zeit habe ich auf Instagram einen Beitrag gesehen in dem genau das erklärt wird. Wir haben in die deutsche Sprache jiddische Worte übernommen, von vielen aber die Bedeutung ins negative umgedreht. Z.b. Ische wird im deutschen negativ verwendet, bedeutet aber eigentlich nur Frau, ohne Wertung. Schachern bedeutet lediglich Handeln, bei uns wird es aber mehr als unehrliches Geschäftemachen angesehen und mauscheln kommt von dem jiddischen Vornamen Moische, Mauschel oder Mosche. Es ist ein Vorname und wir Deutschen haben daraus was schlechtes gemacht. Somit wurde vieles jüdische direkt negativ behaftet, das falsche Bild des verschlagenden, gierigen Juden geformt und gestärkt. Solche Macht hat Sprache. Das die Nazis dieses falsche Bild genutzt haben und was passiert ist wissen wir (hoffentlich) alle. Dennoch nutzen wir diese Worte weiterhin in ihrem negativen Bedeutung.

Sprache hat sich also schon immer gewandelt und wird es weiter hin tun. Die Bedeutung von Wörtern hat sich geändert und wird es weiterhin tun. Es ist wichtig und daher finde ich es auch wichtig, dass wir darüber nachdenken, darüber reden. Wenn sich gewisse Wörter ins negative wandeln können, dann können wir die Bedeutung doch auch nochmal wandeln, wieder ins neutrale, vlt auch ins positive. Wir können mit Sprache Menschen integrieren, statt ausschließen und deformieren. Das alles kann Sprache.

Ok, ich spreche mich für einen Sprachwandel aus, möchte aber gleichzeitig auch Wörter komplett streichen? Ja, das möchte ich. Ich finde auch das muss so sein. Einige Wörter waren nämlich schon immer sogenannte Slurs (also Verunglimpfungen) und werden nach wie vor so genutzt. Da kann man das noch so verharmlosen in dem man Süßigkeiten danach benennt, die rassistischen Vorurteile werden nur weiter mit getragen und verstärkt. Es verletzt Menschen und das möchte man doch nicht. Das N-Wort wird nie gut sein. Einfach nein. Merkt euch einfach: es ist eine Beleidigung und hat damit nichts in unserem normalen Sprachgebrauch zu suchen. Noch viel schlimmer, es ist eine Beleidigung für eine bestimmte Gruppe, keine generelle (wie z.B. Arschloch, das kann jeder sein). Eine bestimmte Gruppe, die mit diesem Wort margninalisiert und entmenschlicht werden sollte. Wollen wir wirklich etwas essen, dass eine Beleidigung im Namen trägt? Es kommt natürlich auch immer noch darauf an, wer es sagt. Ich weiß das finden viele komisch, dass weiße das N-Wort nicht verwenden sollen, wenn schwarze es aber selbst verwenden, Rapper schön in ihre Texte verpacken und dann wird erwartet, dass der weiße Fan das nicht mit singt. Es hat was mit Empowerment zu tun. Das Wort, dass einen nieder machen sollte wurde genommen, vereinnamt und für sich mit Kraft gefüllt. Nutzt das jetzt jemand, der der Gruppe angehört, die für die Unterdrückung verantwortlich ist, dann nimmt es auch wieder die Kraft. Das gleiche gilt übrigens auch, wenn sich Frauen selbst als Bitch bezeichnen, das heißt nicht, dass Justus das nun auch einfach so sagen darf. Dazu wird es zu schnell und zu oft doch als Beleidigung genommen.

Warum aber fällt es einigen so schwer auf die Wörter zu verzichten? Ist es wirklich die Gewohnheit? Ja, Umstellungen sind schwierig, ich weiß das. Aber deswegen es direkt ablehnen? Das wäre so, als hätte man früher gesagt, man würde lieber das Plumpsklo draußen nutzen, statt drinnen die Toilette mit der Wasserspülung zu nutzen, weil das hat man halt immer schon so gemacht.

Liegt es daran, dass es für weiße da keinen Vorteil gibt? Denn Nachteile hat die Umstellung ja nicht, außer das man sich halt umgewöhnen muss. Schieben wir jetzt mal alle Leute beiseite die rassistische Arschlöcher sind (ich verschwende doch meine Zeit nicht Gründe für deren unmenschliches Verhalten zu finden). Ein Groẞteil der Leute die sich dagegen wehren sind bestimmt nicht absichtlich rassistisch, ich denke eher im Gegenteil. Viele gehen wahrscheinlich durch die Welt und sagen zu sich (und anderen) wie weltoffen sie sind, wie tolerant und halt gar nicht rassistisch, einige wählen bestimmt auch links (oder SPD), aber doch niemals sowas rechtes wie die AFD. Sie sehen den eingeschlichen Alltagsrassismus nicht. Und nun kommt jemand und erzählt ihnen, ihr Verhalten ist rassistisch. Das ist natürlich nicht schön zu hören, das passt halt so gar nicht zu dem Selbstbild, dass man von sich hat. Viele haben dann Angst direkt auf eine Stufe mit dem Nazi-Stefan gestellt zu werden, der mit ner Fackel durchs Dorf rennt. Und weil das niemand will (schon mal gut), werden halt händeringend Gründe gesucht, warum es nicht rassistisch ist dieses Wort zu benutzen. Da wird dann der schwarze Kollege rausgeholt, der kein Problem damit hat, mein Erlebnis zu Karneval hat ja auch niemanden geschadet und es werden sich andere Begründungen zurecht gelegt. Jede Erklärung ist gut genug, damit man nicht sich selbst in die Verantwortung ziehen muss. Und sei es, dass alle anderen eben zu sensibel sind. Alles Schneeflocken, ne Sibylle? Ich persönlich finde eher die Leute zu sensibel, die sich aufregen, weil sie gebeten werden keine Beleidigung mehr zu nutzen.

Es ist übrigens ein normales Verhalten, dass man sich selbst, vor allem nach außen, immer im besten Licht sehen will und so kann ich es auch bis zu einem gewissen Grad verstehen, dass sowas wie Selbstreflexion und Überdenken des eigenen Verhaltens nicht sehr angenehm sind, besonders wenn uns jemand anderes darauf hinweist. Es ist unbequem, aber für ein respektvolles Miteinander wichtig. Man muss tatsächlich verstehen, dass wir in Deutschland Rassismus so stark verinnerlicht haben, dass er unbewusst und ungewollt weiter verbreitet wird. Wer wirklich kein Rassist ist kann es auch schaffen das zu verstehen und sicher auch seine Sprache anpassen. Denn Sprache hat, wie schon erwähnt, eine ungeheure Macht.

Anfang Dezember 2021 äußerte sich SPD Politiker Pistorius dazu, dass Mord in Partnerschaften härter bestraft, Frauen besser geschützt werden müssen. Er bezog sich dabei auf die aktuellen Studien, die besagen, dass jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner ermordet wird. Pistorius will sich für härtere Strafen einsetzen. Und recht hat er. Ich hab, wie öfter bei solchen Berichten, mir ein paar Leser*innen Kommentare durchgelesen. Die meisten waren, ich kann es nicht anders sagen, sehr naiv. Also unfassbar naiv. Denn die meisten Kommentare gingen in die Richtung, warum denn das jetzt härter bestraft werden solle, Mord ist schließlich Mord. Grundsätzlich hätten die Leute damit Recht, aber Pistorius bezof sich mit seiner Aussage darauf, dass die meisten dieser Taten nicht als Mord, sondern als Totschlag gewertet werden und damit weniger bestraft werden. Ja, diese Einordnung muss sich ändern. Aber warum ist das überhaupt so? Warum wird es nicht als Mord gewertet, wenn ein Mann seine Frau / Freundin umbringt?

