An diesem Beitrag arbeite ich nun schon ziemlich lange, genauer gesagt seit dem 08. März, also dem Internationalen Frauentag. Ja, der Plan war passend zu diesem Tag etwas dazu zu veröffentlichen. Hat wunderbar geklappt, ne? Aber warum habe ich das nicht und warum will ich überhaupt noch was zu dem Thema schreiben, obwohl es schon so viele Artikel und Beiträge dazu gibt? Mir ist es halt einfach wichtig, zu wichtig, als dass ich es in meinem Kopf lassen und nur bei einzelnen Gesprächen Stücke davon preis zugeben. Was nicht heißt, dass ich keine Diskussionen mehr darüber führen möchte. Bitte, gerne, immer, egal ob nüchtern oder nach ein paar Bierchen, Weinchen oder Ginchen.

Der Text ist auch sehr lang geworden, daher habe ich ihn geteilt und verlinke die einzelnen Abschnitte. (ungefähre Lesezeit 20 Minuten insgesamt). Und ich habe tatsächlich noch lange nicht alles aufgeschrieben was mir so durch den Kopf geht und es wird wohl immer was dazu kommen, denn auch ich lerne noch dazu. Ich habe auch bei der Recherche hierfür einiges gelernt und das möchte ich auch an euch weiter geben, daher ist das hier eine wilde Mischung aus ein paar Anektdoten, einigen Fakten und meiner puren Meinung. Und vlt regt einiges ja auch zum nachdenken an.

Eines Vorweg – ich schreibe oft über „die Männer“ und „die Frauen“. Natürlich will ich keine Verallgemeinerung, es geschah im Sinne der Einfachheit. Ich kenne viele großartige Männer und ich weiß, dass nicht alle Männer so sind. Wer sich hier dennoch angegriffen fühlt sollte einmal nachdenken warum.

Die einzelnen Themen:

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Die Ampel Koalition steht, die Vorgaben unserer neuen Regierung gestern veröffentlicht. Mit dem gesamten Vertrag habe ich mich zwar nicht beschäftigt, aber einen Punkt habe ich direkt mitbekommen. Der eh schon umstrittene §219a StGb soll ersatzlos gestrichen werden. Und das, ja, das ist gut so und eigentlich lange überfällig.

Neben dem, dass der Paragraph längst veraltet war, er dafür sorgte, dass Betroffene sich nicht richtig informieren können, ist er aus meiner Sicht auch einfach unnötig, denn alle Ärzte müssen sich bereits an entsprechende Gesetzte halten, die bestimmen was Ärzte dürfen (Informationen ja, Werbung für kommerzielle Zwecke nein). §219a StGb ist daher nur eine zusätzliche Verschärfung. Diese Verschärfung, plus, dass Schwangerschaftsabbrüche nicht zur medizinischen Grundausbildung gehören, plus eigene Überzeugungen oder den Stress den Ärzt*innen mit Abtreibungsgegnern haben sorgte dafür, dass es immer weniger Gynäkolog*innen gibt, die den Eingriff überhaupt durchführen und Betroffene immer schlechter an entsprechende Informationen kommen.

Abtreibungsgegner*innen finden das genau richtig so, aber es wird ein Fakt einfach vergessen. Einschränkungen oder gar ein Verbot von Abtreibungen führt nicht zu weniger, sondern lediglich zu mehr unsicheren Vorgehen. Wenn es einfacher ist Informationen zu gefährlichen Selbstmethoden zu erhalten, als eine Praxis zu finden, die eine medizinische Abtreibung durchführt, steigert das die Gefahr, dass Betroffene in ihrer Verzweiflung eben den lebensgefährlichen Weg gehen.

Ein komplettes Verbot sorgt nicht dafür, dass Menschen mit Uterus jetzt immer ein Kind austragen, es sorgt auch eher weniger dazu, dass sie gar keinen Sex haben (auch ein schönes Argument, wenn man kein Kind will muss man halt die Beine geschlossen halten…richtig fortschrittlich.). Ein Verbot führt dazu dass s.g. Engelmacher*innen wieder kommen. Das ist ein nettes Wort für geldgierige Verbrecher*innen, die die Not von Betroffenen ausnutzen und Abtreibungen gegen viel Geld trotzdem durchführen, oftmals ohne medizinische Kenntnisse in unsicheren Umgebungen.

Eine Entscheidung eine Schwangerschaft abzubrechen ist nie eine leichte und die Beweggründe für diese Entscheidung sind immer individuell. Niemand anderes als die betroffene Person kann darüber entscheiden. Daher ja, freue ich mich, wenn der §219a gestrichen wird, wenn es mehr Beratungsstellen gibt, mehr Informationen, damit eben eine Entscheidung an Hand dessen und nicht aus purer Verzweiflung getroffen werden kann. Hoffentlich hält sich die Ampel daran.

Ich habe keine Lust mehr

Veröffentlicht: 17/11/2021 in Uncategorized

Also eigentlich habe ich schon lange keine Lust mehr, so richtig Bock hatte ich die ganze Zeit schon nicht. Aber jetzt geht es mir so richtig auf die Nerven. Ich habe keine Lust mehr mit Coronaleugner:innen, mit Impfgegner:innen und Querdenker:innen zu diskutieren. Ich habe keine Lust mehr Verständnis zu zeigen, ich habe keine Lust mehr mir die Gründe wieso, weshalb, warum anzuhören.
Wer jetzt noch die Pandemie leugnet, dem kann niemand mehr helfen, wer jetzt noch Covid19 mit einer einfachen Erkältung vergleicht, dem kann niemand mehr helfen. Die ignoriere ich auch schon länger. Ich meine die, die zwar Wissen wie mies Covid19 ist, aber sich dennoch nicht impfen lassen wollen. Auch für diese Menschen kann und möchte ich keine Empathie mehr aufbringen. Ich bin müde davon. Wieso soll ich denn mit Leuten solidarisch sein, die es mir gegenüber nicht sind? Man müsse die Ängste Ernst nehmen. Aber muss ich das, wenn im Gegenzug meine Ängste und Sorgen nicht ernst genommen werden?

Natürlich wollen wir alle, dass es bald endet. Keiner hat Bock darauf, dass es weiter geht wie jetzt. (Wobei ich die Masken im ÖPNV besonders im Winter fast als angenehm empfinde). Also wirklich niemand will, dass wir Ewig in der Pandemie hängen. Der Weg daraus ist aber die Impfung und ein vernünftiger Umgang miteinander. (Wieso die Impfung sinnvoll ist wird bei maiLab viel besser erklärt, sie hat auch viel mehr Ahnung als ich).

Die aktuellen Infektionszahlen, die Auslastung auf den Intensivstationen, die Sterberate lassen es einfach gerade nicht zu, dass wir wieder zurück zur Normalität, komplett ohne Regelungen gehen. Die Alternative zu den jetzigen 2G/3G Regelungen wäre ein erneuter Lockdown. Und niemand, wirklich niemand will das.

Mir geht es so auf die Nerven, dass sobald es neue Maßnahmen gibt, sei es Schließungen, sei es testen oder die Impfung, neue Argumente gefunden werden, weswegen das jetzt wieder blöd ist.

Erst wurde die Wirtschaft, besonders die Gastro- und Veranstaltungsbranche, hervor geholt. Denen geht es schlecht, die müssen wieder öffnen. Durch die Impfung und die 3G (bald 2G) Regelungen hat man genau diesen Branchen eine Möglichkeit gegeben wieder einen fast normalen Betrieb zu führen, wieder fast voll zu sein. Wo ist jetzt die Solidarität mit den Restaurants? Die ist weg, sobald man einmal ein Zertifikat vorlegen muss. Hätten wir die erforderliche Impfquote schon erreicht würde auch das Vorlegen eines Zertifkates bald wegfallen. Dadurch, dass sich aber so viele engstirnig dagegen stemmen kommt es zu einer weiteren Belastung bei der Gastro. Oder denkt ihr die Kellner:innen haben Bock drauf alles ordentlich zu kontrollieren, zu diskutieren und jedes Mal die gleichen Gespräche zu führen? Wohl eher nicht.

Dann wurden die Depressiven in der Vordergrund geschoben, wahrscheinlich da durch den ersten Lockdown mehr Menschen depressiv wurden. Es wurde Verständnis gefordert und gerade für diese Menschen müsse der Lockdown beendet werden. Ich habe Depressionen, nicht schlimme, aber ja, doch. Auch vorher schon, hat nur nicht viele Leute interessiert. Natürlich finde ich es gut, dass die Krankheit nun mehr Aufmerksamkeit erhält, dass sie ernster genommen wird, aber wo bleibt die Solidarität jetzt? Ich bin momentan arbeitslos, meine sozialen Kontakte finden daher hauptsächlich am Wochenende, sprich in Kneipen, Restaurants etc. statt. Für jemanden wie mich, die eher auf dem extrovertierten Spektrum ist und daher Menschen braucht um den Akku wieder aufzuladen, ist das natürlich schwierig, gerade mit Depressionen. Müssten wir jetzt alles wieder dicht machen würde für mich der einzige soziale Umgang wegfallen, den ich habe.

Als die Testpflicht für gewisse Bereiche kamen (um z.B. die Gastronomie wieder öffnen zu können) war das Gegenargument, dass die ja nicht 100% sicher seien. Stimmt, aber immer noch besser als gar nicht testen.

Als die Impfung kam, hieß es auch da, dass die ja nicht 100% schützt. Ja, aber besser als gar keine Impfung (nochmal – maiLab). Keine Impfung schützt zu 100%. Muss ich wissen, denn ich bin gegen Windpocken geimpft, hatte aber als Kind eine leichte Form. Ich war eine Woche zu Hause und habe gejammert und das wars. Ohne Impfung hätte ich mich wahrscheinlich früher angesteckt und es wäre schlimmer gewesen.
Geimpfte stecken sich untereinander einfach viel weniger an. Die meisten, die jetzt auf der Intensivstation liegen, sind nicht geimpft. Das ist einfach ein Fakt. Am Anfang hatte ich für Skeptiker auch noch Verständnis, aber die ist jetzt einfach mal weg. Wenn die Leute auf die Mediziner:innen und Wissenschaftler:innen hören würden, statt auf Karl-Heinz in der Facebook Kommentarspalte, wäre die Sorge um einiges geringer.
Natürlich kommen dann die ganzen Storys, das jemand die Impfung nicht vertragen hat, die Thrombosevorfälle bei Astrazeneca haben die Unsicherheiten verstärkt und ja, die Sorge konnte ich da noch etwas nachvollziehen. Aber gleichzeitig werden die Geschichten von Leuten, die an Langzeit-Covid leiden ignoriert, die Millionen Tote (weltweit) sind dabei nicht relevant. Dadurch zeigen Impfgegner*innen einfach wie scheiß egal ihnen die anderen Menschen sind.