Ob es ein Mord oder ein Totschlag ist wird anhand des „niedrigen Beweggrund“ entschieden. Es ist also eine Auslegungssache. Warum wurde jemand umgebracht spielt dabei eine Rolle und das ist an sich auch gut zu. Das Bundesgerichtshof legt aber eine Trennung oder Angst vor einer Trennung im Falle eines Partnerschaftsmordes nicht als niederes Motiv einschätzt. Eifersucht wird verstanden, Trennungsangst ist doch normal und im Grunde bestraft sich der Täter selber, da er sich dessen beraubt, was er eigentlich behalten will. Und genau diese Einschätzung muss sich ändern. Denn etwas verlieren kann man nur, wenn man es besitzt. Ein Mensch kann und darf aber niemals als Besitz gewertet werden. Diese Denken, besonders in heterosexuellen Beziehungen, entspringt den Tiefen des Patriarchats. Dazu urteilt das BGH, dass die Frau durch die Trennung, ob geplant oder schon vollzogen, die Ursache für das Motiv legt. Selber schuld, ne? Wenn du nicht getötet werden willst, trenn dich halt nicht.

Also ja, Pistorius hat Recht, daran muss sich was ändern. Eifersucht, die Angst vor einer Trennung darf nicht als „gerechtfertigtes“ Motiv gelten und somit die Strafe mildern.
Damit ist es aber leider noch nicht getan, auch wenn ich es sehr begrüße. dass hier etwas getan werden soll. Es muss aber noch mehr passieren. Es muss z.B. aufgehört werden solche Morde zu verharmlosen oder gar zu romantisieren, durch solche Berichterstattungen in denen es als Beziehungs- oder Familiendrama bezeichnet wird. Nein, es ist kein Drama von Shakespeare, es wurde jemand getötet.
In Unterhaltungsmedien sollte toxisches Verhalten, wie Agressionen, Eifersucht etc nicht mehr als das Ideal eines starken Mannes dargestellt werden (ja, ich schiele hier z.B. auf 50 Shades of Grey oder Teeniefilme wie The Kissing Both uvm). Besitzansprüche gegenüber einem Menschen dürfen nicht mehr als sexy verstanden werden.

Auch müssen wir schon bei der Erziehung ansetzten. Aggressives Verhalten darf bei Jungs nicht als normal eingestuft werden, es darf auch nicht als Schwäche eingesehen werden, wenn ein Junge sich nicht raufen will.

Es muss auch mehr Aufmerksamkeit auf generelle Gewalt innerhalb von Beziehungen gelegt werden, es muss Hilfe für Opfer von Missbrauch werden, ohne, dass sie verurteilt werden oder Angst haben müssen.
Denn Gewalt in Partnerschaften nimmt immer mehr zu. 2020 gab es einen Anstieg um fast 5% im Vergleich zum Vorjahr an Fällen von Gewalt in Partnerschaften, wenig überraschend sind die meisten Opfer weiblich ( 80,5%) und die meisten Täter männlich (79,1%), wobei davon auszugehen ist, dass die die Dunkelziffer von männlichen Opfern wohl einiges höher sein wird, da diese noch viel weniger zur Polizei gehen als weibliche Opfer. Auch hier muss sich etwas ändern. Ja, auch Männer können Opfer von Gewalt innerhalb der Partnerschaft werden. Die Anzahl von weiblichen Opfern ist dennoch sehr viel höher, bei Tötungsdelikten um mehr als das dreifache.

Die Politik muss also etwas ändern, die Justiz, aber auch wir als Gesellschaft und jede*r einzelne von uns in unserem Denken und Handeln. Hoffentlich nehmen die Taten dann wieder ab, auch wenn es ein langer und schwieriger Weg ist (besonders da am Anfang eines solchen Umdenkens die Zahlen erst steigen werden, weil mehr Taten gemeldet werden).

Quellen:

Partnerschaftsgewalt Kriminalstatistische Auswertung – Berichtsjahr 2020

https://www.welt.de/politik/deutschland/article235408882/Boris-Pistorius-Haertere-Strafen-fuer-toedliche-Partnergewalt.html

https://www.instagram.com/p/B5h9TLAIuRJ/

Die Ampel Koalition steht, die Vorgaben unserer neuen Regierung gestern veröffentlicht. Mit dem gesamten Vertrag habe ich mich zwar nicht beschäftigt, aber einen Punkt habe ich direkt mitbekommen. Der eh schon umstrittene §219a StGb soll ersatzlos gestrichen werden. Und das, ja, das ist gut so und eigentlich lange überfällig.

Neben dem, dass der Paragraph längst veraltet war, er dafür sorgte, dass Betroffene sich nicht richtig informieren können, ist er aus meiner Sicht auch einfach unnötig, denn alle Ärzte müssen sich bereits an entsprechende Gesetzte halten, die bestimmen was Ärzte dürfen (Informationen ja, Werbung für kommerzielle Zwecke nein). §219a StGb ist daher nur eine zusätzliche Verschärfung. Diese Verschärfung, plus, dass Schwangerschaftsabbrüche nicht zur medizinischen Grundausbildung gehören, plus eigene Überzeugungen oder den Stress den Ärzt*innen mit Abtreibungsgegnern haben sorgte dafür, dass es immer weniger Gynäkolog*innen gibt, die den Eingriff überhaupt durchführen und Betroffene immer schlechter an entsprechende Informationen kommen.

Abtreibungsgegner*innen finden das genau richtig so, aber es wird ein Fakt einfach vergessen. Einschränkungen oder gar ein Verbot von Abtreibungen führt nicht zu weniger, sondern lediglich zu mehr unsicheren Vorgehen. Wenn es einfacher ist Informationen zu gefährlichen Selbstmethoden zu erhalten, als eine Praxis zu finden, die eine medizinische Abtreibung durchführt, steigert das die Gefahr, dass Betroffene in ihrer Verzweiflung eben den lebensgefährlichen Weg gehen.

Ein komplettes Verbot sorgt nicht dafür, dass Menschen mit Uterus jetzt immer ein Kind austragen, es sorgt auch eher weniger dazu, dass sie gar keinen Sex haben (auch ein schönes Argument, wenn man kein Kind will muss man halt die Beine geschlossen halten…richtig fortschrittlich.). Ein Verbot führt dazu dass s.g. Engelmacher*innen wieder kommen. Das ist ein nettes Wort für geldgierige Verbrecher*innen, die die Not von Betroffenen ausnutzen und Abtreibungen gegen viel Geld trotzdem durchführen, oftmals ohne medizinische Kenntnisse in unsicheren Umgebungen.

Eine Entscheidung eine Schwangerschaft abzubrechen ist nie eine leichte und die Beweggründe für diese Entscheidung sind immer individuell. Niemand anderes als die betroffene Person kann darüber entscheiden. Daher ja, freue ich mich, wenn der §219a gestrichen wird, wenn es mehr Beratungsstellen gibt, mehr Informationen, damit eben eine Entscheidung an Hand dessen und nicht aus purer Verzweiflung getroffen werden kann. Hoffentlich hält sich die Ampel daran.

Ich habe keine Lust mehr

Veröffentlicht: 17/11/2021 in Uncategorized

Also eigentlich habe ich schon lange keine Lust mehr, so richtig Bock hatte ich die ganze Zeit schon nicht. Aber jetzt geht es mir so richtig auf die Nerven. Ich habe keine Lust mehr mit Coronaleugner:innen, mit Impfgegner:innen und Querdenker:innen zu diskutieren. Ich habe keine Lust mehr Verständnis zu zeigen, ich habe keine Lust mehr mir die Gründe wieso, weshalb, warum anzuhören.
Wer jetzt noch die Pandemie leugnet, dem kann niemand mehr helfen, wer jetzt noch Covid19 mit einer einfachen Erkältung vergleicht, dem kann niemand mehr helfen. Die ignoriere ich auch schon länger. Ich meine die, die zwar Wissen wie mies Covid19 ist, aber sich dennoch nicht impfen lassen wollen. Auch für diese Menschen kann und möchte ich keine Empathie mehr aufbringen. Ich bin müde davon. Wieso soll ich denn mit Leuten solidarisch sein, die es mir gegenüber nicht sind? Man müsse die Ängste Ernst nehmen. Aber muss ich das, wenn im Gegenzug meine Ängste und Sorgen nicht ernst genommen werden?

Natürlich wollen wir alle, dass es bald endet. Keiner hat Bock darauf, dass es weiter geht wie jetzt. (Wobei ich die Masken im ÖPNV besonders im Winter fast als angenehm empfinde). Also wirklich niemand will, dass wir Ewig in der Pandemie hängen. Der Weg daraus ist aber die Impfung und ein vernünftiger Umgang miteinander. (Wieso die Impfung sinnvoll ist wird bei maiLab viel besser erklärt, sie hat auch viel mehr Ahnung als ich).

Die aktuellen Infektionszahlen, die Auslastung auf den Intensivstationen, die Sterberate lassen es einfach gerade nicht zu, dass wir wieder zurück zur Normalität, komplett ohne Regelungen gehen. Die Alternative zu den jetzigen 2G/3G Regelungen wäre ein erneuter Lockdown. Und niemand, wirklich niemand will das.

Mir geht es so auf die Nerven, dass sobald es neue Maßnahmen gibt, sei es Schließungen, sei es testen oder die Impfung, neue Argumente gefunden werden, weswegen das jetzt wieder blöd ist.

Erst wurde die Wirtschaft, besonders die Gastro- und Veranstaltungsbranche, hervor geholt. Denen geht es schlecht, die müssen wieder öffnen. Durch die Impfung und die 3G (bald 2G) Regelungen hat man genau diesen Branchen eine Möglichkeit gegeben wieder einen fast normalen Betrieb zu führen, wieder fast voll zu sein. Wo ist jetzt die Solidarität mit den Restaurants? Die ist weg, sobald man einmal ein Zertifikat vorlegen muss. Hätten wir die erforderliche Impfquote schon erreicht würde auch das Vorlegen eines Zertifkates bald wegfallen. Dadurch, dass sich aber so viele engstirnig dagegen stemmen kommt es zu einer weiteren Belastung bei der Gastro. Oder denkt ihr die Kellner:innen haben Bock drauf alles ordentlich zu kontrollieren, zu diskutieren und jedes Mal die gleichen Gespräche zu führen? Wohl eher nicht.

Dann wurden die Depressiven in der Vordergrund geschoben, wahrscheinlich da durch den ersten Lockdown mehr Menschen depressiv wurden. Es wurde Verständnis gefordert und gerade für diese Menschen müsse der Lockdown beendet werden. Ich habe Depressionen, nicht schlimme, aber ja, doch. Auch vorher schon, hat nur nicht viele Leute interessiert. Natürlich finde ich es gut, dass die Krankheit nun mehr Aufmerksamkeit erhält, dass sie ernster genommen wird, aber wo bleibt die Solidarität jetzt? Ich bin momentan arbeitslos, meine sozialen Kontakte finden daher hauptsächlich am Wochenende, sprich in Kneipen, Restaurants etc. statt. Für jemanden wie mich, die eher auf dem extrovertierten Spektrum ist und daher Menschen braucht um den Akku wieder aufzuladen, ist das natürlich schwierig, gerade mit Depressionen. Müssten wir jetzt alles wieder dicht machen würde für mich der einzige soziale Umgang wegfallen, den ich habe.

Als die Testpflicht für gewisse Bereiche kamen (um z.B. die Gastronomie wieder öffnen zu können) war das Gegenargument, dass die ja nicht 100% sicher seien. Stimmt, aber immer noch besser als gar nicht testen.

Als die Impfung kam, hieß es auch da, dass die ja nicht 100% schützt. Ja, aber besser als gar keine Impfung (nochmal – maiLab). Keine Impfung schützt zu 100%. Muss ich wissen, denn ich bin gegen Windpocken geimpft, hatte aber als Kind eine leichte Form. Ich war eine Woche zu Hause und habe gejammert und das wars. Ohne Impfung hätte ich mich wahrscheinlich früher angesteckt und es wäre schlimmer gewesen.
Geimpfte stecken sich untereinander einfach viel weniger an. Die meisten, die jetzt auf der Intensivstation liegen, sind nicht geimpft. Das ist einfach ein Fakt. Am Anfang hatte ich für Skeptiker auch noch Verständnis, aber die ist jetzt einfach mal weg. Wenn die Leute auf die Mediziner:innen und Wissenschaftler:innen hören würden, statt auf Karl-Heinz in der Facebook Kommentarspalte, wäre die Sorge um einiges geringer.
Natürlich kommen dann die ganzen Storys, das jemand die Impfung nicht vertragen hat, die Thrombosevorfälle bei Astrazeneca haben die Unsicherheiten verstärkt und ja, die Sorge konnte ich da noch etwas nachvollziehen. Aber gleichzeitig werden die Geschichten von Leuten, die an Langzeit-Covid leiden ignoriert, die Millionen Tote (weltweit) sind dabei nicht relevant. Dadurch zeigen Impfgegner*innen einfach wie scheiß egal ihnen die anderen Menschen sind.

Als 3G Regelungen eingeführt wurden hieß es, das der Aufwand verhältnismäßig unangebracht ist. Ja, genau, ist es, aber wenn wir nicht wieder schließen wollen haben wir keine andere Wahl. Ganz einfach.

Gegen 2G sprach, dass ja nur Tests sicher sind. Genau die Tests, die bei der Testpflicht ja nicht zu 100% zuverlässig waren. Und achja, das spaltet die Gesellschaft und grenzt Menschen aus. Und wo ist die Solidarität mit den Impfunwilligen? Wo ist das Verständnis für mich, dass ich mich am liebsten nur mit Geimpften umgeben möchte, einfach aus Sorge mich dennoch anzustecken oder jemanden anzustecken? Wenn ich das sage kommt direkt „Aber es ist doch meine Entscheidung“. Ja, Inge, ist es, aber es ist auch meine Entscheidung mit wem ich mich umgeben möchte. Jede*r kann eine eigene Entscheidung für sich treffen, muss dann aber mit den Konsequenzen leben. So ist das übrigens überall. Nicht nur bei der Impfung. Das Problem ist eben, dass man bei Covid19 nicht nur sich selbst in Gefahr bringt, sondern eben auch andere, ganz besonders diejenigen, die sich nicht impfen lassen können. Wo bleibt für diese Menschen die Solidarität? Sollen diese für immer vom sozialen Leben raus gehalten werden? Möchten wir wieder Homeschooling, im Winter geöffnete Fenster in Schulen? Nein, will niemand.