Als 3G Regelungen eingeführt wurden hieß es, das der Aufwand verhältnismäßig unangebracht ist. Ja, genau, ist es, aber wenn wir nicht wieder schließen wollen haben wir keine andere Wahl. Ganz einfach.

Gegen 2G sprach, dass ja nur Tests sicher sind. Genau die Tests, die bei der Testpflicht ja nicht zu 100% zuverlässig waren. Und achja, das spaltet die Gesellschaft und grenzt Menschen aus. Und wo ist die Solidarität mit den Impfunwilligen? Wo ist das Verständnis für mich, dass ich mich am liebsten nur mit Geimpften umgeben möchte, einfach aus Sorge mich dennoch anzustecken oder jemanden anzustecken? Wenn ich das sage kommt direkt „Aber es ist doch meine Entscheidung“. Ja, Inge, ist es, aber es ist auch meine Entscheidung mit wem ich mich umgeben möchte. Jede*r kann eine eigene Entscheidung für sich treffen, muss dann aber mit den Konsequenzen leben. So ist das übrigens überall. Nicht nur bei der Impfung. Das Problem ist eben, dass man bei Covid19 nicht nur sich selbst in Gefahr bringt, sondern eben auch andere, ganz besonders diejenigen, die sich nicht impfen lassen können. Wo bleibt für diese Menschen die Solidarität? Sollen diese für immer vom sozialen Leben raus gehalten werden? Möchten wir wieder Homeschooling, im Winter geöffnete Fenster in Schulen? Nein, will niemand.

Als die Test dann kostenpflichtig wurden, hieß es das ist unfair gegenüber den Ungeimpften. Also nö, jetzt mal ehrlich, nö. Gegenüber denen, die sich nicht impfen lassen können, ja ok. Gegenüber den Geimpften, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und trotz Impfung dennoch sich gerne weiter testen lassen würden, auch. Aber nicht gegenüber denjenigen die freiwillig und entgegen jeder Vernunft sich gegen die Impfung entschieden haben. Ich weiß, fies von mir, Solidarität und so. Aber nochmal – warum sollte ich Solidarität für Unsolidarität aufbringen? Natürlich war das nur eine Maßnahme um die Impfquote zu erhöhen und es hat ja auch ein bisschen geklappt. Ich muss auch zugeben so die beste Maßnahme war das nicht, weil die Tests halt nicht nur für Ungeimpfte weggefallen sind. Immerhin konnte man dadurch zeigen, dass die hohen Inzidenzwerte nicht nur durch mehr Tests zustande kamen (immer den Vorteil sehen). Und ja, es ist gut, dass die Test jetzt erst mal wieder kostenfrei zur Verfügung stehen.

Also nein, ich habe kein Verständnis mehr. Die Impfung gibt es jetzt lange genug, es gibt genug zuverlässige Quellen, die die Wirksamkeit belegen, Informationen um die Zweifel die man jetzt noch vlt haben könnte aus der Welt zu schaffen, es gibt genug Gründe dafür. Und ja, ich habe keine Lust mehr darüber zu diskutieren und zuzuhören und Verständnis aufzubringen. Denn jedes Mal wenn ich mir die Argumente anhöre muss ich fast weinen und möchte schreien und dafür sind mir meine Nerven einfach zu wichtig. Und wer tatsächlich die jetzigen Regelungen mit dem Holocaust vergleicht bei dem sitzt der Aluhut einfach zu eng.

Hinweis: Die hier angegeben Namen sind nur Beispiele und beziehen sich auf keine wirklichen Personen.

Wer mich kennt oder vlt schon einen der anderen Beiträge von mir gelesen hat, der/die weiß, dass ich mich sehr mit den Themen Feminisums, Sexismus usw. beschäftige. Es ist ein andauernder Lernprozess und auch wenn ich schon viel gelesen habe, so sind auch für mich immer noch Dinge dabei, die ich erst lernen und verarbeiten muss. Das wird auch noch lange Zeit so sein (also wahrscheinlich, hoffentlich für immer).

Eine Sache, die ich gelernt habe, ist, dass solche Sprüche wie „Ich bin nicht wie andere Frauen / Mädchen“ nicht so cool sind wie sie mal in meinem Kopf klangen. Und ich habe lernen müssen, dass auch ich in manchen Punkten ziemlich sexistisch und misogyn war und einige Verhaltensweisen leider immer noch an den Tag lege. Ich reflektiere das gerade sehr stark und arbeite daran, aber es ist schwierig jahrzehntelanges Verhalten (das als ganz normal angesehen wurde) innerhalb kurzer Zeit abzulegen.

In meiner Überschrift habe ich drei Begriffe aufgegriffen und ich würde wetten, dass die meisten Flinta* (Frauen, Lesben, Intersexuelle Menschen, Nicht-binäre Personen, Transgender, Agender – weitere Informationen hier) schon einmal ein Verhalten an den Tag gelegt haben, die auf diese drei Begriffe beziehen (die sich sehr ähnlich sind). Gehen wir diese der Reihe nach durch.

Pick me Girl

„Pick me“ ist einigen bestimmt schon auf den gängigen Social Media Kanälen aufgefallen. Einem Pick me Girl wird nachgesagt, dass sie (fast) alles tut um die Aufmerksamkeit von den männlichen Freunden zu erhalten. Dabei wird eine Persönlichkeit geschaffen, die ja bloß die Anerkennung „der Jungs“ bekommen soll. Das zeichnet sich dann so aus, dass sich bewusst gegen „weibliche“ Hobbys entschieden wird, andere Mädchen werden schlecht gemacht und man selbst würde so nie sein. Dieses Verhalten kann man viel bei Jüngeren beobachten. Also zu einer Zeit, in der vieles über die Annerkennung anderer passiert. Es ist ganz normal, dass Menschen in jungen Jahren eher schauen, dass sie von Leuten gemocht werden, zu denen sie aufschauen. Warum ist das Pick me Girl aber nun problematisch? Das verhalten entsteht, weil vieles was als „mädchenhaft“ eingestuft wird als negativ dargestellt wird, dazu konkurieren Flinta* häufig mehr miteinander als (Cis) Männer das tun. In der Freundesgruppe will man das einzige Mädchen sein, weil die Jungs sind cool, die Mädchen nicht. Bin ich die einzige, dann bin ich cool.

Das Pick me Girl ist aber an sich eine Ursache und eine Entwicklung aus dem Cool Girl und dem „Ich bin nicht wie andere“.

Es gibt übrigens auch „Pick me Boys“, diese versuchen Anerkennung bei den Mädels zu erhaltenhauptsächlich durch Mitleid („Ich bin doch so nett, aber niemand mag mich“). Das nur am Rande.

Pick me Girls haben Misogynie verinnerlicht und gerade durch sehr starkes herabwürdigen anderen Mädchen treiben sie es meist immer weiter. Sie sind aber auch sehr verzweifelt auf der Suche nach Annerkennung, so stark, dass man es ihnen ansieht. Es deutet auf ein sehr geringes Selbstwertgefühl hin.

Leider wird der Begriff, der nun mal sehr negativ ist, immer häufiger verwendet, ohne es direkt zu prüfen. So werden Männer, die sich für femistische Themen einsätzen häufig als „Pick me“ bezeichnet. Und ein Mädchen, dass ein „Jungs“ Hobby hat als Pick me zu bezeichnen ist ebenfalls misogyn.

Das „Cool Girl“

Das Cool Girl ist immer entspannt, wird nie wütend, ist einfach cool. Im weiteren Sinne ist ein Cool Girl mehr an „Jungs“ Sachen interessiert, aber eben weil sie einfach cool ist. Dieses Cool Girl wird uns häufig in Film und Fernsehen gezeigt. Sie kann essen was sie will, sie behauptet sich immer gegen alle, setzt sich durch, aber ohne wütend zu werden. Sie ist auch immer verständnisvoll. Gerade die Darstellung in den Medien ist hierbei problematisch. Häufig sind es die weiblichen Hauptcharaktere die sich so verhalten. Sie zeigen damit, dass das Bild ist, dem wir alle entsprechen sollen. Das Cool Girl ist halt anders, lockerer, cooler und damit besser (weil Hauptfigur und alle mögen sie). Es wird als erstrebenswert dargestellt, mehr die Sachen zu mögen die Jungs mögen und auch halt immer ruhig zu sein. Das ist natürlich eine Traumvorstellung. Eine Frau, die alles mag, was der Mann mag und dabei schön still ist, selbst dann wenn der Mann etwas tut, was nicht ok ist.

Gerade bei Film / Fernsehen wird es nochmal verdeutlich, da es meist ein Gegenstück zu dem Cool Girl gibt. Die verständnislose, eifersüchtige, verrückte, ja beinahe hysterische Ex-Freundin. Und die mag natürlich alles, was Mädchen halt so mögen.

Durch solch eine Darstellung ist es kein Wunder, dass Pick me Girls entstehen.

„Ich bin nicht wie andere Mädchen“

Ohne Scheiß, ich kenne keine Flinta*, die nicht einmal in ihrem Leben eine solche Phase hatte (manche immernoch haben). Ich weiß, dass ich es von mir selbst gesagt habe. Ich fand schminken oberflächlich, ich war in einer StudiVZ/MeinVz Gruppe (na, wer erinnert sich noch?) die hieß: „Bei mir ist nichts pink, da glitzert auch nichts. “ Und wisst ihr was? Heute liebe ich Glitzer und zu meinem 30. hatte ich ein ziemlich pinkes Kleid an. Ok, Pink ist dennoch nicht meine Lieblingsfarbe geworden, aber ich lehne sie nicht mehr komplett ab.