Als die Test dann kostenpflichtig wurden, hieß es das ist unfair gegenüber den Ungeimpften. Also nö, jetzt mal ehrlich, nö. Gegenüber denen, die sich nicht impfen lassen können, ja ok. Gegenüber den Geimpften, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und trotz Impfung dennoch sich gerne weiter testen lassen würden, auch. Aber nicht gegenüber denjenigen die freiwillig und entgegen jeder Vernunft sich gegen die Impfung entschieden haben. Ich weiß, fies von mir, Solidarität und so. Aber nochmal – warum sollte ich Solidarität für Unsolidarität aufbringen? Natürlich war das nur eine Maßnahme um die Impfquote zu erhöhen und es hat ja auch ein bisschen geklappt. Ich muss auch zugeben so die beste Maßnahme war das nicht, weil die Tests halt nicht nur für Ungeimpfte weggefallen sind. Immerhin konnte man dadurch zeigen, dass die hohen Inzidenzwerte nicht nur durch mehr Tests zustande kamen (immer den Vorteil sehen). Und ja, es ist gut, dass die Test jetzt erst mal wieder kostenfrei zur Verfügung stehen.

Also nein, ich habe kein Verständnis mehr. Die Impfung gibt es jetzt lange genug, es gibt genug zuverlässige Quellen, die die Wirksamkeit belegen, Informationen um die Zweifel die man jetzt noch vlt haben könnte aus der Welt zu schaffen, es gibt genug Gründe dafür. Und ja, ich habe keine Lust mehr darüber zu diskutieren und zuzuhören und Verständnis aufzubringen. Denn jedes Mal wenn ich mir die Argumente anhöre muss ich fast weinen und möchte schreien und dafür sind mir meine Nerven einfach zu wichtig. Und wer tatsächlich die jetzigen Regelungen mit dem Holocaust vergleicht bei dem sitzt der Aluhut einfach zu eng.

Hinweis: Die hier angegeben Namen sind nur Beispiele und beziehen sich auf keine wirklichen Personen.

Wer mich kennt oder vlt schon einen der anderen Beiträge von mir gelesen hat, der/die weiß, dass ich mich sehr mit den Themen Feminisums, Sexismus usw. beschäftige. Es ist ein andauernder Lernprozess und auch wenn ich schon viel gelesen habe, so sind auch für mich immer noch Dinge dabei, die ich erst lernen und verarbeiten muss. Das wird auch noch lange Zeit so sein (also wahrscheinlich, hoffentlich für immer).

Eine Sache, die ich gelernt habe, ist, dass solche Sprüche wie „Ich bin nicht wie andere Frauen / Mädchen“ nicht so cool sind wie sie mal in meinem Kopf klangen. Und ich habe lernen müssen, dass auch ich in manchen Punkten ziemlich sexistisch und misogyn war und einige Verhaltensweisen leider immer noch an den Tag lege. Ich reflektiere das gerade sehr stark und arbeite daran, aber es ist schwierig jahrzehntelanges Verhalten (das als ganz normal angesehen wurde) innerhalb kurzer Zeit abzulegen.

In meiner Überschrift habe ich drei Begriffe aufgegriffen und ich würde wetten, dass die meisten Flinta* (Frauen, Lesben, Intersexuelle Menschen, Nicht-binäre Personen, Transgender, Agender – weitere Informationen hier) schon einmal ein Verhalten an den Tag gelegt haben, die auf diese drei Begriffe beziehen (die sich sehr ähnlich sind). Gehen wir diese der Reihe nach durch.

Pick me Girl

„Pick me“ ist einigen bestimmt schon auf den gängigen Social Media Kanälen aufgefallen. Einem Pick me Girl wird nachgesagt, dass sie (fast) alles tut um die Aufmerksamkeit von den männlichen Freunden zu erhalten. Dabei wird eine Persönlichkeit geschaffen, die ja bloß die Anerkennung „der Jungs“ bekommen soll. Das zeichnet sich dann so aus, dass sich bewusst gegen „weibliche“ Hobbys entschieden wird, andere Mädchen werden schlecht gemacht und man selbst würde so nie sein. Dieses Verhalten kann man viel bei Jüngeren beobachten. Also zu einer Zeit, in der vieles über die Annerkennung anderer passiert. Es ist ganz normal, dass Menschen in jungen Jahren eher schauen, dass sie von Leuten gemocht werden, zu denen sie aufschauen. Warum ist das Pick me Girl aber nun problematisch? Das verhalten entsteht, weil vieles was als „mädchenhaft“ eingestuft wird als negativ dargestellt wird, dazu konkurieren Flinta* häufig mehr miteinander als (Cis) Männer das tun. In der Freundesgruppe will man das einzige Mädchen sein, weil die Jungs sind cool, die Mädchen nicht. Bin ich die einzige, dann bin ich cool.

Das Pick me Girl ist aber an sich eine Ursache und eine Entwicklung aus dem Cool Girl und dem „Ich bin nicht wie andere“.

Es gibt übrigens auch „Pick me Boys“, diese versuchen Anerkennung bei den Mädels zu erhaltenhauptsächlich durch Mitleid („Ich bin doch so nett, aber niemand mag mich“). Das nur am Rande.

Pick me Girls haben Misogynie verinnerlicht und gerade durch sehr starkes herabwürdigen anderen Mädchen treiben sie es meist immer weiter. Sie sind aber auch sehr verzweifelt auf der Suche nach Annerkennung, so stark, dass man es ihnen ansieht. Es deutet auf ein sehr geringes Selbstwertgefühl hin.

Leider wird der Begriff, der nun mal sehr negativ ist, immer häufiger verwendet, ohne es direkt zu prüfen. So werden Männer, die sich für femistische Themen einsätzen häufig als „Pick me“ bezeichnet. Und ein Mädchen, dass ein „Jungs“ Hobby hat als Pick me zu bezeichnen ist ebenfalls misogyn.

Das „Cool Girl“

Das Cool Girl ist immer entspannt, wird nie wütend, ist einfach cool. Im weiteren Sinne ist ein Cool Girl mehr an „Jungs“ Sachen interessiert, aber eben weil sie einfach cool ist. Dieses Cool Girl wird uns häufig in Film und Fernsehen gezeigt. Sie kann essen was sie will, sie behauptet sich immer gegen alle, setzt sich durch, aber ohne wütend zu werden. Sie ist auch immer verständnisvoll. Gerade die Darstellung in den Medien ist hierbei problematisch. Häufig sind es die weiblichen Hauptcharaktere die sich so verhalten. Sie zeigen damit, dass das Bild ist, dem wir alle entsprechen sollen. Das Cool Girl ist halt anders, lockerer, cooler und damit besser (weil Hauptfigur und alle mögen sie). Es wird als erstrebenswert dargestellt, mehr die Sachen zu mögen die Jungs mögen und auch halt immer ruhig zu sein. Das ist natürlich eine Traumvorstellung. Eine Frau, die alles mag, was der Mann mag und dabei schön still ist, selbst dann wenn der Mann etwas tut, was nicht ok ist.

Gerade bei Film / Fernsehen wird es nochmal verdeutlich, da es meist ein Gegenstück zu dem Cool Girl gibt. Die verständnislose, eifersüchtige, verrückte, ja beinahe hysterische Ex-Freundin. Und die mag natürlich alles, was Mädchen halt so mögen.

Durch solch eine Darstellung ist es kein Wunder, dass Pick me Girls entstehen.

„Ich bin nicht wie andere Mädchen“

Ohne Scheiß, ich kenne keine Flinta*, die nicht einmal in ihrem Leben eine solche Phase hatte (manche immernoch haben). Ich weiß, dass ich es von mir selbst gesagt habe. Ich fand schminken oberflächlich, ich war in einer StudiVZ/MeinVz Gruppe (na, wer erinnert sich noch?) die hieß: „Bei mir ist nichts pink, da glitzert auch nichts. “ Und wisst ihr was? Heute liebe ich Glitzer und zu meinem 30. hatte ich ein ziemlich pinkes Kleid an. Ok, Pink ist dennoch nicht meine Lieblingsfarbe geworden, aber ich lehne sie nicht mehr komplett ab.

Das Ding ist, wie schon geschrieben, vieles was als „typisch weiblich“ gesehen wird, wird negativ dargestellt. Und weil die wenigsten von uns sich mit dieser negativen Darstellung identifizieren können und wollen entsteht der Eindruck, dass man ja anders ist. Aber das ist halt ein Trugschluß. Denn keine Person ist gleich die andere. Wir sind alle irgendwie individuell. Sicher hat man mit einigen mehr gemeinsam als mit anderen, aber wir sind ja nicht durch Schablonen geformt worden. Es gibt Flinta* die mögen Sport, es gibt auch Cis hetero Männer die keinen mögen. Nicht jedes Mädchen spielt gerne mit Puppen und nicht jeder Junge gerne mit Autos. Nicht jede Frau ist still und nicht jeder Mann ist laut.

Übrigens, auch dieses Bild wird von den Medien stark geprägt. Wie oft kommt es vor, dass der Held der Geschichte zu seinem Love Interest sagt „Du bist nicht wie die Anderen.“ und sie nimmt es als Kompliment war. Es ist kein fucking Kompliment, es ist beleidigent gegenüber allen anderen. Hört auf meine Queens zu beleidigen. Wenn jemanden nur Komplimente einfallen, durch die andere schlecht gemacht werden möchte ich sie ehrlich gesagt nicht hören.

Internalisierte Misogynie

Internalisierte Misogynie bedeutet verinnerlichter Frauenhass. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, aber den tragen wir alle mit uns rum. Und ehe ihr jetzt jemand sagt „nein, gar nicht“ – ja, ähm, doch. Das gefährliche an dem verinnerlichtem Hass ist der, dass man diesen gar nicht als solchen wahrnimmt. All die Witze und Klischees, die wir machen und weiter geben, sind verinnerlichter Hass. Dieser kann misogyn sein oder rassistisch oder homofeindlich oder oder oder. Und er beinflusst unsere Gedanken, unseren ersten Eindrücke und unser handeln.

Ich z.B. bin mit vielen Blondinen Witzen aufgewachsen, gepaart mit einer großen Unsicherheit im Hinblick auf mein Aussehen. Ich habe mich gerade in meiner Teenagerzeit stark darüber identifiziert nicht allzu dumm zu sein, darüber viel zu lesen usw. Dazu muss ich erwähnen, dass ich dennoch nur die Realschule abgeschlosen hatte, aber ich wusste eher aus Faulheit, als daraus, dass ich dumm wäre. Ich bin auch damit aufgewachsen, dass man entweder schön oder klug ist, aber nicht beides und das prägt mich bis heute. Wenn ich ein stark geschminktes Mädchen sah bin ich davon ausgegangen, dass sie nichts anderes kann, wenn jemand sehr hübsch war, dann konnte diese Person (ja, meist Mädchen) einfach nicht genauso intelligent sein wie ich. Wenn ich mal ganz ehrlich bin, schleicht sich dieser Gedanke ab und an auch heute noch bei mir ein. Der Unterschied ist, dass ich es heute weiß und daher es verarbeite bzw den Gedanken beiseite schiebe und die Person erstmal kennenlerne. So geht es mir mit vielen Menschen, die äußerlich einem Klischee entsprechen, aber wenn man sich davon los löst lernt man viele wundervolle oder zumindest interessante Menschen kennen (ok, nicht immer).

Und ja, jede*r von uns hat solche Sprüche gesagt wie „Du läufts wie ein Mädchen“ Ich hab dann einfach gesagt „Ja, ich bin auch eins“ und damit den Frauenhass, der mit sowas mitschwinkt für mich verinnerlicht und auf mich proiziert.

Mit diesen Gedanken beurteilen wir vieles, verurteilen Menschen sehr schnell. Natürlich kann auch vieles aus Erfahrung entstehen, aber man muss halt dennoch aufpassen, dass es nicht zu Verallgemeinerungen führt. z.B. war ich heute mit einer Freundin auf einem Mittelaltermarkt und natürlich gab es einige Met-Stände. Der Verkäufer von einem dieser Stände sprach von einem „bösen“ Met. Als ich fragte, was das ist hat er zu seiner Erklärung (Kirschmet mit Whisky) noch hinzugefügt, dass diesen die meisten Frauen (er sagte Frauen, daher benutze ich hier nicht Flinta*) den nicht mögen und fragte ob ich nicht lieber den Eisbonbon nehmen will. Ich denke wirklich nicht, dass er es böse gemeint hat, sondern aus Erfahrung sprach. Dennoch ist es eine etwas unnötige Verallgemeinerung. Er hätte erklären können wie er schmeckt und mich einfach fragen können, was ich gerne mag. Aber, solche eine Änderung des Verhaltens benötigt sehr viel Reflektion und Zeit.
Der Spruch hat mich übrigens so genervt, dass ich aus Trotz den bösen Met probieren wollte, obwohl ich gar keinen Whisky mag. Und ja, was soll ich sagen, war nicht meins. Aber tatsächlich nicht, weil er mir nicht süß genug war, eher im Gegenteil (er schmeckte stark nach Kirsch mit einem rauchigem Aroma, aber nicht wirklich „böse“).

Das eigene Verhalten, aber besonders die eigenen Gedanken, die ja niemand außer einem selbst mitbekommt, zu hinterfragen ist harte Arbeit. Es ist mühsam und jede*r wird dabei merken, dass man schnell in „alte“ Muster zurück fällt. Das gehört zum Prozess dazu und jeder kleine Schritt ist wichtig und muss gegangen werden, auch Schritte zurück. Man darf nicht zu hart mit sich selbst sein, aber man muss daraus lernen. Und damit zum Abschluß zwei Bitten:
Wenn ihr bei mir ein Verhalten mitbekommt, dass auf internalisierte Misogynie (oder auch Rassismus oder anderen Dingen) hindeutet, dann sprecht mich darauf an und wenn euch jemand auf sowas anspricht, dann nehmt euch die Zeit und denkt darüber nach, ob daran was dran ist. Besonders dann, wenn die Person der jeweiligen Gruppe angehört um die es geht (auch dann, wenn ihr selbst dieser Gruppe angehört).