Das Ding ist, wie schon geschrieben, vieles was als „typisch weiblich“ gesehen wird, wird negativ dargestellt. Und weil die wenigsten von uns sich mit dieser negativen Darstellung identifizieren können und wollen entsteht der Eindruck, dass man ja anders ist. Aber das ist halt ein Trugschluß. Denn keine Person ist gleich die andere. Wir sind alle irgendwie individuell. Sicher hat man mit einigen mehr gemeinsam als mit anderen, aber wir sind ja nicht durch Schablonen geformt worden. Es gibt Flinta* die mögen Sport, es gibt auch Cis hetero Männer die keinen mögen. Nicht jedes Mädchen spielt gerne mit Puppen und nicht jeder Junge gerne mit Autos. Nicht jede Frau ist still und nicht jeder Mann ist laut.

Übrigens, auch dieses Bild wird von den Medien stark geprägt. Wie oft kommt es vor, dass der Held der Geschichte zu seinem Love Interest sagt „Du bist nicht wie die Anderen.“ und sie nimmt es als Kompliment war. Es ist kein fucking Kompliment, es ist beleidigent gegenüber allen anderen. Hört auf meine Queens zu beleidigen. Wenn jemanden nur Komplimente einfallen, durch die andere schlecht gemacht werden möchte ich sie ehrlich gesagt nicht hören.

Internalisierte Misogynie

Internalisierte Misogynie bedeutet verinnerlichter Frauenhass. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, aber den tragen wir alle mit uns rum. Und ehe ihr jetzt jemand sagt „nein, gar nicht“ – ja, ähm, doch. Das gefährliche an dem verinnerlichtem Hass ist der, dass man diesen gar nicht als solchen wahrnimmt. All die Witze und Klischees, die wir machen und weiter geben, sind verinnerlichter Hass. Dieser kann misogyn sein oder rassistisch oder homofeindlich oder oder oder. Und er beinflusst unsere Gedanken, unseren ersten Eindrücke und unser handeln.

Ich z.B. bin mit vielen Blondinen Witzen aufgewachsen, gepaart mit einer großen Unsicherheit im Hinblick auf mein Aussehen. Ich habe mich gerade in meiner Teenagerzeit stark darüber identifiziert nicht allzu dumm zu sein, darüber viel zu lesen usw. Dazu muss ich erwähnen, dass ich dennoch nur die Realschule abgeschlosen hatte, aber ich wusste eher aus Faulheit, als daraus, dass ich dumm wäre. Ich bin auch damit aufgewachsen, dass man entweder schön oder klug ist, aber nicht beides und das prägt mich bis heute. Wenn ich ein stark geschminktes Mädchen sah bin ich davon ausgegangen, dass sie nichts anderes kann, wenn jemand sehr hübsch war, dann konnte diese Person (ja, meist Mädchen) einfach nicht genauso intelligent sein wie ich. Wenn ich mal ganz ehrlich bin, schleicht sich dieser Gedanke ab und an auch heute noch bei mir ein. Der Unterschied ist, dass ich es heute weiß und daher es verarbeite bzw den Gedanken beiseite schiebe und die Person erstmal kennenlerne. So geht es mir mit vielen Menschen, die äußerlich einem Klischee entsprechen, aber wenn man sich davon los löst lernt man viele wundervolle oder zumindest interessante Menschen kennen (ok, nicht immer).

Und ja, jede*r von uns hat solche Sprüche gesagt wie „Du läufts wie ein Mädchen“ Ich hab dann einfach gesagt „Ja, ich bin auch eins“ und damit den Frauenhass, der mit sowas mitschwinkt für mich verinnerlicht und auf mich proiziert.

Mit diesen Gedanken beurteilen wir vieles, verurteilen Menschen sehr schnell. Natürlich kann auch vieles aus Erfahrung entstehen, aber man muss halt dennoch aufpassen, dass es nicht zu Verallgemeinerungen führt. z.B. war ich heute mit einer Freundin auf einem Mittelaltermarkt und natürlich gab es einige Met-Stände. Der Verkäufer von einem dieser Stände sprach von einem „bösen“ Met. Als ich fragte, was das ist hat er zu seiner Erklärung (Kirschmet mit Whisky) noch hinzugefügt, dass diesen die meisten Frauen (er sagte Frauen, daher benutze ich hier nicht Flinta*) den nicht mögen und fragte ob ich nicht lieber den Eisbonbon nehmen will. Ich denke wirklich nicht, dass er es böse gemeint hat, sondern aus Erfahrung sprach. Dennoch ist es eine etwas unnötige Verallgemeinerung. Er hätte erklären können wie er schmeckt und mich einfach fragen können, was ich gerne mag. Aber, solche eine Änderung des Verhaltens benötigt sehr viel Reflektion und Zeit.
Der Spruch hat mich übrigens so genervt, dass ich aus Trotz den bösen Met probieren wollte, obwohl ich gar keinen Whisky mag. Und ja, was soll ich sagen, war nicht meins. Aber tatsächlich nicht, weil er mir nicht süß genug war, eher im Gegenteil (er schmeckte stark nach Kirsch mit einem rauchigem Aroma, aber nicht wirklich „böse“).

Das eigene Verhalten, aber besonders die eigenen Gedanken, die ja niemand außer einem selbst mitbekommt, zu hinterfragen ist harte Arbeit. Es ist mühsam und jede*r wird dabei merken, dass man schnell in „alte“ Muster zurück fällt. Das gehört zum Prozess dazu und jeder kleine Schritt ist wichtig und muss gegangen werden, auch Schritte zurück. Man darf nicht zu hart mit sich selbst sein, aber man muss daraus lernen. Und damit zum Abschluß zwei Bitten:
Wenn ihr bei mir ein Verhalten mitbekommt, dass auf internalisierte Misogynie (oder auch Rassismus oder anderen Dingen) hindeutet, dann sprecht mich darauf an und wenn euch jemand auf sowas anspricht, dann nehmt euch die Zeit und denkt darüber nach, ob daran was dran ist. Besonders dann, wenn die Person der jeweiligen Gruppe angehört um die es geht (auch dann, wenn ihr selbst dieser Gruppe angehört).

Achtung! Spoiler-Warnung sowohl für die Serie, als auch für die Bücher!

Ja, natürlich habe ich die erste Staffel direkt m Wochenende durchgeschaut und ja, ich schaue sie mir auch ein zweites Mal an. Und ja, ich will eine zweite Staffel (unbedingt), alleine um endlich, endlich Nikolai zu sehen.

Aber auch ja, dazu, dass ich ziemlich enttäuscht war, Ja, dass ich mir mehr erhofft hatte (die Serie stand auf meiner Watchlist ehe ein Startdatum bekannt wurde), ja, dass vieles, wirklich vieles hätte besser sein können.

Es ist durch und durch eine Hass-Liebe, die mich hier ergreift.

In der ersten Folge war ich noch total gehyped, und meine einzigen Beschwerden waren bezüglich der Optik und über das Aussehen einiger Charaktere. Da dachte ich nocht, naja, wenn das das einzige bleibt ist es meckernauf hohem Niveau. Blieb es leider nicht und je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr regt mich sehr viel an der Umsetzung auf

Alinas Aussehen

Ich rede hier nicht über das Casting an sich oder die Schauspielerin. Die Besetzung für Alina ist großartig gewählt. Was mich stört, ist dass sie von Anfang an unfassbar gut aussieht. Sie sieht zu gesund aus. Sowohl in Shadow and Bones, als auch in The 6 of Crows wird es mehrfach erwähnt, dass Grisha krank werden / wirken, wenn sie ihre Kräfte nicht nutzen.
Alina unterdrückt ihre Fähigkeiten ihr ganzes Leben lang, sie wird am Anfang beschrieben, als dürr, blass, immer kränklich und schwächlich aussehend. Das ändert sich erst, als sie ihre Kräfte nutzt. In der Serie wird das nur einmal kurz angedeutet, als Mal bemerkt, dass sie einen größeren Appetit hat als vorher. Der komplette Glow Up Effekt fehlt und damit auch ein wichtiges Merkmal der Grisha selbst. Nämlich, dass es nicht einfach nur eine Gabe, ein Talent ist, sondern natürlich und wichtig für Grisha.

Mals Aussehen

Mal wird als jemand beschrieben, den eigentlich alle attraktiv finden, hinter dem jedes Mädchen her ist, der charmant ist und dem sogar die wunderschöne, starke Zoya ein wenig verfällt (die für „nIcht-Grisha eigentlich nicht viel übrig hat). Das kommt finde ich nicht so gut rüber, und ehrlich gesagt (rein objektiv) finde ich den Darsteller so gar nicht attraktiv. Für mich die schwächste Besetzung.