Achtung! Spoiler-Warnung sowohl für die Serie, als auch für die Bücher!

Ja, natürlich habe ich die erste Staffel direkt m Wochenende durchgeschaut und ja, ich schaue sie mir auch ein zweites Mal an. Und ja, ich will eine zweite Staffel (unbedingt), alleine um endlich, endlich Nikolai zu sehen.

Aber auch ja, dazu, dass ich ziemlich enttäuscht war, Ja, dass ich mir mehr erhofft hatte (die Serie stand auf meiner Watchlist ehe ein Startdatum bekannt wurde), ja, dass vieles, wirklich vieles hätte besser sein können.

Es ist durch und durch eine Hass-Liebe, die mich hier ergreift.

In der ersten Folge war ich noch total gehyped, und meine einzigen Beschwerden waren bezüglich der Optik und über das Aussehen einiger Charaktere. Da dachte ich nocht, naja, wenn das das einzige bleibt ist es meckernauf hohem Niveau. Blieb es leider nicht und je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr regt mich sehr viel an der Umsetzung auf

Alinas Aussehen

Ich rede hier nicht über das Casting an sich oder die Schauspielerin. Die Besetzung für Alina ist großartig gewählt. Was mich stört, ist dass sie von Anfang an unfassbar gut aussieht. Sie sieht zu gesund aus. Sowohl in Shadow and Bones, als auch in The 6 of Crows wird es mehrfach erwähnt, dass Grisha krank werden / wirken, wenn sie ihre Kräfte nicht nutzen.
Alina unterdrückt ihre Fähigkeiten ihr ganzes Leben lang, sie wird am Anfang beschrieben, als dürr, blass, immer kränklich und schwächlich aussehend. Das ändert sich erst, als sie ihre Kräfte nutzt. In der Serie wird das nur einmal kurz angedeutet, als Mal bemerkt, dass sie einen größeren Appetit hat als vorher. Der komplette Glow Up Effekt fehlt und damit auch ein wichtiges Merkmal der Grisha selbst. Nämlich, dass es nicht einfach nur eine Gabe, ein Talent ist, sondern natürlich und wichtig für Grisha.

Mals Aussehen

Mal wird als jemand beschrieben, den eigentlich alle attraktiv finden, hinter dem jedes Mädchen her ist, der charmant ist und dem sogar die wunderschöne, starke Zoya ein wenig verfällt (die für „nIcht-Grisha eigentlich nicht viel übrig hat). Das kommt finde ich nicht so gut rüber, und ehrlich gesagt (rein objektiv) finde ich den Darsteller so gar nicht attraktiv. Für mich die schwächste Besetzung.

Der Fokus auf Mal

(mit) das größte Problem habe ich wie stark sich die Story auf Mal fokussiert. In den Büchern erleben wir alles aus Alinas Sicht. Und es ist klar, dass das man für die Serie mehr als einer Figur folgen muss (wobei, muss man wirklich?). Es frustriert mich dennoch, dass Mal gefühlt mehr Screentime hat als Aline, die der Main-Charakter ist. Dafür wurde an der Zeit im kleinen Palast gespart, wie langwierig und anstrengend ihr Training ist wird fast komplett außen vorgelassen. Auch das wird nur angedeutet, bzw ein, zwei Mal gezeigt. Es fehlt, dass Alina langsam Freunde gewinnt, es fehlt diese Freude, als sie es endlich schafft ihre Kräfte alleine hervor zu rufen. Es fehlt so viel von ihr. Auch hätte man anderen Charakteren, wie z.B. Genya und Zoya, viel mehr Tiefe geben können. Die Freundschaft von Alina und Genya ist auch viel zu oberflächlich. Das hätten wir aber gebraucht, um ihren Verrat besser mitfühlen zu können. So aber war es halt, naja, ok, sie hat sie verraten, aber so wirklich befreundet waren sie nicht.
Es macht mich einfach ziemlich wütend, dass die Zeit des weiblichen Main-Charakter (!!) gekürzt wurde um mehr von den Männern zeigen zu können. Das ist halt leide so typisch. Warum überrascht es mich eigentlich noch? *verdammtes Patriachat grml grml*

Die Six of Crows Stroyline(s)

Das ist sie. Die wahre Hass-Liebe!! Ich liebe, liebe die Crows generell, ich liebe es, dass sie dabei sind. Ich habe besonders Jasper so gefeiert (besonders seine Stable-Boy Action), die Besetzung der 5 ist „on Point“ (über Nina kann man diskutieren, aber die Schauspielerin hat Ninas Charme super rüber gebracht). Aber die ganze Story der Crows macht vieles kaputt. Es passt nicht zur Timeline. Six of Crows spielt Jahre später nach Shadow and Bone. Nina ist eine Schülerin von Zoya und Genya, in der Serie ist sie aber schon fertig ausgebildet (anscheinend, denn sie ist auf Mission für den Darkling), während Zoya noch im Training steckt. Die Crows sind zu dem Zeitpunkt der bücher alle um die 16/17. Sie älter zu machen ok, aber ihre Story dann auch nich so stark zu verändern und nach vorne zu schieben fühlt sich einfach sehr gezwungen an. Als wenn den Produzenten klar ist, dass die Crows einfach cooler sind (was sie sind, keine Frage). Dennoch zerstören sie damit einiges. z.B. dass sie komplette Underdocks sind. Aber wenn der Darkling deinen Namen kennt, dann bist du alles, aber kein verdammter underdog. Und, es sind nur 5. Was ist mit Wylan passiert? Warum? Besonders seine Beziehung zu Jasper ist so toll in den Büchern.
Ich liebe Ninas und Matthias Vorgeschichte und es wurde gut umgesetzt, die Chemie zwischen den beiden Schauspielern passt auch wunderbar. Es ist aber ziemlich Zusammenhanglos zur eigentlichen Geschichte. Und die (neue) Story der restlichen drei passt halt überhaupt nicht. Warum sind sie plötzlich Teil der Hauptstory von Shadow and Bone? Warum? Hätte man nicht die Vorgeschichten der Figuren (aller Figuren) zeigen können, wie bei Nina & Matthias? Jasper auf der Farm, Kaz mit seinem Bruder, wie Inej in die Menagerie kommt, wie Kaz sie befreit, wie sie sich kennen lernen. Und auch hier fehlt mir wieder die Tiefe. Gerade Kaz ist so viel tiefgründiger.

Generelle Darstellung der Beziehungen

Leigh Bardugo ist eine Meisterin „leise“ Zuneigung zu beschreiben, unterdrückte Gefühle aufzuzeigen, so dass Leser:innen sich denken „Jetzt gesteh es dir doch endlich ein“. Und das kam meines Erachtens zu kurz. (Das Theme fehlende Tiefe hattenn wir jetzt schon ein paar Mal). Bei Kaz und Inej wird es zwar ansatzweise gezeigt, aber ich persönlich finde sie hat eine viel stärkere Coneection mit Jasper (könnte aber einfach an Jasper liegen). Ich bin übrigens davon überzeugt, dass die Schauspieler:innen das alle gut gespielt hätten, es aber eher an der Regie, Schnitt oder generell der Produktion lag.
Und wo bitte wird auch nur angedeutet, dass die Beziehung zwischen Zoya und dem Darkling körperlich war? Ich muss die Bücher nochmal lesen, denn aus meiner Sicht passt es so gar nicht zu Zoya, die so stark und unabhängig sein will. Ja, auch sie wurde von ihm eingenommen, aber in meiner Vorstellung immer nur auf einer Mentoren-Basis. Zoya geht es um Kraft und Stärke, nicht um eine Liebesbeziehung. (auch das wieder so typisch.)

Setting und Zugang für „Non-Reader“

Ja, auch hier wieder – fehlende Tiefe. Es wurde so durchgerauscht. Man erhält kaum einen Eindruck von Ravka und generell der Welt in die Geschichte spielt. Den ersten Eindruck von Ketterdam habe ich noch gefeiert, hätte mir aber gerne mehr gewünscht. Eigentlich wünsche ich mir von allem mehr. Mehr Hinterrund zu den Orten, zu den Personen, zu der Geschichte. Vieles geht dadurch auch komplett unter, wodurch der Zugang für diejenigen, die die Bücher nicht gelesen haben, erschwert wird. z.B. die verschiedenen Grisha-Fähigkeiten, was die verschiedenen Farben der Gewänder zu bedeuten haben usw. Diese Einführung hätte man gut einbinden können, entweder in einem Rückblick im Waisenhaus oder wenn Alina im kleinen Palast ankommt. Die ganze Diskussion welche Farbe Alinas Kefta wurde außen vorgelassen, dabei ist sie ein wichtiger Bestandteil davon zu zeigen wie die beiden Figuren Alina und der Darkling denken und fühlen. Alina möchte dazu gehören, der Darkling möchte sie als seines ansehen. Und natürlich muss man in einer bildlichen Adaption nicht alles erklären, oft reichen die Bilder, aber das reicht eben nichtimmer.

Fazit

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Serie daran scheitert es allen recht zu machen, den Leser:innen und denen die die Bücher nicht kennen. Ich verstehe, dass man viel Fan-Service leisten wollte, durch kleine Hinweise auf spätere Offenbarungen und ich kann auch verstehen, dass man jemanden wie Mal zu seinem Gunsten verändert. Das aber auf Kosten anderer Charaktere (meist auf Alinas Kosten) ist grundweg falsch. Aber wir sollen uns bitte bloß freuen, dass die Serie so hoch produziert wurde.
Wenn ich mir die Reaktionen so ansehe hat das aber tatsächlich funktioniert. Ich bin dennoch enttäuscht und traurig und wütend. So viel verschenktes Potenzial.
Aber nun bin auch wieder voll drin, im Grishavers und habe mir Merch gekauft und warte gespannt auf Staffel 2. Eine wahre Hass-Liebe eben.

In den letzen Tagen wurde schon viel über die Pinky Gloves geschrieben, gesagt, in lustigen Videos und Memes wurde die Meinung vieler dazu im Internet verbreitet. Als ich das mitbekommen hab, musste ich schon etwas schmnzeln. Ich hatte die Werbung dazu schon im Dezember 2020 gesehen und mich bei Instagram aufgeregt (könnt ihr gerne überprüfen, Insta: eule_meint). Damals hat es nur niemanden interessiert, weil es einfach niemanden aufgefallen ist. Mit gerade mal 70 Followern ist das auch kein Wunder. 😅
Der jetzige „Shitstorm“ kam auf, weil die beiden Gründer sich einer breiten Öffentlichkeit präsentierten. Das haben sie sehr bewusst gemacht und bis zur Ausstrahlung auch Erfolg gehabt, denn sie haben einen Deal bekommen, keinen schlechten, während schon andere Produkte (auch aus der gleichen Nische) leer ausgingen. Sie konnten sich also zumindest sicher sein, dass sie gesehen werden und dass sie das Label „Bekannt aus der Höhle der Löwen“ erhalten werden. Womit sie nicht gerechnet haben war halt der Widerspruch und die Kritik.

Die Kritikpunkte sind dabei folgende:

  • Perioden- Shaming
    Durch die Aussagen, dass man die Handschuhe auch im privaten Haushalt nutzen kann, sodass niemand Blut im Mülleimer sehen muss, wird die Periode als etwas ekliges dargestellt, dass man vor Menschen die nicht menstruieren verheimlichen muss. Dazu wird durch die Aussagen „hygienisch entsorgen“ ebenfalls sugeriert, dass die Menstruation etwas unhygienisches ist.
  • Sinnhaftigkeit des Handschuhes
    Menstruierende haben schon längst Lösungen gefunden. Es wurde versucht ein Problem, dass die beiden Entwickler hatten als ein Problem von Menstruierenden dargestellt.
  • Es werden nur Frauen angesprochen.
    Der Fakt, dass nicht jede Frau menstruiert und nicht jede Person die menstruiert eine Frau ist wird außer Acht gelassen.
  • Preis
    Ein Handshuh kostet umgerechnet 25 Cent, ein O.B. Tampon (also schon die teure Marke) kostet 12 Cent. Damit ist der Handschuh um das eigentliche Produkt zu entsorgen mehr als doppelt so teuer als der Tampon selbst.
  • Der Handschuh ist nicht ökologisch
    Der Handschuh selber ist ökologisch abbaubar, sobald ein Tampon drin ist er es aber nicht mehr. Es wird dadurch mehr Müll als notwendig verursacht. Vorallem weil die Gloves einzeln verpackt sind.
  • Name und Darstellung
    Natürlich müssen die Handschuhe pink sein. Das gerade in den letzten Jahren die Gendernormen versucht wurden aufzubrechen wird genauso ignoriert wie der Fakt, dass ein pinker Handschuh einfach nicht mehr diskret ist. (Womit es an einem der angeblichen Vorteile völlig vorbei geht).

Ich stimme allen Kritikpunkten voll zu. Gerade das Marketing und die Beweggründe der beiden Entwickler der Pinky Gloves sind mehr als fragwürdig. Neben dem ganzen habe ich einen Kritikpunkt aber nie gehört, gelesen oder gesehen, obwohl man ihn schon herausahnen kann.

Die Beiden haben einfach ihren verdammten Job nicht gemacht. Wenn man als Unternehmer ein Produkt entwickelt dann zählt dazu, dass man Marktforschung und Marktbeobachtung betreibt. Das sollte man besonders dann machen, wenn man nicht zur Zielgruppe gehört und auch vorher keinerlei Erfahrung mit Produktentwicklung für diesen Markt hatte.

Natürlich war ich bei der Entwicklung nicht dabei, aber hätten sie sich mit Periodenprodukten wirklich ausgiebig beschäftigt und hätten sie unabhängige Zielgruppenbefragungen (also außerhalb ihres sozielan Umfeldes) gemacht, dann hätten sie viele der Fehler vermeiden können. Vielleicht hätten sie dann das Produkt gar nicht erst auf den Markt gebracht.

Denn, hätten sie sich mit dem Markt beschäftigt, dann hätten sie eigentlich auf die Marke „Pink Tampon“ stoßen müssen. Pink Tampon ist ebenfalls von zwei Männern entwickelt worden und auch sie hatten vor einiger Zeit mit deutlicher Kritik zu tun und zwar mit ungefähr den gleichen Kritikpunkten wie jetzt die Pinky Gloves. Perioden-Shaming, Stereotypisierung (weil pink) und nur die Ansprache von Frauen, statt von Menstruierenden. Soweit ich das verfolgt habe, haben sie zumindest ein paar Punkte verbessert (den Zusatz Pink bekommen sie halt nicht mehr weg, was ich verstehen kann, wenn man schon eine Marke angemeldet hat).