Der Fokus auf Mal

(mit) das größte Problem habe ich wie stark sich die Story auf Mal fokussiert. In den Büchern erleben wir alles aus Alinas Sicht. Und es ist klar, dass das man für die Serie mehr als einer Figur folgen muss (wobei, muss man wirklich?). Es frustriert mich dennoch, dass Mal gefühlt mehr Screentime hat als Aline, die der Main-Charakter ist. Dafür wurde an der Zeit im kleinen Palast gespart, wie langwierig und anstrengend ihr Training ist wird fast komplett außen vorgelassen. Auch das wird nur angedeutet, bzw ein, zwei Mal gezeigt. Es fehlt, dass Alina langsam Freunde gewinnt, es fehlt diese Freude, als sie es endlich schafft ihre Kräfte alleine hervor zu rufen. Es fehlt so viel von ihr. Auch hätte man anderen Charakteren, wie z.B. Genya und Zoya, viel mehr Tiefe geben können. Die Freundschaft von Alina und Genya ist auch viel zu oberflächlich. Das hätten wir aber gebraucht, um ihren Verrat besser mitfühlen zu können. So aber war es halt, naja, ok, sie hat sie verraten, aber so wirklich befreundet waren sie nicht.
Es macht mich einfach ziemlich wütend, dass die Zeit des weiblichen Main-Charakter (!!) gekürzt wurde um mehr von den Männern zeigen zu können. Das ist halt leide so typisch. Warum überrascht es mich eigentlich noch? *verdammtes Patriachat grml grml*

Die Six of Crows Stroyline(s)

Das ist sie. Die wahre Hass-Liebe!! Ich liebe, liebe die Crows generell, ich liebe es, dass sie dabei sind. Ich habe besonders Jasper so gefeiert (besonders seine Stable-Boy Action), die Besetzung der 5 ist „on Point“ (über Nina kann man diskutieren, aber die Schauspielerin hat Ninas Charme super rüber gebracht). Aber die ganze Story der Crows macht vieles kaputt. Es passt nicht zur Timeline. Six of Crows spielt Jahre später nach Shadow and Bone. Nina ist eine Schülerin von Zoya und Genya, in der Serie ist sie aber schon fertig ausgebildet (anscheinend, denn sie ist auf Mission für den Darkling), während Zoya noch im Training steckt. Die Crows sind zu dem Zeitpunkt der bücher alle um die 16/17. Sie älter zu machen ok, aber ihre Story dann auch nich so stark zu verändern und nach vorne zu schieben fühlt sich einfach sehr gezwungen an. Als wenn den Produzenten klar ist, dass die Crows einfach cooler sind (was sie sind, keine Frage). Dennoch zerstören sie damit einiges. z.B. dass sie komplette Underdocks sind. Aber wenn der Darkling deinen Namen kennt, dann bist du alles, aber kein verdammter underdog. Und, es sind nur 5. Was ist mit Wylan passiert? Warum? Besonders seine Beziehung zu Jasper ist so toll in den Büchern.
Ich liebe Ninas und Matthias Vorgeschichte und es wurde gut umgesetzt, die Chemie zwischen den beiden Schauspielern passt auch wunderbar. Es ist aber ziemlich Zusammenhanglos zur eigentlichen Geschichte. Und die (neue) Story der restlichen drei passt halt überhaupt nicht. Warum sind sie plötzlich Teil der Hauptstory von Shadow and Bone? Warum? Hätte man nicht die Vorgeschichten der Figuren (aller Figuren) zeigen können, wie bei Nina & Matthias? Jasper auf der Farm, Kaz mit seinem Bruder, wie Inej in die Menagerie kommt, wie Kaz sie befreit, wie sie sich kennen lernen. Und auch hier fehlt mir wieder die Tiefe. Gerade Kaz ist so viel tiefgründiger.

Generelle Darstellung der Beziehungen

Leigh Bardugo ist eine Meisterin „leise“ Zuneigung zu beschreiben, unterdrückte Gefühle aufzuzeigen, so dass Leser:innen sich denken „Jetzt gesteh es dir doch endlich ein“. Und das kam meines Erachtens zu kurz. (Das Theme fehlende Tiefe hattenn wir jetzt schon ein paar Mal). Bei Kaz und Inej wird es zwar ansatzweise gezeigt, aber ich persönlich finde sie hat eine viel stärkere Coneection mit Jasper (könnte aber einfach an Jasper liegen). Ich bin übrigens davon überzeugt, dass die Schauspieler:innen das alle gut gespielt hätten, es aber eher an der Regie, Schnitt oder generell der Produktion lag.
Und wo bitte wird auch nur angedeutet, dass die Beziehung zwischen Zoya und dem Darkling körperlich war? Ich muss die Bücher nochmal lesen, denn aus meiner Sicht passt es so gar nicht zu Zoya, die so stark und unabhängig sein will. Ja, auch sie wurde von ihm eingenommen, aber in meiner Vorstellung immer nur auf einer Mentoren-Basis. Zoya geht es um Kraft und Stärke, nicht um eine Liebesbeziehung. (auch das wieder so typisch.)

Setting und Zugang für „Non-Reader“

Ja, auch hier wieder – fehlende Tiefe. Es wurde so durchgerauscht. Man erhält kaum einen Eindruck von Ravka und generell der Welt in die Geschichte spielt. Den ersten Eindruck von Ketterdam habe ich noch gefeiert, hätte mir aber gerne mehr gewünscht. Eigentlich wünsche ich mir von allem mehr. Mehr Hinterrund zu den Orten, zu den Personen, zu der Geschichte. Vieles geht dadurch auch komplett unter, wodurch der Zugang für diejenigen, die die Bücher nicht gelesen haben, erschwert wird. z.B. die verschiedenen Grisha-Fähigkeiten, was die verschiedenen Farben der Gewänder zu bedeuten haben usw. Diese Einführung hätte man gut einbinden können, entweder in einem Rückblick im Waisenhaus oder wenn Alina im kleinen Palast ankommt. Die ganze Diskussion welche Farbe Alinas Kefta wurde außen vorgelassen, dabei ist sie ein wichtiger Bestandteil davon zu zeigen wie die beiden Figuren Alina und der Darkling denken und fühlen. Alina möchte dazu gehören, der Darkling möchte sie als seines ansehen. Und natürlich muss man in einer bildlichen Adaption nicht alles erklären, oft reichen die Bilder, aber das reicht eben nichtimmer.

Fazit

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Serie daran scheitert es allen recht zu machen, den Leser:innen und denen die die Bücher nicht kennen. Ich verstehe, dass man viel Fan-Service leisten wollte, durch kleine Hinweise auf spätere Offenbarungen und ich kann auch verstehen, dass man jemanden wie Mal zu seinem Gunsten verändert. Das aber auf Kosten anderer Charaktere (meist auf Alinas Kosten) ist grundweg falsch. Aber wir sollen uns bitte bloß freuen, dass die Serie so hoch produziert wurde.
Wenn ich mir die Reaktionen so ansehe hat das aber tatsächlich funktioniert. Ich bin dennoch enttäuscht und traurig und wütend. So viel verschenktes Potenzial.
Aber nun bin auch wieder voll drin, im Grishavers und habe mir Merch gekauft und warte gespannt auf Staffel 2. Eine wahre Hass-Liebe eben.

In den letzen Tagen wurde schon viel über die Pinky Gloves geschrieben, gesagt, in lustigen Videos und Memes wurde die Meinung vieler dazu im Internet verbreitet. Als ich das mitbekommen hab, musste ich schon etwas schmnzeln. Ich hatte die Werbung dazu schon im Dezember 2020 gesehen und mich bei Instagram aufgeregt (könnt ihr gerne überprüfen, Insta: eule_meint). Damals hat es nur niemanden interessiert, weil es einfach niemanden aufgefallen ist. Mit gerade mal 70 Followern ist das auch kein Wunder. 😅
Der jetzige „Shitstorm“ kam auf, weil die beiden Gründer sich einer breiten Öffentlichkeit präsentierten. Das haben sie sehr bewusst gemacht und bis zur Ausstrahlung auch Erfolg gehabt, denn sie haben einen Deal bekommen, keinen schlechten, während schon andere Produkte (auch aus der gleichen Nische) leer ausgingen. Sie konnten sich also zumindest sicher sein, dass sie gesehen werden und dass sie das Label „Bekannt aus der Höhle der Löwen“ erhalten werden. Womit sie nicht gerechnet haben war halt der Widerspruch und die Kritik.

Die Kritikpunkte sind dabei folgende:

  • Perioden- Shaming
    Durch die Aussagen, dass man die Handschuhe auch im privaten Haushalt nutzen kann, sodass niemand Blut im Mülleimer sehen muss, wird die Periode als etwas ekliges dargestellt, dass man vor Menschen die nicht menstruieren verheimlichen muss. Dazu wird durch die Aussagen „hygienisch entsorgen“ ebenfalls sugeriert, dass die Menstruation etwas unhygienisches ist.
  • Sinnhaftigkeit des Handschuhes
    Menstruierende haben schon längst Lösungen gefunden. Es wurde versucht ein Problem, dass die beiden Entwickler hatten als ein Problem von Menstruierenden dargestellt.
  • Es werden nur Frauen angesprochen.
    Der Fakt, dass nicht jede Frau menstruiert und nicht jede Person die menstruiert eine Frau ist wird außer Acht gelassen.
  • Preis
    Ein Handshuh kostet umgerechnet 25 Cent, ein O.B. Tampon (also schon die teure Marke) kostet 12 Cent. Damit ist der Handschuh um das eigentliche Produkt zu entsorgen mehr als doppelt so teuer als der Tampon selbst.
  • Der Handschuh ist nicht ökologisch
    Der Handschuh selber ist ökologisch abbaubar, sobald ein Tampon drin ist er es aber nicht mehr. Es wird dadurch mehr Müll als notwendig verursacht. Vorallem weil die Gloves einzeln verpackt sind.
  • Name und Darstellung
    Natürlich müssen die Handschuhe pink sein. Das gerade in den letzten Jahren die Gendernormen versucht wurden aufzubrechen wird genauso ignoriert wie der Fakt, dass ein pinker Handschuh einfach nicht mehr diskret ist. (Womit es an einem der angeblichen Vorteile völlig vorbei geht).

Ich stimme allen Kritikpunkten voll zu. Gerade das Marketing und die Beweggründe der beiden Entwickler der Pinky Gloves sind mehr als fragwürdig. Neben dem ganzen habe ich einen Kritikpunkt aber nie gehört, gelesen oder gesehen, obwohl man ihn schon herausahnen kann.

Die Beiden haben einfach ihren verdammten Job nicht gemacht. Wenn man als Unternehmer ein Produkt entwickelt dann zählt dazu, dass man Marktforschung und Marktbeobachtung betreibt. Das sollte man besonders dann machen, wenn man nicht zur Zielgruppe gehört und auch vorher keinerlei Erfahrung mit Produktentwicklung für diesen Markt hatte.

Natürlich war ich bei der Entwicklung nicht dabei, aber hätten sie sich mit Periodenprodukten wirklich ausgiebig beschäftigt und hätten sie unabhängige Zielgruppenbefragungen (also außerhalb ihres sozielan Umfeldes) gemacht, dann hätten sie viele der Fehler vermeiden können. Vielleicht hätten sie dann das Produkt gar nicht erst auf den Markt gebracht.

Denn, hätten sie sich mit dem Markt beschäftigt, dann hätten sie eigentlich auf die Marke „Pink Tampon“ stoßen müssen. Pink Tampon ist ebenfalls von zwei Männern entwickelt worden und auch sie hatten vor einiger Zeit mit deutlicher Kritik zu tun und zwar mit ungefähr den gleichen Kritikpunkten wie jetzt die Pinky Gloves. Perioden-Shaming, Stereotypisierung (weil pink) und nur die Ansprache von Frauen, statt von Menstruierenden. Soweit ich das verfolgt habe, haben sie zumindest ein paar Punkte verbessert (den Zusatz Pink bekommen sie halt nicht mehr weg, was ich verstehen kann, wenn man schon eine Marke angemeldet hat).

Hätten sie eine Zielgruppenbefragung durchgeführt, hätten sie gemerkt, dass die meisten Menstruierenden das Produkt nicht wirklich brauchen und es auch kein Problem löst, sondern im Gegenteil die Lösung wieder alleine in die Hände von Menstruierenden legt (oder die Hand umschließt, you know…). Die beiden Männer gaben zwar an, dass sie Frauen befragt haben, aber eben nur in ihrem Umfeld.

Warum das an der Stelle nicht ausreicht? Auch das sieht man an der Geschichte, wie es überhaupt zu dieser Idee kam. Und an der Stelle muss ich einmal eine Lanze für sie brechen und habe sogar Verständniss, warum sie wirklich dachten es wäre eine gute Idee. Die beiden wurden damit erst konfrontiert, als sie schon über zwanzig waren. Sie haben Mütter, hatten vermutlich schon vorher Freundinnen gehabt, aber erst nach dem Einzug in eine WG in der Menstruierende wohnen, wurden sie mit Periodenartikeln in Mülleimern konfrontiert. Und das ist genau das worüber wir die ganze Zeit sprechen. Die Periode wurde so tabutisiert und schon jungen Mädchen wird beigebracht, dass man es bloß verstecken soll, dass zwei erwachsene Männer nicht wussten, dass das völlig normal ist. Es gibt nicht umsonst den Witz, dass Menstruierende die besten Drogendealer wären, weil wir es einfach so gewohnt sind Tampons heimlich auszutauschen. Die beiden Männer sind in einem Umfeld aufgewachsen, in denen auch ihnen das so vermittelt wird. Und es scheint auch so, dass sich auch ihr jetziges Umfeld nicht groß geändert hat, da also immer noch die uns allen eingetricherte Scham vorhanden ist.

Falsche Annahmen, auf Grund der eigenen Sozialisierung können wir alle haben. Es ist jedoch wichtig, dass wir den Leuten, die es betrifft zuhören und von ihnen lernen. Und das hätten sie, hätten sie ihren Job als Unternehmer wahr genommen.

Sie haben sich aber nur oberflächlich mit ihrer Zielgruppe, dem Markt und auch ihrem Produkt beschäftigt. Und ja, sie haben ihr Problem, zu einem Problem von Menstruierenden gemacht. Aber auch das ist so ein Ding. In einer von Männer für Männer gemachten Welt fällt es schwer zu verstehen, dass das eigene Problem nicht das Problem von allen ist, genauso wie es umgekehrt schwer fällt ein Problem zu erkennen, wenn man selber davon nicht betroffen ist.

Der „Shitstorm“ hätte also vermieden werden können. Man hätte gemerkt, dass gerade die Aussagen, dass man es zu Hause oder bei Freunden nutzen kann, nicht gut sind. Wenn man das Produkt unbedingt auf den Markt bringen will, dann hätte man das Marketing auf den einzigen wirklich ansatzweise sinnvollen Nutzen richten können, nämlich dann wenn man z.B. in der Natur campen ist. Dann hätte man den Handschuh vielleicht auch eher grün gemacht oder sowas. Aber auch wenn man in der Natur ist sollte man Dinge dabei haben um seinen Müll zu entfernen und Menstruierende bereiten sich auch auf solche Situationen genügend vor. Außer man wird überrascht. Aber ganz ehrlich, dann habe zumindest ich kleines Schusselchen ein ganz anderes Problem. Des Weiteren gibt es für diese Situationen auch andere Lösungen (z.B. normale Einweghandschuhe).

Mir fällt tatsächlich nur, neben der Natur, eine Situation ein, in der so ein Handschuh irgendwie nützlich sein könnte. Und das ist wenn man obdachlos ist und somit wirklich nicht immer die Möglichkeit hat eine Toilette aufzusuchen. Aber Obdachlose können sich definitiv keine 0,25 € für einen Handschuh, von dem man dann auch noch 2 braucht (also 0,50 € pro Tamponwechsel) leisten. Bei einem Tamponwechsel spätestens alle 6-8 Stunden benötigt man also 3-4 Tampons, also 6-8 Handschuhe. Das macht 1,50 € – 2,00 € min am Tag. Wie soll das bezahlt werden? Periodenarmut ist ein bekanntes Problem, Pinky Gloves machte, soweit ich mich erinnere, auf ihrer Instagram Seite sogar darauf aufmerksam (ist weg oder ich habs nicht mehr gefunden). Und dennoch fand sich keine Anmerkung dazu, dass sie z.B. ihr Produkt an Obdachlosenorgansiationen spenden möchten (wäre aber ne super Marketing-Aktion gewesen).

Hervorgehoben wird momentan auch, dass ja auch auf vielen öffentlichen Toiletten nicht immmer ein Mülleimer zur Verfügung steht. Das ist die traurige Wahrheit. Aber ein Extra-Produkt ist hier einfach der falsche Ansatz. Besonders in einer Zeit, in der darüber diskutiert wird Periodenprdoukte auf öffentlichen Toiletten kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Ein Mülleimer und Papiertüten sollten neben Toilettenpapier, Wasser und Seife zum Minimum gehören, nicht zur Luxus-Ausnahme. Auch hier wird deutlich wie wenig sich mit dem Markt und dem aktuellen Geschehen beschäftigt wurde.

Das sind meine hauptsächlichen Kritikpunkte und Gedanken dazu. Aber was hat das jetzt mit (White) Man Privilige zu tun? Das geht eigentlich aus meiner Einleitung schon hervor. Die beiden Männer hatten ohne große Ahnung vom Markt zu haben und ohne ihren Job als Unternehmer und Entwickler richtig zu machen dennoch Erfolg. Zumindest bis zur Ausstrahlung von ihrem Pitch. Diesen Luxus kann man sich nur erlauben, wenn man aus einem sehr priviligierten Standpunkt aus heraus handelt. Frauen haben es erwiesenermaßen schwerer Investoren zu finden. Das zeigt schon Die Höhle der Löwen, in der Menstruationsunterwäsche keinen Deal bekommen hat (weil die Zielgruppe zu klein wäre), die Handschuhe (gleiche Zielgruppe) haben ein Investment in Höhe von 30.000 € bekommen. Das ist ungefähr so, als wenn man eine 1 in der Schule bekommt, obwohl man die Hausaufgaben nicht gemacht hat, nur weil man der Liebling von allen Lehrer:innen ist. Und sich das dann nicht mal bewusst ist. Sie konnten es sich erlauben schlecht vorbereitet zu sein, weil es bis zu einem gewissen Grad funktioniert hat (und vor einigen Jahren auch besser funktioniert hätte, seien wir einmal ehrlich).

Ich bin gespannt wie es weiter geht. Ich denke aber, dass das Unternehmen sich schwer davon erhohlen wird, dazu war die Reaktion zu heftig. Außerdem können sie die Hauptkritik, dass die Handschuhe nicht gebraucht werden und kein Problem von Menstruierenden löst, nicht korrigieren.

2020 – was für ein Jahr. Ich glaube alle sind sich einig, dass es für die Gesellschaft und für die Welt und Menschheit an sich ein ziemlich mieses Jahr war. Eine Katastrophe jagdte die nächste und dazu (!) kam noch Corona. Und mit Corona ein weiterer Rechtsruck und eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Insgesamt also ein Bullshit Jahr.

Aber, betrachte ich das Jahr rein persönlich war es nicht so schlecht. Im kleinen Ansatz habe ich es schon in den Social Media Kanälen erklärt, aber ich mache es nochmal ausführlicher und erkläre, warum 2020 für mich nicht so mies war.

  • Ganz als erstes: Ich bin gesund, mir geht es gut (jetzt mal von den kleinen Depri Schüben abgesehen).
  • Ich habe ein Dach über dem Kopf und immer genug Essen im Schrank. Auch den Lieferservice kann ich mir leisten
  • Mein Job war von Anfang an sicher (etwas Kurzarbeit, aber nicht schlimm), ich musste mich nicht einmal darum sorgen, ob ich noch arbeiten kann oder nicht. Alleine damit geht es mir besser als vielen anderen.
  • Im Gegenteil, im Februar fange ich einen neuen Job an. Ich habe gemerkt.
  • In meinem privaten Umfeld ist niemand erkrankt, weder an Corona, noch an anderen Dingen.
  • Ich habe niemanden verloren und auch das ist Glück.
  • Ich im Jahr 2020 neue Freundschaften geschlossen, Bekannte die ich schon länger kenne wurden zu Freunden und alle diese Menschen sind mir unheimlich wichtig geworden und das in kurzer Zeit.
  • Generell habe ich ganz wundervolle Menschen um mich herum. Seien es die Mädels aus meiner Poletastix Familie, meine Kollegen (die auch irgendwie Freunde sind) oder eben besagte Freunde. (btw – ich hab euch alle lieb, es darf sich angesprochen fühlen wer mag).
  • Ich habe aber auch gelernt, dass es nicht schlimmes ist, sondern sogar völlig in Ordnung einige Menschen einfach loszulassen. War eine harte Lektion, aber rückblickend betrachtet besser so und ich habe meinen Frieden damit geschlossen (ich hege übrigens keinen Groll gegen diese Personen)
  • Ich habe viel neues gelernt und viel über mich selbst.
  • z. B. habe ich mich weiter mit dem Thema Feminismus beschäftigt, bin da jetzt aktiver (wer mir auf Instagram folgt weiß das aber schon).
  • Dabei auch einiges über Gender Identitäten und über sexuelle Orientierungen. Hier lerne ich immer noch, also wenn ich mal was blödes sagen, sagt mir gerne Bescheid.
  • Auch über Rassismus habe ich noch einiges gelernt, besonders über Alltagsrassismus und auch den Rassismus in unserer Sprache. Da ich Sprachentwicklung spannend und wichtig finde werde ich mich mit dem Thema wohl noch mehr beschäftigen. Auch hier, wenn ihr was interessantes habt, immer her damit.