Hätten sie eine Zielgruppenbefragung durchgeführt, hätten sie gemerkt, dass die meisten Menstruierenden das Produkt nicht wirklich brauchen und es auch kein Problem löst, sondern im Gegenteil die Lösung wieder alleine in die Hände von Menstruierenden legt (oder die Hand umschließt, you know…). Die beiden Männer gaben zwar an, dass sie Frauen befragt haben, aber eben nur in ihrem Umfeld.

Warum das an der Stelle nicht ausreicht? Auch das sieht man an der Geschichte, wie es überhaupt zu dieser Idee kam. Und an der Stelle muss ich einmal eine Lanze für sie brechen und habe sogar Verständniss, warum sie wirklich dachten es wäre eine gute Idee. Die beiden wurden damit erst konfrontiert, als sie schon über zwanzig waren. Sie haben Mütter, hatten vermutlich schon vorher Freundinnen gehabt, aber erst nach dem Einzug in eine WG in der Menstruierende wohnen, wurden sie mit Periodenartikeln in Mülleimern konfrontiert. Und das ist genau das worüber wir die ganze Zeit sprechen. Die Periode wurde so tabutisiert und schon jungen Mädchen wird beigebracht, dass man es bloß verstecken soll, dass zwei erwachsene Männer nicht wussten, dass das völlig normal ist. Es gibt nicht umsonst den Witz, dass Menstruierende die besten Drogendealer wären, weil wir es einfach so gewohnt sind Tampons heimlich auszutauschen. Die beiden Männer sind in einem Umfeld aufgewachsen, in denen auch ihnen das so vermittelt wird. Und es scheint auch so, dass sich auch ihr jetziges Umfeld nicht groß geändert hat, da also immer noch die uns allen eingetricherte Scham vorhanden ist.

Falsche Annahmen, auf Grund der eigenen Sozialisierung können wir alle haben. Es ist jedoch wichtig, dass wir den Leuten, die es betrifft zuhören und von ihnen lernen. Und das hätten sie, hätten sie ihren Job als Unternehmer wahr genommen.

Sie haben sich aber nur oberflächlich mit ihrer Zielgruppe, dem Markt und auch ihrem Produkt beschäftigt. Und ja, sie haben ihr Problem, zu einem Problem von Menstruierenden gemacht. Aber auch das ist so ein Ding. In einer von Männer für Männer gemachten Welt fällt es schwer zu verstehen, dass das eigene Problem nicht das Problem von allen ist, genauso wie es umgekehrt schwer fällt ein Problem zu erkennen, wenn man selber davon nicht betroffen ist.

Der „Shitstorm“ hätte also vermieden werden können. Man hätte gemerkt, dass gerade die Aussagen, dass man es zu Hause oder bei Freunden nutzen kann, nicht gut sind. Wenn man das Produkt unbedingt auf den Markt bringen will, dann hätte man das Marketing auf den einzigen wirklich ansatzweise sinnvollen Nutzen richten können, nämlich dann wenn man z.B. in der Natur campen ist. Dann hätte man den Handschuh vielleicht auch eher grün gemacht oder sowas. Aber auch wenn man in der Natur ist sollte man Dinge dabei haben um seinen Müll zu entfernen und Menstruierende bereiten sich auch auf solche Situationen genügend vor. Außer man wird überrascht. Aber ganz ehrlich, dann habe zumindest ich kleines Schusselchen ein ganz anderes Problem. Des Weiteren gibt es für diese Situationen auch andere Lösungen (z.B. normale Einweghandschuhe).

Mir fällt tatsächlich nur, neben der Natur, eine Situation ein, in der so ein Handschuh irgendwie nützlich sein könnte. Und das ist wenn man obdachlos ist und somit wirklich nicht immer die Möglichkeit hat eine Toilette aufzusuchen. Aber Obdachlose können sich definitiv keine 0,25 € für einen Handschuh, von dem man dann auch noch 2 braucht (also 0,50 € pro Tamponwechsel) leisten. Bei einem Tamponwechsel spätestens alle 6-8 Stunden benötigt man also 3-4 Tampons, also 6-8 Handschuhe. Das macht 1,50 € – 2,00 € min am Tag. Wie soll das bezahlt werden? Periodenarmut ist ein bekanntes Problem, Pinky Gloves machte, soweit ich mich erinnere, auf ihrer Instagram Seite sogar darauf aufmerksam (ist weg oder ich habs nicht mehr gefunden). Und dennoch fand sich keine Anmerkung dazu, dass sie z.B. ihr Produkt an Obdachlosenorgansiationen spenden möchten (wäre aber ne super Marketing-Aktion gewesen).

Hervorgehoben wird momentan auch, dass ja auch auf vielen öffentlichen Toiletten nicht immmer ein Mülleimer zur Verfügung steht. Das ist die traurige Wahrheit. Aber ein Extra-Produkt ist hier einfach der falsche Ansatz. Besonders in einer Zeit, in der darüber diskutiert wird Periodenprdoukte auf öffentlichen Toiletten kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Ein Mülleimer und Papiertüten sollten neben Toilettenpapier, Wasser und Seife zum Minimum gehören, nicht zur Luxus-Ausnahme. Auch hier wird deutlich wie wenig sich mit dem Markt und dem aktuellen Geschehen beschäftigt wurde.

Das sind meine hauptsächlichen Kritikpunkte und Gedanken dazu. Aber was hat das jetzt mit (White) Man Privilige zu tun? Das geht eigentlich aus meiner Einleitung schon hervor. Die beiden Männer hatten ohne große Ahnung vom Markt zu haben und ohne ihren Job als Unternehmer und Entwickler richtig zu machen dennoch Erfolg. Zumindest bis zur Ausstrahlung von ihrem Pitch. Diesen Luxus kann man sich nur erlauben, wenn man aus einem sehr priviligierten Standpunkt aus heraus handelt. Frauen haben es erwiesenermaßen schwerer Investoren zu finden. Das zeigt schon Die Höhle der Löwen, in der Menstruationsunterwäsche keinen Deal bekommen hat (weil die Zielgruppe zu klein wäre), die Handschuhe (gleiche Zielgruppe) haben ein Investment in Höhe von 30.000 € bekommen. Das ist ungefähr so, als wenn man eine 1 in der Schule bekommt, obwohl man die Hausaufgaben nicht gemacht hat, nur weil man der Liebling von allen Lehrer:innen ist. Und sich das dann nicht mal bewusst ist. Sie konnten es sich erlauben schlecht vorbereitet zu sein, weil es bis zu einem gewissen Grad funktioniert hat (und vor einigen Jahren auch besser funktioniert hätte, seien wir einmal ehrlich).

Ich bin gespannt wie es weiter geht. Ich denke aber, dass das Unternehmen sich schwer davon erhohlen wird, dazu war die Reaktion zu heftig. Außerdem können sie die Hauptkritik, dass die Handschuhe nicht gebraucht werden und kein Problem von Menstruierenden löst, nicht korrigieren.