Persönliche Highlights

  • Im September bin ich Tante geworden und meine Nichte ist das süßeste Baby der Welt. Ich bin eigentlich nicht so der Familienmensch, dennoch war ich super gerne in Berlin und nehme gerne die Aufgaben der coolen Tante war.
  • Der Kurzurlaub in Den Haag mit der wohl besten Gruppe überhaupt
  • Mein alleiniger Urlaub in Brügge. Alleine verreisen stand eh auf meiner To-do Liste und Brügge ist eine der schönsten Städte überhaupt.
  • Der Abstecher nach Leipzig. Hat sich definitiv gelohnt.

Alles in allem war es ein gutes Jahr und auch wenn mir natürlich die Konzerte, Partys und andere Sachen fehlen, so wäre das Jammern auf höchsten Niveau. Und ja, ich mache mir über die Entwicklungen in der Gesellschaft sorgen, aber dann wieder zeigen mir einige Menschen, dass doch noch nicht alles total scheiße ist. Auf diese Hoffnungsschimmer baue ich.

Heute ist wieder einer dieser Abende, an denen ich merke wie kaputt ich bin. Ich habe es hier auf diesem Blog bisher nie erwähnt, aber wer mich kennt, weiß, dass psychisch, sagen wir mal, nicht ganz ausgeglichen bin. Um nicht zu sagen, ich habe Depressionen. Zwar leichte Depressionen und nein ich bin nicht in Behandlung, aber sie sind da. Immer mal wieder, mal lauter, mal leiser. Manchmal so leise, dass nicht mal ich sie wahrnehme. Manchmal merke ich erst an einem bestimmten Punkt, dass sie eigentlich schon wieder länger bei mir hausieren, wie ein ungebetener Gast, der leise und lieb ist, dass man ihn nicht mehr als störend empfindet, bis er dann irgendwann doch im Weg steht. Und heute war einer dieser Abende, an denen ich diesen Gast zu deutlich bemerkt habe und mich die Erkenntnis, dass diese blöden Depressionen schon wieder länger auf meinen Schultern sitzen mich eiskalt traf.

Der gesamte November war für mich, wie für viele andere auch, mehr als herausfordernd. Im Frühjahr empfand ich den Lockdown noch gar nicht so schlimm, aber der jetztige Lockdown „light“ schafft mich wirklich. Fast alle meine Tage bestanden aus Arbeit und Serien schauen, ich war selber von mir gelangweilt. Da dachte ich noch, gut, dir fehlt Motivation. Also machte ich Pläne wie ich meine Tage sinnvoller gestalten kann, groß auf Instagram und Facebook angekündigt wollte ich jeden Tag eine Kleinigkeit machen. Sowas wie etwas neues kochen, wieder Sport, wieder Keyboard spielen usw. Aber natürlich blieb es nur bei den Plänen. Ich habe ein, zwei Sachen gemacht, aber schnell wieder aufgehört. Fand ich da noch OK, ich wollte mich ja auch nicht stressen. Ich schon es auf die Faulheit und sagte mir, dafür hast du ja andere Sachen gemacht.

Solange ich zufrieden damit bin wäre das nicht schlimm. Letztlich wollte ich was für mich selbst machen.

Und dann kam heute Abend. Meine wundervolle Trainerin gibt für ihre Schülerinnen Zoom Kurse, immer was anderes und heute wollte ich endlich dabei sein. Trainiert hatte ich seit einem Monat nicht mehr, aber egal, dachte ich, Hauptsache was machen.

Aber schon beim aufwärmen (was ich alleine machen musste) merkte ich, dass mir vieles schwerer viel und schob es auf die lange Pause, zum Training kam ich zu spät.

Jasmine hatte eine tolle Pole Flow Choreo zu „My Immortal“ von Evanescence für uns vorbereitet. Und, obwohl es genau „meins“ ist fiel mir alles schwer. Die Ausrichtung, den Rhythmus zu finden, die Körperspannung, mitzukommen, einfach alles. Auch die Dinge, die mir immer leicht gefallen sind. Ich bekam einen Kloß in meinem Hals, der immer noch da ist. Ich lächelte und wäre innerlich fast zusammen gebrochen. Nicht (nur) weil ich es nicht hinbekommen hab, sondern weil mir eben danach bewusst wurde, dass ich keinerlei Freude empfand und das bei dem was ich am meisten Liebe. Und mir würde klar, da waren sie wieder. Diese kleinen, fiesen Dämonen, die auf meiner Schulter sitzen und versuchen mich runter zu drücken. Depressionen heißt eben nicht „etwas traurig“ zu sein. Es heißt keine Freude zu empfinden, wenn man etwas macht, was einem Spaß macht, es heißt nur in der Lage zu sein das Nötigste zu machen. Ich funktioniere, gerade so, agiere auf dem Minimum. Ich hasse diese Erkenntnisse, denn nun mache ich mir Gedanken darüber. Und ich bin es leid. Mein Akku ist einfach leer und durch die Corona Pandemie ist es für mich nicht so leicht den Akku wieder aufzuladen. Denn dazu bräuchte ich einen ausgelassenen Abend mit Freunden, weg gehen, tanzen, einfach einen Ausgleich zum Alltag, den es nicht gibt.

Ich möchte kein Mitleid, meine Depressionen sind leicht, mir geht es verhältnismäßig gut, ich habe aber das Gefühl, dass es mir hilft es aufzuschreiben und ich bin auch der Meinung darüber reden sollte normal sein.

Und ich glaube ich bin zu alt für diesen Scheiß.

Eine kurze Zusammenfassung meiner Gedanken

Oh, wow, direkter Einstieg mit einem fröhlichen Lied übers Abschlachten von Menschen und nein.

Der Film strotzt nur so vor Klischees. Die „starke“ Frau, der Mann der Dank ihr sich ändert, der Bösewicht, der Handlanger des Bösewichtes

Die Engländer sind ziemliche Idioten. Also wirklich alle

Ja, ok, ich shippe Pocahontas und ihre BFF. Noch wer?

Mit Magie kann man wohl alles lösen und erklären (ja, ja, Disney Film, bla)

Nein, der Hund und der Waschbär sind nicht witzig. Und der arme Kolibri.

Warum will dieser eine Krieger Pocahontas eigentlich heiraten? Sie reden nicht einmal miteinander….

Mag wirklich jmd John Smith??? Er ist das Paradebeispiel für Mansplaining und liefert den Grundstein für jede toxische Beziehung.

Ohne Scheiß – das fand man damals alles in Ordnung???? Jetzt weiß ich warum so viele meiner Generation keine Ahnung von gesunden Beziehungen haben.

Nein, das Ende macht es nicht besser. Der Film war für mich eine komplette Zeitverschwendung. Er ist auf vielen Ebenen höchst problematisch, John Smith ist und bleibt ein Idiot. Bei so vielen Filmen wird gerade über eine Aufarbeitung diskutiert, sollte man bei Pocahontas unbedingt machen. Bin ich froh, dass ich diesen Film nicht als Kind gesehen habe… Pfff

Eine Auseinandersetzung mit den Gegenargumenten zur Frauenquote

Eigentlich wollte ich einen Pro & Con Beitrag zur Frauenquote machen, aber nun ist es doch anders gekommen. Ich bin hier nicht objektiv, daher werde ich mich auf die Top-Gegenargumente, die ich so mitbekommen habe, eingehen und meinen Senf dazu sagen. (Sorry, not sorry).

Vorab noch ein paar Fakten dazu. Zum einen wo die Frauenquote vorkommt (Politik & Wirtschaft), welche Modelle es in den jeweiligen Bereichen gibt und noch so ein paar historische Fakten. Wen das nicht interessiert kann direkt auf die Zweite Seite springen 😉

Frauenquote – Auszug aus Wikipedia

Frauenquote (und allgemein Geschlechterquote oder Genderquote) bezeichnet eine geschlechterbezogene Quotenregelung bei der Besetzung von Gremien oder Stellen. Der angestrebte Zweck der Frauenquote ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur.
(soweit so klar)

Arten / Modelle der Frauenquote

Es gibt jede Menge Formen / Arten der Quoten. Manche sind sinnvoller als andere.
Es gibt unterschiedliche Vorgaben der rechtlichen Bindung, der Verfahren und der Bezugsgrößen, die alle zu erläutern würde den Rahmen sprengen, entschuldigt bitte.

Ich werde mich daher kurzfassen und auf die absolute und die relative Quotenregelung eingehen.

Absolut
Bis die Quote von der festgelegten % erreicht ist werden Frauen bevorzugt eingestellt. Diese Regelung wird kritisch angesehen, dass sie Männer diskriminiert. Denn dadurch werden männliche Bewerber gar nicht erst zugelassen, egal wie qualifiziert sie sind.

Bei der absoluten Regelung unterscheidet man noch zwischen der harten Quote und der weichen Quote.
Bei der Harten dürfen nur so viele Männer gewählt / besetzt werden, wie Frauen. Gibt es also 10 Stellen dürfen erst dann 5 Plätze an Männer vergeben werden, wenn es auch 5 Frauen gibt. Können z.B nur vier Frauen überzeugen, dann dürfen nur 4 Männer eingestellt (gewählt) werden, die beiden anderen stellen bleiben so lange unbesetzt.
Bei der Weichen dürfen bei z.B. einer 50% Quote auf, die hälfte der Plätze nur Frauen kandidieren. Gibt es also 10 Plätze dürfen sich auf 5 Plätze nur Frauen bewerben, auf die anderen 5 Plätze (auch) Männer. Findet man dann 5 Männer und 4 Frauen bleibt ein Platz unbesetzt, ein 6. Mann wäre nicht zulässig.

Relativ
Ganz simpel- bei gleicher Qualifikation ist die weibliche Kandidatin vorzuziehen, bis der Frauenanteil erreicht ist.
Kritikpunkt an dieser Regelung ist häufig, dass es zu viel Spielraum lässt und so Männer dennoch bevorzugt eingestellt werden.

Frauenquote in der Politik

Bisher konnte ich zwei Arten, wie eine Frauenquote in der Politik umgesetzt wird, ausfindig machen.

Zum einen eine Quote nach dem Reißverschlussprinzip:
Das Prinzip ist recht simpel zu verstehen, zumindest für diejenigen, die öfter einmal in einem Stau standen. Auf einen Mann / eine Frau folgt ein/e Kandidatin des jeweils anderen Geschlechtes.
Klingt an sich logisch. Bei kleineren Parteien, die oft nur ein Mandat vergeben können, führt es aber (logischerweise) nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Denn der 1. Kandidat ist zumeist immer noch ein Mann. Bei ungeraden Plätzen werden so dennoch immer wieder Männer mehr wichtige Sitze einnehmen.

Zum anderen gibt es da noch das Tandem Modell
Nach diesem Modell werden je Partei & Wahlkreis jeweils ein Kandidat und eine Kandidatin zusammen an. Damit es dadurch nicht zu doppelten Mandaten kommt werden dafür die Wahlkreise halbiert. Dies funktioniert in Frankreich bei Regionalkreisen sehr gut.
Ich finde das Modell sehr spannend. Nicht nur, weil die Quote gut erfüllbar wäre, sondern auch weil ich den Gedanken mag, dass hier in Teamarbeit regiert wird. (Ja, ja, ich denke naiv. Lasst mich). Allerdings denke ich auch, dass dieses Modell nur auf regionaler Ebene funktionieren kann. Oder könnt ihr euch zwei Bundeskanzler vorstellen?

Frauenquote – kein neuer Gedanke
Zumindest in Deutschland gab es die erste Frauenquote in einer Partei schon 1932. Die KPD beschloss damals, dass 1/3-1/4 der Bezirksleitung von Frauen („Genossinnen“) übernommen werden sollen. 
Die Grünen haben direkt bei ihrer Gründung 1979 eine Frauenquote festgelegt, nach der min. 50% aller Mandate und Parteiposten durch Frauen besetzt werden müssen. Ganz schön schlau, dass direkt zu machen, so kann am Ende keiner jammern.
Auch die Linke hat eine Frauenquote von 50%.
Die SPD dagegen (die es natürlich auch schon länger als die Grünen gibt) tut sich mit der Frauenquote doch noch schwer. Erst 1988 wurde eine Quote von 33% beschlossen (für Ämter und Mandate), 98 wurde diese auf 40% angehoben.
Die CDU dagegen hat 1996 ein Frauenquorum eingeführt (eine abgeschwächte Form der Quote ), plant aber nun eine Quote, die sich stufenweise erhöhen soll (2021 30%, 2023 40% und 2025 dann voll Parität, also ein gleichmäßiges Verhältnis).
Die FDP und die AfD haben aktuell keine Frauenquote und scheinen dies auch nicht zu planen.

Auswirkung der Frauenquote der Parteien
Die Einführung einer Frauenquote in einzelnen Parteien sorgte auch dafür, dass der Frauenanteil im Bundestag anstieg. Während es jahrzehntelang einen Frauenanteil von 6-max 10% gab, gab es nach ca. 9 Jahren konstanter Steigerung doch schon *hust* einen Anteil von 31% im Jahr 1989. Seitdem ist der Anteil aber nicht wirklich gestiegen, sondern pendelt immer zwischen 31-37%. Also hat sich seit 31 Jahren die Präsenz von Frauen nicht wirklich geändert und das trotz einer weiblichen Bundeskanzlerin. (ich fühle mich so richtig gut repräsentiert… nicht).

Aktueller Anteil im Bundestag (Stand Juli 2019)
Insgesamt hat der Bundestag momentan einen Frauenanteil von 31,2%.
Dieser teilt sich wie folgt auf:

CDU/CSU: 20,73%
SPD: 42,76%
AfD: 10,99 %
FDP: 22,50%
Linke: 53,62%
Grünen: 58,21%
fraktionslos: 25% (zugegeben, bei halt wenigen Mandaten).

Interessant finde ich hier zwei Dinge. Zum einen ist der Frauenanteil bei linken Parteien doch um einiges größer. Zum anderen übererfüllen die Parteien, die eine Quote haben diese sogar, besonders die Grünen, die ihre Quote halt schon von Anfang an haben. Das es bei den Parteien ohne Quote so aussieht kann viele Gründe haben. Werden Frauen hier daran gehindert oder haben Frauen kein Interesse an solchen Parteien?

Frauenquote in der Wirtschaft

Im März 2015 wurde vom Bundestag das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im Öffentlichen Dienst“ beschlossen, nachdem eine Frauenquote von 30% in Aufsichtsräten eingehalten werden muss, die ab 2016 neu besetzt wurden. Dies gilt für mitbestimmungspflichtiger und börsennotierter Unternehmen.
Alle anderen Unternehmen sind dazu verpflichtet sich ein eigenes Ziel zu setzen, ohne Mindestvorgabe.
Das Gesetzt sieht hier aber nur Aufsichtsräte vor, nicht Vorstände. Und das merkt man leider auch. Mit Stand 2019 waren die Frauenanteile in Aufsichtsräte gestiegen, auf 32% (Vor dem Gesetz lag der Anteil bei 21,9%), bei Vorständen liegt der Frauenanteil bei 8,7 %.
Eine geplante Quote von 50% für Vorstände bleibt bisher unerfüllt und steht immer wieder zur Diskussion.

Seiten: 1 2

…. ein Erfahrungsbericht über das „Alleine-Reisen“ und ein bisschen was zu einer der schönsten Städte Europas schreiben.

(wem der ausführliche Bericht zu lang ist, der kann ganz unten zum Fazit scrollen, wo ich auch ein paar Brügge Empfehlungen aufgelistet habe)

Schon seit einige Zeit, bzw immer mal wieder, kam der Gedanke bei mir auf, einfach mal alleine zu verreisen. Ein bisschen „Me-Time“, etwas aus der Komfort-Zone raus. Das, plus dass ich nicht immer jmd finde, der / die mit möchte oder kann haben mich dazu bewegt es endlich mal anzugehen. Denn, als ich mir überlegte was ich in den zwei Wochen Urlaub, die anstanden, machen wollte stand für mich eines fest: „Bloß nicht wieder zu Hause rumgammeln“.

Ein paar Tage vor Brügge hatte ich übrigens das genaue Gegenteil, ein paar tolle Tage in den Haag mit eine Haufen sympatischer Chaoten und da war ich quasi nie alleine. Einen Reisebereicht darüber spar ich mir, aber wen es interessiert kann es bei Foxxy nachlesen. Aber dafür kann ich ziemlich gut Vergleiche ziehen.

Als ich den Entschluß gefasst hatte das jetzt doch endlich mal durch zu ziehen stellte sich die eine große Frage – Wohin? Ok, auf Grund von Corona war die Auswahl eh etwas eingeschränkt, meine erste Wahl Dublin fiel alleine deswegen schon raus, weil man sich in Irland zwei Wochen nach der Einreise in Quarantäne begeben muss (zumindest als ich buchen wollte) und das macht bei 4 Tage Aufenthalt irgendwie keinen Sinn. Aber wo, in Europa, wollte ich noch schon immer hin und hatte es noch nicht geschafft? Mir fiel Brügge ein, weil eine Freundin dort erst war und natürlich wegen dem Film „Brügge sehen und sterben“ (absolute Empfehlung).

Und dann ging es los mt der Plaung. Lieber Hotel, Pension, Hostel oder AirBnB? Ich entschied mich für ein AirBnB, was sich als echter Glücksgriff erwies. Wer in Brügge eine Unterkunft sucht sollte sich bei Hans und Reinhard melden. Hans hat mich gleich vorab mit vielen Informationen versorgt und auch zwischendrin nachgefragt, ob alles in Ordnung war. Beide haben meine einzige Kritik sehr gut aufgenommen (ich wurde in der Nacht von Mücken zerstochen, ich habe also ein Fliegen-Netz empfohlen). Und ie hinkommen? Die Bahn ist momentan unfassbar teuer (teurer als sonst und ja, das geht), ein Auto habe ich nicht. Also mit dem grünen Bus. Das war sowohl vom Zeitaufwand, als auch vom Preis her völlig in Ordnung.

In Brügge angekommen habe ich mich ersteinmal orintiert und meine Unterkunft gesucht und mich dabei einfach schon in die Stadt schock-verliebt. Ich stand dann da, mit meinem Trolly auf einer Brücke und habe erst einmal einen Schmetterling beobachtet.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, den unfassbar tollen Ausblick genoßen habe bin ich auch schon los. Auf gehts los, dachte ich mir. Und landete in leeren Gassen. Wie seltsam ruhig es war. Es war wirklich fast niemand auf den Straßen, es fuhren kaum Autos. Ohne einen Plan bin ich also erst einmal los, habe aber später doch Google-Maps zur Hilfe genommen um mich zu orientieren. Ehrlich gesagt hatte ich ganz schön Hunger. Ich hätte mir da eigentlich früher was raussuchen sollen, aber ich dachte mir „bei über 500 Restaurants wirst du schon was finden“. Ja….falsch gedacht. Ich hatte eine viel zu teure Pizza, die nicht wirklich gut war. Aber die Kellnerin war sehr bemüht, das muss ich sagen. Start fing also so semi an, aber ich war immer noch verzaubert von der Stadt. Die Suche nach was Essbaren hatte auch den netten Nebeneffekt, dass ich mich direkt in der Innenstadt umgesehen hatte.

Da der Bergfried für den Tag schon ausgebucht war, bin ich in das Gebäude (quasi) nebenan, ins Historikum. Dies ist eine mediale Führung durch das Brügge zur Zeiten des Künstler von Jan an Eyck. Es wird eine Liebesgeschichte im Jahr 1435 erzählt und man erhält einen schönen Einblick in das Leben von damals.  Danach habe ich mir ein Bier im Duvelorium Grand Beer Café gegönnt, mit Blick auf den Markt. Anschließend bin ich weiter durch die Gassen gezogen. Ich hatte mir vorab einen Reiseführer, in der zwei Touren durch Brügge beschrieben werden, zugelegt und folgte der ersten Tour mal mehr mal weniger. Ziemlich spontan machte ich eine Bootstour, da mir diese von vielen Seiten empfohlen wurden und ich mag Wasser einfach. Aber ich kann es nicht empfehlen, gerade in der Corona Zeit nicht. Die Boote werden nämlich trotzdem voll gepackt, man solle doch bitte aufrücken. Da Brügge sonst sehr vorbildlich mit der Situation umgeht (in der Innenstadt muss auch draussen immer eine Maske getragen werden) hatte mich das schon verwundert.
Danach bin ich weiter der Tour gefolgt (so etwas), habe mich aber immer wieder durch Kleinigkeiten ablenken lassen. Meinen ersten Abend habe ich gemütlich mit Bier und Chips, einem Buch und einer Serie beendet.

Der zweite Tag war tatsächlich direkt besser (und das obwohl der erste nicht wirklich schlecht war). Ich hatte mir ein Lokal mit eine guten Frühstücksangebot rausgesucht (davon gibt es in Brügge eine Menge) und OmG, war das gut. Mein Bedürfniss nach Food-Porn-Bildern konnte ich hier definitv befriedigen. (Bilder folgen unten). Da Brügge voll vo Kirchen, Wasser, Gassn ist bestand mein zweiter Tag genau daraus. Mittags bin ich dann zum Bergfried. Ich wollte auf den berühmten Turm. Ja, ok, ich ha Höhenangst, aber nur wenn es wackelt oder es offen ist. Das ist ein geschlossener Turm, das wird schon. … Wurde es nicht. In meinem eifer hatte ich völli übersehen, dass ich sowas noch nie alleine gemacht habe und hab auf der Hälfte erst einmal eine schöne Panik-Attacke bekommen. Weil… keine Ahnung… es windig war. Da stand / saß ich nun, um mich herum das Gemäuer, traute mich nicht weiter hoch, hörte den Wind pfeifen, versuchte einen Heulkramkpf zu unterdrücken (auf keinen Fall sollten die anderen Touris mich heulen sehen, weil ich bin doch eine starke, unabhängige Frau). Aber runter wollte ich auch nicht (Stark & Unabhängig!!!). Aber nachdem die Panik nur bei dem Gedanken weiter hoch zu müssen immer wieder kam bzw ich eine neue Panik vor der Panik entwickelte bin ich tief geknickt wieder runter und gönnte mir erstmal ein Stück Kuchen (The Gulliver Tree, super lecker und gemütlich).
Und so schaute ich mir weiter die ungefährlichen Gassen und Kirchen und Grachten an, genoß den Tag, spazierte an Mühlen vorbei. Abends ass ich in einem sehr coolen Lokal, Backstein-Wände, etwas Rock-Musik, Kerzenschein und unfassbar leckeres Essen (Lokkedize). Vlt weil ich alleine war, aber ich genoß alles. Und der Kellner war super nett, sprach mit mir soweit es ging deutsch und alles in allem war es ein schöner Abend.
Was man einmal gemacht haben muss ist Brügge bei Nacht sehen. Die eh schon wundervolle Stadt bekommt dann noch einmal einen ganz neuen Charme.

Ok, dritter Tag. Mit beiden Touren aus dem Buch war ich fast durch. Was also tun? Zum Glück ist Brügge voll mit Museen. Nach einem tollen Frühstück im „Books and Brunch“ (es ist genau das wonach es sich anhört und toll) bin ich in die Chocko-Story, also dem Schokoladen-Museum von Brügge. Ja, ich weiß – Köln hat auch eines und d wll ich auch mal wieder rein, aber Belgien ist eben bekannter für Schokolade als Deutschland (leugnen bringt hier nix) und danach in die Beer-Experience, also dem Biermuseum mit anschließendem Bier-Tasting. Beides super interessant und ehrlich mal – Schokolade & Bier – was will man denn noch mehr?
Da ich tatsächlich auch ein paar Souvenirs (also Schokolade) kaufen wollte bin ich auf Empfehlung meines Gastgebers noch zu Choclate Line gegangen. Meine Güte, das war ein Fehler. Der Laden ist viel zu cool und man gibt da so schnell Geld aus. Habe ich zu viel gekauft? Ja, vlt. Bereue ich es nicht noch mehr gekauft zu haben? Ja, auf jeden Fall. Ich muss da nochmal hin. Denn „Choclate is Rock’n’Roll“

Meinen letzten halben Tag habe ich dann genutzt und bin noch in die Salvador Dali Ausstellung gegangen, die ich aber nur empfehlen kann, wenn man großer Fan des Künstlers ist und Originale sehen oder sogar erwerben will. Wer etwas über ihn erfahren will muss sich durch einen Schnell-Hefter wühlen, wobei die Anordnung der Bilder & Skulpturen nicht mit der Reihenfolge in der Mappe übereinstimmen. So hatte ich da leider wenig Spaß dran. Nach einem weiteren Spaziergang durch die Stadt einer belgischen Waffel habe ich mich dann auch schon auf den Heimweg gemacht. Es waren schöne Tage, definitiv.

Fazit Brügge + Tipps

Brügge ist schön, eine, wenn nicht die, schönste Stadt Europas. Brügge hat im Grunde Glück im Unglück gehabt, denn sie hat nicht von der Industrialisierung profitiert und wurde in den Kriegen größtenteils verschont. Das sieht man an jeder Ecke. Und trotz der, für die kleine Stadt, vielen Menschen ist Brügge sehr sauber. an den Grachten und in den Parks stehen überall grüne Stühle, die zum Verweilen einladen. Mit einem Bierchen am Wasser sitzen ist hier definitiv kein Problem. Und ja, die Stühle werden nicht demoliert oder ins Wasser geschmissen.

Brügge – eine klingende Stadt

Anders kann ich es nicht bezeichnen. In Brügge gibt es viele Kirchen und mit ihnen viele Glocken. Es ist quasi egal wo man ist, irgendwann hört man immer eine und sei es daß Glockenspiel vom Bergfried. Aber es ist nicht störend. Im Gegenteil, es passt sich wunderbar in das ruhige Stadtbild und verleiht es etwas noch friedlicheres. Das Bild einer Musikstadt wurde noch verstärkt, als ich eines Abends auf dem Weg zurück zum Zimmer Musik hörte. Aus Neugier und Konzertentzug bin ich der einfach gefolgt und stand dann vor einem großen Gebäude in dem anscheinend geprobt wurde. Ich stand da einfach vor und hab zugehört. Ein zweites Erlebnis war eine Gruppe von Jugendlichen, die auf dem Marktplatz mit Gitarren stand / saß und bekannte Lieder spielte und sang. Klar, Straßenmusiker gibt es überall, aber waren sie so im Mittelpunkt und es störte keinen. Man kam zusammen (mit Abstand natürlich) und hörte einfach zu.

Es lohnt sich auf jeden Fall die Stadt zu besuchen. Aber Brügge ist auch sehr teuer. Ein Gericht unter 10€ findet man im Grunde nicht, die Museen bewegen sich auch alle um die 10-13 €. Man sollte also Brügge nur mit genug Reisebudget machen, sonst kann man es nicht genießen.

Empfehlungen:

  • Bergfried (zeigt mir, dass ihr mutiger seid als ich)
  • Historikum
  • Beer Experince
  • Chocolate Story
  • Durch die kleinen Gassen wandern
  • An den alten Mühlen vorbei gehen
  • Gemütlich an einer Gracht sitzen, ein Buch lesen und die Zeit genießen
  • Brügge Nachts
  • Ein Stück Kuchen im „The Oliver Tree essen“
  • Dinner im Lokkedize
  • Frühstück im Books and Brunch (und dann natürlich Bücher schmökern)
  • Pralinen von Chocolate Line (Hans hatte mir noch Spegelaere empfohlen, da hab ich es aber nicht hingeschafft)
  • Wer noch etwa Zeit hat – das Meer ist nicht weit (auch das hab ich nicht geschafft)

Nicht empfehlenswert:

  • Die Salvador Dali Ausstellung
  • Die Bootstour
  • Irgendwelche beliebigen Restaurants (hier gibt es einige, die teuer sind, aber wenig Qualität bieten)
  • Genau wie einige der Chocolate Stores.

Fazit – Alleine Reisen

Tatsächlich hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Aber ich habe mir auch vorher Tipps besorgt. Das wichtigste ist vorab einen Plan zu haben, was man machen möchte, mit genug Freiraum diesen zu ändern. Denn der Freiraum ist das, was für mich die Erfahrung am besten gemacht hat. Es war egal, dass ich 10 Minuten einen Schmetterling beobachtet habe oder dass ich statt zurück ins Zimmer in die andere Richtung gelaufen bin, weil von dort Musik kam. Ich konnte mir Museen ansehen, die mich interessiert haben und es konnte mich keiner drängen, mich endlich für ein Restaurant zu entscheiden. Alles lag an mir. So konnte ich mich auch einfach mal ans Wasser setzen und lesen. Auf der anderen Seite muss ich aber sagen, dass es mir schon gefehlt hat mich mit anderen über meine Eindrücke auszutauschen und gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen zu haben. Und ich hatte schon ein Problem damit nur mit Menschen zu reden, wenn ich etwas gekauft oder bestellt habe (vlt hab ich deswegen so viel Geld ausgegeben 🤔). Ich bin einfach gerne mit anderen Menschen zusammen, auch wenn ich dann selbst nicht viel rede. Da ich aber auch zu schüchtern bin um einfach so neue Leute kennenzulernen konnte ich mein Bedürfnis nach Kommunikation nicht wirklich befriedigen. Als mich eine Freundin fragte, ob ich Spaß habe wusste ich ehrlich gesagt nicht was sagen soll. Denn ja, ich hatte eine gute Zeit, aber ich würde es nicht als Spaß bezeichnen.

Würde ich wieder alleine reisen? Ja, aber nur wenn ich irgendwo hin will und sonst keinen finde. Zum Glück sind einige meiner Freunde genauso reiselustig. Eine Alternative wären noch Reisegruppen, z.b. mit Sprachreisen. Auch das ist etwas, was ich evtl noch machen werde. Ist nur momentan einfach alles ein bisschen schwieriger.